Wegbegleiterin

Claudia, 40 Jahre alt, mit Wohn- und Arbeitsort in Reutigen, brennt für Ihre Berufung als Wegbegleiterin und führt die Praxis bewusstSEIN mit Herzblut.

Ich bin ein totaler Gefühlsmensch und beschreibe mich als neugierig, kreativ und direkt. Ich bin vielseitig interessiert und finde oft grosse Begeisterung für kleine Dinge, woraus ich auch meine Kraft beziehe. Von meinen Mitmenschen wünsche ich mir Tiefe und einen regen Austausch, wieso ich mich selber auch als kommunizierfreudig und im positiven Sinne vielleicht etwas anstrengend bezeichnen würde.

Im September 2009 habe ich mich als Wegbegleiterin teilselbständig gemacht. Dabei habe ich mir verschiedene Hauptstandbeine aufgebaut, alle mit dem Ziel den Tagen mehr Leben einzuhauchen und den Menschen mehr Bewusstsein für unser Leben und auch den Tod mitzugeben. In erster Linie bin ich eine Beraterin und Begleiterin, die Menschen in schwierigen, unangenehmen oder auch unzufriedenen Situationen mögliche Wege aufzeigt. Dabei komme ich täglich mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Geschichten in Kontakt. So begegne ich beispielsweise Menschen, die sich im Sterbe- oder Trauerprozess befinden, fülligen Frauen, die mit einigen Herausforderungen in unserer Gesellschaft zu kämpfen haben oder auch mit Menschen, die mehr Selbstvertrauen erlangen möchten. Neben meiner Teilselbständigkeit bin ich in einem kleinen Pensum als Angestellte im KV-Bereich tätig.

Ursprünglich habe ich eine Lehre zur Kauffrau abgeschlossen, da sich die Suche nach meinem Traumberuf damals als schwierig erwiesen hat. Jedoch hat mir diese Lehre nie wirklich zugesagt. Direkt nach dem Lehrabschluss habe ich eine Ausbildung zur medizinischen Sekretärin und später einen Teil der Ausbildung als medizinische Praxisassistentin absolviert. Auf diesem Beruf habe ich dann in verschiedensten Bereichen rund 15 Jahre gearbeitet. Schon zu dieser Zeit habe ich so gut wie immer an „Brennpunkten“ gearbeitet: Auf der Intensivstation und auch auf der Notfallstation, wo die Konfrontation mit Schicksalsschlägen Alltag ist. Ebenfalls habe ich knapp fünf Jahre im psychiatrischen Bereich gearbeitet. Während dieser Zeit habe ich eine Weiterbildung im Bereich agogische Begleitung von Menschen mit einer psychischen oder physischen Beeinträchtigung absolviert.

Parallel zu meinen angestellten Tätigkeiten und meiner Teilselbständigkeit habe ich verschiedene Weiterbildungen absolviert. Darunter eine Ausbildung zur Sterbe- und Trauerbegleiterin, zur Hypnosetherapeutin und zur Kosmetikerin sowie verschiedenes in den Themenbereichen Kommunikation, Körpersprache, Mentaltraining und Energiearbeit. Ausserdem habe ich mir auch im Thema Bachblüten und im Bereich der Aromatherapie Wissen angeeignet. Lange Zeit hat für mich das eine Thema mit dem anderen überhaupt nichts am Hut gehabt. Ich bin mir noch nicht im Klaren gewesen, wohin mein Weg führen wird. Heute setze ich all die gewonnenen Kenntnisse in meinem Praxisalltag aktiv ein. Persönliche Weiterbildung ist für mich gleichgesetzt mit Weiterentwicklung und das Leben ist eine stetige Veränderung, deshalb werde ich auch künftig mein Wissensspektrum erweitern.

Zu Beginn meiner Teilselbständigkeit habe ich mit einigen Schwierigkeiten gekämpft. Selbstzweifel haben mich geplagt. Zweifelt man an sich selbst, kommen auch keine Klienten. Hat man Angst vor kritischen Kunden, sitzen genau diese dann in der Praxis. Probleme hat mir auch die Definition „Der Kunde ist König“ bereitet. Inwieweit bestimme ich? Muss ich mir alles gefallen lassen? Wie weit muss ich mich nach dem Kunden richten? Mit solchen und weiteren Fragen habe ich mich stundenlang auseinandergesetzt, auch aus Angst keine Kunden zu finden oder bestehende zu verlieren. Heute weiss ich, ich stelle das Angebot zusammen und meine Kunden entscheiden, ob das für sie passt oder nicht.

