Kommunikations-spezialistin

Therese, 61 Jahre alt mit Wohn- und Arbeitsort in Vielbringen bei Worb hat ihre Begabung als Kommunikationsspezialistin (Gespräche mit Tieren, Menschen, Pflanzen, Häusern und Orten) zu ihrer Berufung gemacht.

Eine offene, ehrliche und achtsame Kommunikation mit den Menschen ist mir schon immer wichtig gewesen. Aber auch andere Lebewesen, wie beispielsweise Tiere und Pflanzen und sogar Häuser und Orte haben Geschichten und Bedürfnisse, welche sie mitteilen möchten. Ein Glück gibt es die Telepathie, welche die Chance bietet, mit verschiedensten Lebewesen und Gegenständen zu kommunizieren.

Dieser Art der Kommunikation habe ich mich beruflich verschrieben. Die Möglichkeit, mit allem und jedem auf dieser Welt eine Verbindung eingehen zu können, fasziniert mich immer wieder von Neuem. Mir gefällt sehr, dass ich mein Wissen zum Wohl von Mensch, Tier und Natur einsetzen kann. Empathie ist schon immer ein Bestandteil meiner Persönlichkeit gewesen.

Trotzdem ist viel Zeit vergangen, bis ich dieser Art von Kommunikation nachgegangen bin. Nach der obligatorischen Schule habe ich nämlich zuerst eine Ausbildung zur Pharma-Assistentin und später das Seminar zur Primarlehrerin abgeschlossen. Als solche habe ich dann aber trotzdem nie gearbeitet. Vielmehr bin ich neben meiner Tätigkeit in der Apotheke als Berufsschullehrerin für den selben Beruf tätig gewesen. Diese Arbeitsstellen haben mir viele Erfahrungen eingebracht. Dennoch möchte ich meinen aktuellen Beruf nicht mehr missen. Müsste ich mich zurückversetzen und meinen beruflichen Weg neu planen, würde ich sicherlich keine bedeutsamen Änderungen vornehmen. Ausser, dass ich von dieser beruflichen Tätigkeit nicht zu 100 % leben kann, sehe ich nämlich keine negativen Seiten an meinem jetzigen Tun. Um meine Miete jeweils pünktlich und vollständig zahlen zu können, arbeite ich zusätzlich in einem Pensum von circa 20 % als Nachtpräsenz in einer Institution für begleitetes Wohnen. Müsste ich meine beiden Berufe aus unbekannten Gründen aufgeben, wäre es wohl das Naheliegendste, wieder eine einfühlsame Tätigkeit im Zusammenhang mit Menschen und / oder Tieren auszuwählen.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich damals zur telepathischen Kommunikation gekommen bin: Wie es scheint, habe ich unbewusst schon immer eine Sehnsucht nach dieser Art von Kommunikation verspürt. Ein Buch, in welchem näher auf Gespräche zwischen Menschen und Tieren eingegangen wird, hat diese Sehnsucht erweckt. Später hat mich eine spannende Fernsehsendung direkt in einen Wochenendgrundkurs zum Thema «Tierkommunikation» geführt. Obwohl zahlreiche weitere Ausbildungen in diesem Bereich angeboten werden, habe ich mich aus Kostengründen dazu entschieden, mir meine persönlichen Techniken anzueignen. Anstatt weitere Kurse zu besuchen habe ich verschiedene Bücher gelesen und vor allem fleissig weitergeübt. Bis ich meinen beruflichen Weg dann aber endgültig verändert habe, hat es dann doch noch einige Jahre gedauert. Ich danke den Menschen, die mich ermutigt haben, meine Träume zu leben.

