Student in Sozialdiakonie

Flo, 21 Jahre alt mit Wohnort in Heimenschwand, lernt sich und seine Mitwelt in seinem Studium für Sozialdiakonie und Gemeindeanimation neu kennen.

Als Sozialdiakonie wird die professionelle, christlich motivierte Unterstützung von Bedürftigen bezeichnet. Mit einem Studium in diesem Bereich stehen verschiedene berufliche Richtungen offen. Es besteht beispielsweise die Möglichkeit in der Jugendarbeit zu arbeiten, Gottesdienste zu führen, KUW zu unterrichten oder in einem sozialen Bereich, wie der Migrantenhilfe oder der Begleitung von beeinträchtigten Menschen zu arbeiten. Als Fähigkeiten sollte ein angehender Sozialdiakon Grundkenntnisse in der Theologie, Autorität und vor allem ein grosses Herz für jeden Menschen mitbringen. 
Um meine Pflichten als sogenannter Diener der Menschheit professionell ausüben zu können, absolviere ich ein Vollzeitstudium von vier Jahren an der TDS Aarau. Ursprünglich habe ich eine Anstellung auf einer Kirchgemeinde angestrebt. Seit Beginn der Ausbildung kann ich mein berufliches Ziel aber nicht mehr so genau definieren, denn einerseits wird mein persönliches positives und negatives Denken gegenüber den Menschen und Gott in schulischen Modulen auf den Kopf gestellt und andererseits zeigen mir verschiedene Praktika viele spannende Bereiche der Sozialdiakonie. Nun könnte ich mir auch die vielseitige Arbeit mit Migranten gut vorstellen. Um wichtige Grundlagen für meine zukünftige Arbeit zu erhalten, liegt der Fokus der Ausbildung zum einen auf sozialen Modulen, in welchen sich meine Klasse mit den verschiedensten Umgangsformen, Anstandsregeln, Wegen zu lösungsorientiertem Handeln und Methoden zur Ermutigung befasst und zum anderen auf theologischen Modulen, in welchen die Bibelkunde im Mittelpunkt steht. Das praktische Wissen und somit einen Einblick in die verschiedensten Bereiche der Sozialdiakonie erhalte ich in drei Praktika, welche über die Ausbildungszeit verteilt sind. So lerne ich meine zukünftige Arbeit in einem sozialen Praktikum mit beeinträchtigen Menschen oder Migranten, einem kirchlichen Praktikum und einem Wahlpraktikum vertieft kennen.

Das Studium unterscheidet sich insofern von der obligatorischen Schule, dass der Lernstoff auf eine spezielle Fachrichtung ausgelegt ist und die Eigenverantwortung im Vordergrund steht.

Ehemals habe ich eine vierjährige Lehre zum Schreiner absolviert und ein Jahr temporär auf diesem Beruf gearbeitet. Zu meinen alltäglichen Aufgaben hat das Zuschneiden von Holz sowie Ausmessen und Zusammenbauen verschiedenster Möbel gezählt. An und für sich eine spannende Arbeit, jedoch hat es mir der raue Umgang auf dem Bau wenig angetan. Viel lieber wollte ich schon immer Menschen unterstützen, ihnen etwas mit auf den Weg geben, von ihnen lernen und miteinander arbeiten anstatt gegeneinander, weshalb ich schon früher ehrenamtlich in der Kirche und vor allem der Jugendarbeit Verantwortung übernommen habe.

Mein Tagesablauf an der höheren Fachschule beginnt um circa 07:00 Uhr, weshalb ich schon um 05:15 Uhr aufstehe und mich eine dreiviertel Stunde später mit dem öffentlichen Verkehr auf den Weg mache. Bis zum Mittag, an welchem ein kurzer Gottesdienst stattfindet, befasst sich meine Klasse mit den verschiedenen Modulen. Nach der Mittagspause dauert der Unterricht bis 17:00 Uhr. Jedoch ist mein Tag danach noch lange nicht zu Ende. Ich treffe um circa 19:00 Uhr zu Hause ein und setze mich hinter den Schreibtisch, um zu lernen und Hausaufgaben zu erledigen. Jeden Mittwoch und Donnerstag, sowie Freitagnachmittag lerne ich im Selbststudium von zu Hause aus oder mit Schulkollegen für Zwischenprüfungen und die jährlichen Diplomprüfungen.