Ich lege grossen Wert auf einen gemütlichen Start in den Tag. Ein ruhiger Morgen ist mir sehr wichtig, weshalb ich oft bereits um 04:30 Uhr oder 05:00 Uhr aufstehe. Zu dieser Zeit erlebe ich meine kreativste Phase, wobei ich hingegen am Abend eher Schwierigkeiten habe, meine volle Leistungsfähigkeit aufzubauen.

Mein Tag richtet sich weitgehend nach den Kundenterminen. Ich achte jedoch darauf, dass ich pro Tag nicht allzu viele Termine vereinbare. Ich begegne bei meiner Arbeit vielen unterschiedlichsten Lebensgeschichten, Schicksalsschlägen und persönlichen Problemen, weshalb ich zwischen den Terminen auch etwas Zeit für die eigene Psychohygiene, das Abschliessen mit dem Gehörten, einplane. Eine wichtige Voraussetzung in meinem Beruf ist, dass ich auch loslassen kann und nicht alle Geschichten mittrage.

Die meisten Termine halte ich in meiner Praxis in Reutigen. Fordert die aktuelle Situation des Kunden jedoch einen Hausbesuch, wie es oft bei Sterbenden oder auch Menschen mit Angststörungen der Fall ist, nehme ich den Weg gerne in Kauf.

Meine Dienstleistung besteht vor allem aus Gesprächen und aktivem Zuhören. Der Raum den ich öffne, hilft meinen Kunden sich selbst zu öffnen und ihre Herausforderungen anzupacken. Den Entscheid eine mentale Veränderung zu erwirken, ist mit einer sportlichen Veränderung zu vergleichen. In beiden Fällen sind wir gezwungen konsequent zu sein und regelmässig etwas für die Zielerreichung zu tun. Daher spielt in meinem Beruf der Wille des Kunden die entscheidende Rolle. Ist die Bereitschaft, eine schwierige Situation hinter sich zu lassen und an sich zu arbeiten, nicht gegeben, findet auch kaum eine Veränderung statt. Die mentale Veränderung macht mein Klient selbst, ich zeige lediglich die Möglichkeiten dafür auf.

Ein Teilgebiet meiner Arbeit ist die Hypnose. Diese löst bei vielen Menschen sowohl Interesse als auch Angst aus. Bekannt ist Hypnose vor allem durch sogenannte Showhypnosen, welche aber mit der Hypnose im Praxisgebrauch wenig gemeinsam haben. Gerade diese Showhypnosen schüren Ängste, haben aber grosse Aufmerksamkeit für diese Therapieform gebracht.
Während einer Hypnose befinden sich meine Kunden in Trance. Eine Trance ist durchaus ein völlig natürlicher Zustand, den wir Menschen mehrmals am Tag automatisch erleben. Beispielsweise wenn wir unsere volle Konzentration einem spannenden Buch oder Film widmen und unsere Mitwelt komplett ausblenden. Auch kurz vor dem Einschlafen befindet sich jeder Mensch in einer Trance. In einer Hypnose konzentriert sich der Kunde auf meine Stimme und lässt sich von dieser führen. Es gibt drei Tiefen der Trance: Eine leichte, eine mittlere und eine tiefe, wobei ich mit der leichten bis mittleren Trance arbeite.
Bei einer Hypnose die der Entspannung dient gestalte ich für den Klienten eine Gedankenreise an einen für sie schönen Ort. Dort sammeln wir Leichtigkeit, Freude, Kraft und / oder Energie. Die Hypnose lässt sich auch wunderbar dafür einsetzen, das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu stärken sowie hindernde Glaubenssätze oder verborgene Talente zu entdecken.
Die Reaktionen betreffend meiner Berufung sind durchmischt. Manche Personen reagieren abweichend, wenden den Blick ab und möchten mir nicht mehr die Hand geben. Wohl aus Angst ungewollt hypnotisiert zu werden. Andere Menschen hingegen zeigen grosses Interesse an meinen einzelnen Hauptstandbeinen.

Zu 98 % zähle ich Frauen in jedem erdenklichen Alter zu meinem Kundenkreis. Erstaunlicherweise begleite ich öfters jüngere Frauen, die gesellschaftlich gesehen perfekt sind, allerdings innerlich stark von Selbstzweifeln geplagt sind. Vereinzelt finden auch Männer den Weg in meine Praxis, was jedoch noch eher selten der Fall ist.

Meine Faszination gilt ganz klar den Menschen und ihren oft noch unbewussten Möglichkeiten. Ich finde es faszinierend, wie Menschen verschieden mit ähnlichen Situationen oder gar Schicksalsschlägen umzugehen pflegen. Einige müssen undenkbar viele negative Erlebnisse überstehen und sehen dennoch immer wieder Positives und mit anderen meint es das Leben gut und dennoch sehen sie nur das Negative.