Die Auftraggeber wenden sich mit verschiedenen Fragen und Problemen an mich. Am häufigsten geht es dabei um ein geliebtes Haustier, wie beispielsweise Hunde, Katzen oder Pferde. Einige Tierhalter möchten wissen, wie es dem tierischen Familienmitglied geht und welche Bedürfnisse es hat, andere Menschen möchten ihre Lieblinge über anstehende Veränderungen informieren oder erfahren, wie es dem kranken Tier geht und ob es noch weiterleben möchte. Seltener haben die Kunden Fragen zu sich selber. In einzelnen Fällen zu eigenen, noch kleinen Kindern. Sie möchten mehr über anstehende Entscheidungen erfahren, suchen den Weg zu sich selber oder verstehen das Verhalten ihres Kindes nicht. Im Umgang mit der telepathischen Kommunikation mit Menschen, ja mit allen Lebewesen, achte ich streng darauf, dass ich niemanden gegen seinen Willen aushorche. Ich nehme keine Aufträge für andere Personen an. Falls es zum Beispiel um Beziehungsfragen geht, lenke ich meine Aufmerksamkeit darum immer auf die Sicht des Auftraggebers. Ab und zu werden mir auch Fragen zu Pflanzen, Orten und Häusern gestellt. Manche Anrufer möchten zum Beispiel wissen, ob eine Wohnung einen Umzug wert ist oder ob ein Baum Verständnis für eine baldige Abholzung hat und was er braucht.

Um mir einen Auftrag zu erteilen, melden sich meine Kunden, mehrheitlich Frauen in jedem Alter, in der Regel telefonisch bei mir. Ein erster Anruf biete ich unverbindlich an. Es geht als erstes darum mit meinen Kunden den Auftrag zu klären. Für die Erfüllung der Aufträge setze ich mich dann jeweils zur 30 bis 45-minutigen Meditation hin, wofür ich keine Hilfsmittel und nicht unbedingt einen fixen Platz benötige. Auf geistigem Weg nehme ich mit dem Lebewesen Kontakt auf. In meinem Innern erscheint in den meisten Fällen ein Bild, eine Energieform, ein Gefühl, eine Farbe oder ein Eindruck des Wesens. In Gedanken spreche ich nun meine Fragen sowie Mitteilungen aus und nehme einfach wahr was sich in mir zeigt. Ab und zu unterstützt mich meine liebenswerte Katze Lia mit ihrer Anwesenheit bei der Meditation.

Bei einem zweiten Telefongespräch erläutere ich den Auftraggebern meine Wahrnehmungen. Eine 100 prozentige Erfolgschance kann ich nicht versprechen, da jedes Lebewesen seinen freien Willen hat und nach seinen Möglichkeiten mitmacht. Die Distanz spielt bei der Durchführung im Übrigen keine Rolle, was es mir auch ermöglicht, Kunden aus dem Ausland weiterzuhelfen. Von viel grösserer Wichtigkeit ist tatsächlich die Persönlichkeit der ausführenden Person. Jemand aus diesem Berufsgebiet benötigt Einfühlungsvermögen, Sensitivität, Durchhaltevermögen, Lebensfreude, Liebe zu Mensch, Tier sowie Natur und von Vorteil auch viel Lebenserfahrung.

Neben den Kundenaufträgen biete ich verschiedene Kurse an, in welchen ich die Teilnehmenden dabei unterstütze, die eigene Mitte zu finden und die persönliche Wahrnehmung zu schulen. Mit Freude passe ich die angebotenen Kurse den individuellen Bedürfnissen und Zielen an. Zusätzlich können Naturaufstellungen gebucht werden. Bei einer solchen nehmen freiwillige Personen den stellvertretenden Platz für ein bestimmtes Element in unserer Umwelt ein: Zum Beispiel für einen Hund, einen Baum oder ein Haus. Durch solche Aufstellungen kann oftmals Klarheit geschaffen und viele Fragen zur Natur beantwortet werden.

Jeder Auftrag ist eine Perle und auf seine Art und Weise schön wie auch berührend. Als am Schönsten empfinde ich, wenn die Menschen ein erweitertes Verständnis für das Verhalten ihres geliebten Haustieres erhalten und sich schwierige Situationen für alle Beteiligten entspannen und lösen. Die Arbeit mit Tieren hat aber auch traurige Seiten. So erhalte ich oft Aufträge mit kranken und sterbenden Vierbeinern. Ich habe akzeptiert, dass das Sterben ebenso zu unserer Welt gehört wie das Leben. Zu schaffen, machen mir die Suchen nach verschwundenen Tieren. Bei dieser Art von Aufträgen ist meine Erfolgsrate zu meinem Bedauern niedrig und somit wenig hilfreich.