Eigentlich gehöre ich überhaupt nicht zu den Menschen, die gerne stundenlang Theorien lernen und Hausaufgaben machen. Im Gegenteil! Ich bin eher praktisch veranlagt und benötige daher viel Selbstdisziplin und Umgewöhnung, um meinem Wunschberuf näherzukommen. Dennoch würde ich diese Ausbildung ohne zu zögern weiterempfehlen und nochmals beginnen. Wäre mir dieser Weg aus unbekannten Gründen nicht offen, würde ich mich eventuell mit einem eigenen Musikladen und als Gitarrenlehrer selbständig machen. Als Schreiner würde ich wohl nicht mehr arbeiten, denn dieser Beruf hat nicht meinen Vorstellungen entsprochen.

Neben dem Studium verdiene ich etwas Geld mit meinem angebotenen Gitarrenunterricht und arbeite in den Ferien temporär als Schreiner. Auch in den obligatorischen Praktika erhalte ich eine kleine Entlohnung. Trotzdem kann ich das Studium nicht selber finanzieren und bin daher auf die Unterstützung meiner Familie angewiesen. Den grössten Teil meiner Freizeit ist mit Lernen und Geld verdienen verplant. Gönne ich mir eine Pause, gehe ich zum Ausgleich meinen Leidenschaften dem Windsurfen, dem Training im Fitnessstudio und dem Gitarrenspielen nach. Zudem übe ich Cardistry, die Kartenkunst, aus und gehe gerne mit Freunden ins Kino.

An meinem Studium und an meinem zukünftigen Beruf fasziniert mich überwiegend der Kontakt mit verschiedensten Menschen und der Glaube. Gerne bezeichne ich die Ausbildung zum Sozialdiakon als eine Art Lebensschule, in welcher jeder herausfindet, wo und für was sein / ihr Herz schlägt. Dank des übermittelten Lernstoffes zu sozialen und theologischen Bereichen fühle ich mich nicht nur auf meinen zukünftigen Beruf, sondern auch auf mein bevorstehendes Leben gut vorbereitet.

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf des Sozialdiakons / der Sozialdiakonin?

16 Gedanken zu „Student in Sozialdiakonie“

    1. Liebe Annette, danke für deinen Kommentar 🙂 Ganz genau! Ein spannender Beruf, der auch seine Berechtigung hat. Zum Glück haben wir ja nicht alle die gleichen Interessen 😉

  1. Das ist ja mal ein sehr interessanter und aufschlussreicher Artikel.
    Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, dass man das so studieren kann.
    Flo, dir sind alle Daumen gedrückt, für eine wirkungsvolle Zukunft.

    Viele Grüße, Katja

    1. Liebe Katja, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Schön, dass ich dir diesen Beruf (oder den Weg dahin) vorstellen konnte. Ich leite deine Wünsche für die Zukunft gerne an Flo weiter.

  2. Huhu,

    für mich persönlich wäre der Beruf glaube nichts, da ich mich damit nicht identifzieren könnte, aber ich habe den Bericht als spannend empfunden und finde es interessant, wenn man neue Einblicke erhaschen kann.

    Lg
    Steffi

  3. Hallo, ich wusste auch nicht, dass man das studieren kann und fände den Beruf als Schreiner weitaus interessanter. Dabei muss man ja nicht zwangsläufig auf einem Bau sein, sondern kann so viele tolle Dinge machen. Aber Du hast Dich dafür entschieden und ich finde es super, dass Du Dein Ziel so konsequent verfolgst.
    Liebe Grüße
    Anja von Castlemaker.de

    1. Liebe Anja, danke für deinen Kommentar 🙂 Ja, so sind unsere Interessen verschieden. Ich kenne Flo und muss sagen, dass zu ihm der Beruf des Sozialdiakones viel besser passt.

  4. Ein schöner Einblick in ein spannendes Berufsfeld für das man wohl wirklich ein großes Herz braucht. Hut ab und viel Durchhaltevermögen und Freude auf dem weiteren Weg für Flo 🙂

  5. Ganz ehrlich: Ich habe noch nie davon gehört. Umso toller finde ich, dass du uns wieder mal etwas vorgestellt hast was nicht so verbreitet ist. Man lernt ja bekanntlich nicht aus.

    Alles Liebe,
    Julia

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