Ernährungsberaterin

Ingrid, 52 Jahre alt mit Bachelorabschluss in Ernährung und Diätetik und als diplomierte psychologische Beraterin mit Arbeitsort in Thun, verhilft ihren Kunden zu erhöhter Qualität in verschiedenen Bereichen des Lebens.

Das Thema Ernährung beinhaltet sowohl Essen als auch Trinken und gilt als Grundbedürfnis des Menschen. Jedoch geniesst genau dieses Thema in der heutigen Zeit einen übergrossen Stellenwert, welcher nicht unbedingt zu einer gesunden Ernährung der Bevölkerung beiträgt, sondern eher zu einem enormen Druck und grosser Verunsicherung im persönlichen Essverhalten führt. Somit kommt der eigene Genuss oft zu kurz und die Ernährung entspricht nicht mehr den individuellen Bedürfnissen, sondern den Idealen, welche von Medien und der Industrie als perfekt verkauft werden.

Meiner Meinung nach gibt es in der Ernährung jedoch kein „gut“ und kein „schlecht“. So stehe ich den heutigen Trends wie beispielsweise dem Vegetarismus und Veganismus grundsätzlich offen gegenüber. Das Meiden oder Weglassen von Nahrungsmitteln bedeutet aber nicht automatisch eine gesündere Ernährung. Es braucht auch hier die Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen des Körpers und wie diese abgedeckt werden können.

Die Themen in meinem Beratungsalltag sind vielfältig. So arbeite ich mit Personen zusammen, welche unter Essstörungen (Magersucht, Essbrechsucht und Essattacken), Adipositas, Verdauungsproblemen, Diabetes, Nahrungsmittelintoleranz sowie Fehl- oder Mangelernährung leiden.
Als Ernährungsberaterin setzen sich meine Dienstleistungen aus individuellen Beratungen und Begleitungen zusammen, in welchen auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse und Beschwerden abgestimmte Lösungsansätze im Mittelpunkt stehen. Dies bedeutet, dass ich meinen Klienten nicht zu einer allgemein idealen Ernährung verhelfe, sondern zu einer für sie passenden.
Ich sehe mich als Begleiterin, Beraterin, Coach und Motivator in einem Veränderungsprozess, welcher meinen Klienten eine höhere Lebensqualität in allen Bereichen bieten soll. Gemeinsam mit meinen Kunden definiere ich realistische Ziele und baue mit ihnen auf vorhandene Erfahrungen auf. Des Weiteren motiviere ich meine Klienten, Neues auszuprobieren sowie stressende und verunsichernde Faktoren zu überwinden. Durch kleine und grosse Erfolgserlebnisse wird neue Energie und Motivation gesammelt, welche zu einer schnellen Zielerreichung führen.
Ich arbeite oft mit Bildern, welche das Verständnis für eine gesunde und ausgewogene Ernährung fördern. So vergleiche ich zum Beispiel unseren Körper mit einem Orchester, welches durch fehlende Instrumente an Tonqualität verliert. Unser Körper verhält sich gleich. Er funktioniert auch mit einer mangelnden oder fehlerhaften Ernährung, jedoch wird er so nie die volle Leistungskraft erreichen.

Ich nehme nicht die Rolle einer Kontrollperson ein, welche grossen Wert auf das Kalorienzählen und Wägen legt. Auch sehe ich in Fast Food und süssen Esswaren nicht nur Negatives, denn unsere Arbeitswelt verlangt nun mal eine schnelle Verpflegungsart. Gleichwohl ist natürlich das Mass und die Abwechslung entscheidend.

Bevor mich mein Weg in den Beruf der Ernährungsberaterin geführt hat, habe ich eine Ausbildung zur Chemielaborantin abgeschlossen. Der wissenschaftliche Inhalt dieser Arbeit hat mir sehr zugesagt, jedoch habe ich mir schon bald einen Beruf mit intensiverem Menschenkontakt gewünscht. Aus diesem Grund und aus Interesse an der menschlichen Ernährung habe ich mich entschieden, das Studium zur Ernährungsberaterin abzuschliessen, in welchem mir nicht nur theoretisches, sondern auch praktisches Wissen zum gesunden und kranken Menschen weitergegeben wurde.
Da Ernährungsprobleme oftmals durch psychische Hintergründe wie beispielsweise Stress, Sorgen oder Ängste ausgelöst werden, habe ich mich daraufhin entschlossen, noch eine Ausbildung zur psychologischen Beraterin zu absolvieren. Somit habe ich in meiner beruflichen Laufbahn vertieftes Wissen zum physiologischen und psychologischen Hintergrund des Menschen erhalten, welches mir beste Voraussetzungen zur Unterstützung meiner Klienten in belastenden Lebenssituationen bietet.
Heute führe ich eine selbständige Praxis und zähle verschiedenste Menschen, in den Altersklassen von 10 bis 75 Jahren, zu meinen Klienten. Dabei lässt sich feststellen, dass die Anzahl der weiblichen Kunden verhältnismässig grösser ist, als die der männlichen.
Meine Praxis ist von Montag bis Donnerstag während versetzten Bürozeiten geöffnet. Viele Klienten besuchen mich nämlich am liebsten an Randzeiten, weshalb ich stets eine längere Mittagspause einplane und abends den letzten Besprechungstermin um 18:00 Uhr anbiete. Mein Tagesablauf ist jedoch schwierig zu definieren. Er richtet sich voll und ganz nach den Terminen, welche ich im Voraus schriftlich oder mündlich mit meinen Klienten ausmache.