Meiner Arbeit gehe ich seit 2008 als selbständig Erwerbende nach. Die ersten Schritte in diese Richtung haben mir soweit keine Probleme bereitet. Einzig bei der Anzahl Aufträgen erhoffe ich mir nach wie vor mehr. Es ist nun einmal so, dass mir die bedeutenden Marketingfähigkeiten nicht im Blut liegen und mein Beruf nicht überall bekannt ist. Trotzdem kann ich stolz offenbaren, dass ich viele Stammkunden betreue und der grösste Teil meiner Kundschaft meine Dienstleistungen aufgrund von Mund-zu-Mund Propaganda beanspruchen. Das bedeutet für mich, dass die Qualität stimmt.

In der Selbständigkeit habe ich die Freiheit, über meine Arbeitszeiten, Arbeitstage, Arbeitsmethoden und Werte selber zu entscheiden. Ich habe mit mir vereinbart, ethischen Werten eine grosse Bedeutung zuzusprechen. Manchmal bin ich auch am Wochenende erreichbar, sofern ich nicht anderweitig beschäftigt bin. Einen einheitlichen Tagesablauf habe ich hingegen keinen festgelegt. Mein Beschäftigungsgrad hängt stark von den erhaltenen Aufträgen und deren Komplexität ab. Somit sind die Grenzen zwischen beruflichen und privaten Tätigkeiten fliessend.

Geniesse ich Freizeit, philosophiere ich gerne mit meinen Mitmenschen über Gott und die Welt, musiziere mit grosser Freude, geniesse den Moment wie auch die Natur, fotografiere mit Freude und fahre ab und zu Ski. Eine Pause benötige ich von meiner Arbeit aber eigentlich nicht. Meinen Beruf sehe ich nämlich sowohl als Berufung als auch als Hobby.

Weitere Informationen:
http://www.therese.vonwerdt.com


Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Kommunikationsspezialistin / des Kommunikationsspezialisten?

14 Gedanken zu „Kommunikations-spezialistin“

  1. Ein interessanter Beruf, von dem ich glaub ich irgendwo auch schon mal gehört habe! Gefällt mir gut, weil es sowas positives ausstrahlt! Ich glaub, diese Arbeit kann einfach nur Freude machen!

    1. Liebe Jana, danke für deinen Kommentar 🙂 Solche positive Berufe sollte es wirklich noch mehr geben. Toll, wie Therese ihren Kunden nicht nur Hoffnung schenken kann, sondern auch wirklich helfen.

  2. Ich kannte diesen Beruf noch nicht aber umso schöner jetzt einen Einblick erhalten zu haben, deine Blog ist dahingehend wirklich sehr informativ. Und es ist schön, dass es noch Berufe gibt die man von Grund auf sehr gerne macht und dahinter steht.

    1. Liebe Eileen, danke für deinen Kommentar und das positive Feedback 🙂 Ich freue mich, dass nicht nur ich neue Berufe kennenlernen kann, sondern diese auch noch der Öffentlichkeit präsentieren darf.

  3. Was für ein interessanter Lebensweg. Wenn man seine Gaben nutzt werden sie, wenn man Glück hat irgendwann zur Berufung, das ist hier wohl geschehen.

    1. Liebe Annette, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Da hast du recht. Schön, wenn man den Mut hat seine Gaben beruflich einzusetzen.

    1. Liebe Katja, danke für deinen Kommentar 🙂 Ich kannte diesen Beruf vor dem Interview auch noch nicht. Ich finde ihn sehr faszinierend und bin froh, dass ich ihn hier vorstellen durfte.

  4. Unter dem Titel habe ich mir etwas völlig anderes vorgestellt unter dem Beruf. Ich hätte um ehrlich zu sein nie gedacht, dass es wirklich ein beruf ist. Dass es Menschen gibt, die mit Tieren kommunizieren, habe ich jedoch bereits gehört.

    1. Liebe Wioleta, danke für deinen Kommentar 🙂 Ein sehr spannendes Berufsfeld, wie ich finde. Bekannt ist der Beruf aber wirklich kaum.

  5. Wow! Diesen Beruf kenne ich gar nicht … und ich dachte ich wäre als Personalberaterin „fit“ bei diesen Dingen. Das klingt auf jeden Fall interessant … werde da gleich ein wenig recherchieren.

    lg
    Verena

    1. Liebe Verena, danke für deinen Kommentar 🙂 Toll, dass ich dir noch einen neuen Beruf vorstellen konnte. Viel Spass beim Recherchieren.

Schreibe einen Kommentar zu Eileen Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.