Da ich schon als Kind ein eher fülliges Mädchen gewesen bin, kenne ich die gesellschaftlichen Herausforderungen einer fülligen Statur. Dank diesem Umstand habe ich mich aber bereits seit frühster Kindheit mehr für die inneren Werte eines Menschen interessiert und viel darüber gelernt.

An meiner Berufung gefällt mir nicht, dass bei einigen anderen Anbietern nicht das Wohl der Menschen an erster Stelle steht, sondern das Geld. Dies führt häufig dazu, dass Menschen abhängig gemacht werden. Ich persönlich habe das Ziel, meine Klienten so lang wie nötig und so kurz wie möglich zu begleiten. Sie sollen selbstbestimmt durch ihr Leben gehen.

Da ich täglich mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt komme, verbringe ich in meiner Freizeit gerne einmal Momente für mich ganz allein. Um abzuschalten, halte ich mich so oft wie möglich in der Natur auf. Am liebsten bin ich am Wasser, weshalb ich auch mindestens einmal im Jahr an die Nordsee fahre. Daneben verbringe ich auch viel Zeit mit meinem Mann, der es ohne grosse Worte schafft, mir Kraft und Energie zu schenken.

Ohne gross nachzudenken, kann ich bestätigen, dass ich den exakt gleichen Weg wieder gehen würde. Sähe ich keine Möglichkeit meinen jetzigen Beruf auszuführen, dann würde ich mir einen Weg schaffen. Ein Spruch der mich begleitet lautet: Wer will findet Wege, wer nicht will Ausreden.


Weitere Informationen:
https://www.claudiaraduner.ch


Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Wegbegleiterin / des Wegbegleiters?

14 Gedanken zu „Wegbegleiterin“

  1. Hallo Petra,
    hmmm, ich habe bis jetzt noch nie was von dem Beruf als „Wegbegleiterin“ gehört. Das ist sicherlich spannend und für viele Menschen sehr hilfreich aber ich denke, dass eine gewisse Vorbildung in Psychologie sicherlich hilfreich ist. Ob ich den Dienst eines Wegbegleiters/in in Anspruch nehmen würde? Ich glaube nicht, ich würde wahrscheinlich eher auf einen Psychologen oder eine Therapeuten setzen.

    1. Lieber Wolfgang, danke für deinen Kommentar 🙂 Vor dem Interview habe ich auch noch nie davon gehört. Jedoch finde ich das Berufsbild total spannend. Selbstverständlich hast du Recht und eine Vorbildung kann nicht schaden.

  2. Hallo Petra, „Wegbegleitern“ bin ich bisher noch nicht begegnet, obwohl ich sozial tätig bin. Aber ich kann mir vorstellen, dass deine Hilfe sicherlich gerne in Anspruch genommen wird. Rechnest Du so etwas wie eine Therapie ab? Und wie finden Menschen zu Dir? Man sucht ja nicht nach „Wegbegleitern“, zumindest nicht in deinem Sinne des Wortes.

    1. Liebe Claudia, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Persönlich arbeite ich nicht in diesem Beruf. Für meinen Blog führe ich mit verschiedenen Menschen Interviews. Somit kann ich dir deine Fragen leider nicht beantworten.

    1. Liebe Sarah, danke für deinen Kommentar 🙂 Auch ich habe vor dem Interview noch nie etwas von diesem Beruf gehört. Es freut mich, dass ich dir einen Einblick in einen unbekannten Beruf geben konnte.

  3. Sehr spannend, diese Einblicke! Ich kannte die Berufsbezeichnung „WegbegleiterIn“ bisher auch nicht, finde es aber auch nebensächlich, wie man den Beruf nennt – gibt ja inzwischen sehr viele Bezeichnungen für verwandte/ähnliche Berufe (Lebens- und SozialberaterIn, Coach, PsychotherapeutIn etc.). Es ist einfach schön, dass es Menschen gibt, die anderen helfen möchten.

  4. Ein sehr interessanter Berufszweig, eigentlich doch ähnlich wie Coaching oder? Ich kann mir aber auch vorstellen, dass der Beruf wirklich sehr anstrengend ist, sich immer wieder auf andere Charaktere einzulassen und Hilfestellungen anbieten zu können.

  5. Es gibt ja wirklich die verschiedensten Berufe. Normalerweise kennt man nur die gängigsten oder die Zweige, die mit dem eigenen Beruf zu tun haben. Vielen Dank für den Einblick in deinen Beruf.

    1. Liebe Ting Ting, danke für deinen Kommentar 🙂 dies ist genau der Grund, weshalb ich meinen Blog aufgebaut habe. Ich möchte einen Einblick in verschiedenste Berufe, auch unbekannte, ermöglichen.

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