Ein Beratungsgespräch dauert ab dem zweiten Termin etwa 45 Minuten inklusive Vor- und Nachbearbeitung. Beim Kennenlerngespräch investieren die Klienten und ich jeweils etwas mehr Zeit, nämlich circa eine Stunde.

An meinem Beruf gefällt mir ganz klar die Abwechslung, die anspruchsvolle Arbeit und die Zusammenarbeit mit den Menschen, welche charakterlich unterschiedlicher nicht sein könnten. Mich motiviert es, etwas zum Wohl dieser Menschen beizutragen und zu sehen, wie sie bei Erfolgen Freude verspüren und aufblühen. Zugleich bewundere ich Menschen, welche schon zahlreiche Steine in den Weg gelegt bekommen haben und trotzdem nie aufgeben. Diese schicksalshaften Geschichten bescheren mir jedoch auch schwierige Momente. Es gestaltet sich nicht immer einfach, solche Geschichten auf Abstand zu halten, denn ich kann meinen Kunden den schweren Rucksack nicht abnehmen, sondern ihnen nur zu einer stärkeren Rückenmuskulatur verhelfen.

Auch mich persönlich bringt meine Berufung im Leben weiter. Nicht nur in Hinsicht auf Weiterbildungen und Wissen, sondern auch im Umgang mit Menschen, mit persönlichen Hürden und als Selbstreflektion.

Nach wie vor bin ich von meinem Beruf begeistert und führe ihn mit einer Überzeugung und Leidenschaft aus, weshalb ich die gleichen Ausbildungen nochmals absolvieren würde. Wäre dies aus unbekannten Gründen nicht möglich, würde ich wohl einen Beruf in Zusammenhang mit Geschichte oder Önologie erlernen.

Neben meiner Arbeit halte ich mich liebend gerne in der Natur auf, wo ich oft wandern gehe. Zudem kümmere ich mich um meinen eigenen Garten und verbringe viel Zeit mit meiner Familie und Freunden.

Ich vergleiche unser Leben mit einem Lenkdrachen, welcher ständig in Bewegung sein muss. Auch unser Leben ist einer ständigen Bewegung ausgesetzt, welche sowohl Höhen als auch Tiefen beinhaltet.
Für das eigene Leben halten wir die Fäden in den Händen, wodurch wir wunderbare Dinge erreichen können. Ich helfe meinen Kunden den Lenkdrachen in ihrem Leben zu entdecken und zu lernen, wie er gelenkt werden kann, um möglichst viele Höhenflüge zu erleben.
Weitere Informationen:

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Ernährungsberaterin / des Ernährungsberaters?

13 Gedanken zu „Ernährungsberaterin“

  1. Wow das hört sich echt super an. Auch das du dich nicht nur auf die Ernährung sondern auch auf die psychische Seite einlässt und damit arbeitest. Wie du schon sagst, solche Ernährungsprobleme haben oft auch noch andere Ursachen.
    Auch ich finde das weglassen nicht die Lösung ist. Was stand damals schon über dem Orakel von Delphi? “Erkenne dich selbst und alles in Maßen.“

  2. Ich kann mich grade noch daran erinnern, dass wir damals in der Schule so einen Berufsfindungstest gemacht haben und bei mir auf Platz 3 oder 4 auch sowas wie Ernährungsberater herausgekommen ist. Keine Ahnung, wie der Test zu dem Ergebnis gekommen ist Heutzutage mache ich etwas komplett anderes, aber in meiner Freizeit habe ich ja immer noch gerne mit Essen zu tun

    Ich kann allerdings nachvollziehen, wie wichtig Ernährungsberater mit psychologischem Hintergrund sein können, da viele ja gar nicht mehr wissen, was sie da eigentlich Essen.

    1. Lieber Hendrik, danke für deinen Kommentar 🙂 Auch ich durfte einen solchen Test ausfüllen, jedoch waren die Ergebnisse alles andere als hilfreich.
      Die psychologischen Hintergründe spielen in der heutigen Zeit wohl in vielen Themen eine zentrale Rolle. So halt auch in der Ernährung

  3. Freiberuflich arbeiten…. wollte ich bis vor ca einem halben Jahr nie. Zunehmend wird dieser Wunsch bei mir immer größer. Leider ist es in meinem Beruf nicht möglich. Durch meine Fructoseintoleranz und von Haus aus, nehme ich schnell zu und befasse mich mit dem Thema Ernährung sehr viel und finde den Beruf Ernährungsberaterin spannend.

    1. Liebe Elke, danke für deinen Kommentar 🙂 Ich bin sicher, du findest deinen Weg (egal, ob freiberuflich arbeiten oder nicht). Ja das Thema ist allgemein sehr spannend und vor allem auch wichtig.

  4. Ernährung und Ernährungsberatung ist ein toller Beruf, danke für deinen Bericht. Man braucht viel psychologisches Einfühlungsvermögen und fundiertes Fachwissen, die Verantwortung die man für die Gesundheit seines Klienten trägt ist groß, danke daher für deinen interessanten Bericht über Ingrids Job, liebe Grüße Bettina

    1. Liebe Bettina, danke für deinen Kommentar 🙂 Schön, gibst du diesem Beruf eine solch positive Anerkennung. Das Tun einer Ernährungsberaterin nimmt in unserer Gesellschaft an Wichtigkeit schon stetig zu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.