Nothelferinstruktor

Luca, 26 Jahre alt mit Wohnort in der Umgebung Bern, moderiert neben seiner Tätigkeit als Wohnberater Nothelferkurse mit Spiel und Spass.

Gegenwärtig arbeite ich in zwei Berufen. Zum einen hauptberuflich als Wohnberater mit Spezialisierung im Verkauf von Betten und zusätzlich an zwei Wochenenden im Monat als Nothelferinstruktor in der Region Bern und Thun. Habe ich Feierabend oder darf gar einen freien Tag geniessen, bin ich in den Bergen, beim Fischen oder auf dem Fussballplatz anzutreffen. Auch verbringe ich sehr gerne Zeit mit meinen Kollegen.

In meiner bisherigen beruflichen Karriere bin ich einige Umwege gegangen. Nach der obligatorischen Schule habe ich aufgrund meiner guten Noten, wie alle meine Familienmitglieder das Gymnasium besucht. Abgeschlossen habe ich dieses jedoch nicht, da ein Studium nie zu meinen beruflichen Zielen gezählt hat. Als Zwischenlösung habe ich daher nach einigen Kursen als einer der ersten männlichen Hostessen bei McDonalds gearbeitet. Als solcher bin ich für die Organisation und Durchführung von Kindergeburtstagen verantwortlich gewesen. Bevor ich dann die Stellen als Wohnberater und als Nothelferinstruktor angetreten habe und bei der Erwachsenenbildung einen kaufmännischen Abschluss erlangen konnte, habe ich mich bei Starbucks zum Teamleiter / Assistenzfilialleiter hochgearbeitet.

Kurzweilige und auch lustige Tage zähle ich in meinen beiden Berufen zu den Highlights. Ich bin mit meiner Lebenssituation, also auch mit meinen beruflichen Tätigkeiten, sehr zufrieden. Meine Wochen sind stets durchgeplant und die Tage gestalten sich dank unterschiedlichen Arbeitsorten abwechslungsreich. Gedanken über weitere berufliche Möglichkeiten mache ich mir keine.

Als Wohnberater mit Spezialisierung im Verkauf von Betten arbeite ich von Montag bis Samstag und bin zu 50 % in der Beratung sowie dem Verkauf und zu weiteren 50 % in der Logistik tätig. Hauptsächlich arbeite ich in einer Filiale in Kappelen, wo ich als Filialleiter angestellt bin. Zusätzlich bin ich ab und zu auch in Biel, Zollikofen, Kirchberg und in der Umgebung von Bern tätig. Eine Faszination für Betten empfinde ich nicht, jedoch gefällt mir die Begleitung von verschiedensten Kunden auf der Suche nach einem Bett, dass die eigenen schon fast intimen Bedürfnisse abdeckt. Im Weiteren geniessen meine ganze Familie und ich dank meinen Anatomie- und Bettenkenntnissen jede Nacht einen gesunden Schlaf.

Nebenberuflich unterrichte ich monatlich an zwei Wochenenden Nothelferkurse à 10 Stunden. Die Kurse finden jeweils am Samstag von 19:00 Uhr bis 22:00 Uhr und am Sonntag von 09:00 Uhr bis circa 17:00 Uhr inklusive Pausen statt. In den Nothelferkursen, welche Platz für 12 Personen bieten, lernen die Teilnehmenden in kurzweiligen Theorieblöcken und bei abwechslungsreichen praktischen Übungen, wie es sich als Nothelfer zu verhalten gilt.

Das Thema „Nothilfe“ und der Gedanke daran einen zweitägigen Kurs zu absolvieren, ist auf den ersten Blick nicht für alle spannend. Eine Tatsache ist jedoch, dass bei uns eine Pflicht zur Hilfeleistung besteht und Wissen in solch ernsten Situationen Leben retten kann. Die Hilfeleistung umfasst einerseits organisatorische Massnahmen, wie die Sicherung des Verkehrs, das Absetzen des Notrufes und die Mobilisierung von Helfern. Diese Art von Hilfe kann im Notfall auch ohne vertiefte Kenntnisse geleistet werden. Andererseits gehören aber auch die lebensrettenden medizinischen Massnahmen dazu, welche bei ungenügenden Kenntnissen bald ein Hindernis darstellen können.

Während der Kurse schlüpfe ich sowohl in die Rolle des belehrenden Kursleiters als auch des Entertainers und des Motivators. Wichtig ist, dass die Schüler mitgerissen werden. Die Teilnehmenden an den Nothelferkursen sind mehrheitlich angehende Führerscheinbewerbende für verschiedene Verkehrsmittel, welche zwischen 16 und 25 Jahre alt sind. Herzlich willkommen sind natürlich auch Personen, die den Kurs als Auffrischung oder nach prägenden Erlebnissen absolvieren.

Die Kurse starte ich stets mit einer Vorstellungsrunde und widme mich danach den vorgegebenen Themen, welche etwa das Erlernen des korrekten Vorgangs bei einem Umfall umfassen. Dazu gehören beispielsweise die Einschätzung der Notfallsituation bis hin zur Hilfeleistung mit Blutstillung, Druckverband, Bewusstseinsüberprüfung, Bewusstlosenlagerung, Herzdruckmassage, Beatmung, der Behandlung von Verbrennungen und der Anwendung von Defibrillatoren.

Um die lebensrettenden Nothelferkurse überhaupt unterrichten zu dürfen, habe ich im Voraus zweimal drei Tage Ausbildung genossen und zum Abschluss mehrere praktische Prüfungen (didaktisch, inhaltlich, organisatorisch) absolviert. Das übermittelte Wissen ist von der Komplexität her überschaubar, weshalb kein Medizinstudium zur Ausführung dieses Berufes gefordert wird. Rekrutiert für diese spannende nebenberufliche Tätigkeit bin ich durch meinen besten Kollegen und jetzigen Vorgesetzten in diesem Bereich worden.

Neben dem Kontakt mit verschiedensten jungen und älteren Menschen fasziniert mich an dieser Tätigkeit die Sinngebung und das Unterrichten. Eher schade hingegen finde ich, wenn die Schüler dem Unterricht gleichgültig und uninteressiert entgegentreten, vielleicht sogar dem Smartphone mehr Aufmerksamkeit schenken. Zu bedenken gilt es, dass im Nothelferkurs wahrscheinlich zum letzten Mal mit Hilfe einer Puppe geübt wird. Das nächste Mal, wenn Wiederbelebungsmassnahmen angewendet werden müssen, kann ein purer Ernstfall sein.

Meine Kenntnisse im Bereich der Nothilfe musste ich privat auch schon anwenden. Es kann immer und überall etwas Schlimmes passieren, weshalb ich sowohl die Teilnahme an einem Nothelferkurs inklusive Wiederholung nach circa 10 Jahren als auch die Ausbildung zum Nothelferinstruktor wärmstens empfehlen kann.

Weitere Informationen:

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf des Nothelferinstruktors?

25 Gedanken zu „Nothelferinstruktor“

  1. Das ist ja eine spannende Geschichte! Und macht mir gleich ein furchtbar schlechtes Gewissen, weil ich schon so lange keinen Auffrischungskurs mehr gemacht habe und diesen aber dringend benötigen würde … Gut, dass ich auf diesen Beitrag gestoßen bin!

  2. Hey, ein wirklich toller Beitrag mit einem wichtigen Thema. Mein erste Hilfe Kurs ist auch schon Ewigkeiten her, aber ich sollte vielleicht auch mal wieder eine Auffrischung machen. Ich arbeite sogar mit Patienten als zahnmedizinische Fachangestellte und da kippt auch mal einer um, von daher wäre es wohl nicht verkehrt. Auf jeden Fall war das wirklich ein toller Einblick.

  3. Toll, dass Du das nebenberuflich machst. Solche Menschen gibt es viel zu wenige! Erste Hilfe kann Leben retten. Ich habe den Kurs auch schon ein paar mal gemacht.

  4. Finde ich richtig toll! Mein bester Freund ist auch nebenbei Sanitäter bzw. leitet Erste-Hilfe-Kurse und ich finde das Thema sooo wichtig! Mein letzter Kurs ist schon wieder drei Jahre her, da muss ich definitiv mal wieder einen neuen machen!

    1. Liebe Katii, danke für deinen Kommentar 🙂 Diese Kurse kann man nicht oft genug machen. Leider weiss man ja nie, wann das Gelernte mal wirklich benötigt wird. Auf jeden Fall finde ich es cool, dass du jemanden in deinem Umfeld hast, der sich in diesem Thema auch auskennt.

  5. Das ist wirklich mal ein toller Beruf <3 Ich habe gerade auch erst meine Erste - Hilfe aufgefrischt - sicher ist sicher! Ich hatte Glück und hatte einen super lustigen Mann, der das Ganze wirklich toll rüber gebracht hat.

    1. Liebe Sarah, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Du bist in dieser Hinsicht ein Vorbild. Leider können sich viele Menschen nicht dazu aufraffen. Da hilft ein lustiger Lehrer aber sicher

  6. Wow! Das ist ein wirklich beeindruckender Lebenslauf! Ich finde es gut, wenn Umwege zu einem Beruf führen den man mag.
    Nothelferinstruktor klingt schon echt interessant und es ist auch so wichtig, dass im Notfall einem anderen Menschen geholfen werden kann. Am besten lerne ich solche Maßnahmen, wenn der „Lehrer“ es unterhaltend gestaltet.

    Danke für die Vorstellung der Berufe.

    1. Liebe Mo, danke für deinen Kommentar 🙂 Die Lebensläufe der interviewten Personen sind wirklich immer sehr spannend. Ich lerne auch am besten und am liebsten bei einem unterhaltsamen Lehrer. Gerade diese ernsten Kurse sind bei Spiel und Spass viel motivierender.

  7. Ein Nothelferkurs mit Spiel und Spaß klingt erstmal etwas paradox für mich 😉 aber gut, so ein Kurs soll im besten Fall ja auch das Interesse der Teilnehmer wecken und da ist ein wenig Spaß immer am besten!

    1. Liebe Tina, danke für deinen Kommentar 🙂 Ein Nothelferkurs mit Spiel und Spass finde ich super. Wie du geschrieben hast, weckt dies das Interesse der potentiellen Teilnehmer und fördert auch die Motivation während dem Kurs.

    1. Liebe Katja, danke für deinen Kommentar 🙂 Freut mich sehr, dass ich dir mit diesem Beitrag einen kleinen Schupps verpassen konnte Du hast natürlich Recht. Eine Wiederholung schadet nie!

  8. Danke für den umfangreichen Einblick. Meinen Erste Hilfe Kurs habe ich mit ca 14 gemacht, das ist schon lange her und war bestimmt auch nicht so ausführlich, wie das hier beschrieben wird. Vielleicht ist es Zeit das mal wieder aufzufrischen 🙂

  9. Danke für die Einblicke in diese Berufssparte. Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie andere ihren Arbeitsalltag verbringen. Als ich von der Nothilfe gelesen habe, da ist mir eingefallen, dass mein letzter Kurs auch schon viel zu lange zurück liegt. Damals habe ich auch einen Kurs von der Arbeit aus besucht, aber das ist sicher 15 Jahre her. Das müsste ich mal wieder auffrischen.

    1. Lieber Chris, danke für deinen Kommentar 🙂 Ja, die Nothilfe ist ein wichtiges Thema. Für den Besuch eines Kurses fehlt dann aber trotzdem oft die Zeit oder die Motivation. Ich bin auf jeden Fall froh, habe ich vor kurzem einen Kurs besucht

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