Physiotherapeutin

Franziska, 53 Jahre alt mit Wohnort in Steffisburg, kümmert sich als Physiotherapeutin um das körperliche Wohl ihrer Patienten und nicht selten auch um das seelische.

Physiotherapie ist nicht gleich Physiotherapie, denn jede Therapeutin eignet sich im Laufe ihrer beruflichen Karriere eigene Behandlungstechniken an und vertieft ihr Wissen in unterschiedlichsten Fachbereichen. Die Palette reicht von der Betreuung von Spitzensportlern bis zur Begleitung von schwerkranken Menschen und von der Behandlung von Säuglingen bis zum Besuch im Seniorenzentrum. Auch die Ziele können variieren: Schmerzen lindern, Kraft und Ausdauer steigern, Beweglichkeit verbessern wie auch Atem- und Gleichgewichtsfunktionen optimieren. Physiotherapie wird oft kombiniert mit medikamentösen, operativen oder alternativen Therapiemethoden. Am häufigsten wird diese Therapie bei Störungen am Bewegungsapparat verordnet. Jedoch profitieren auch Betroffene von Systemerkrankungen oder psychiatrischen Krankheitsbildern.

Ich versuche einen Menschen immer ganzheitlich zu betrachten. So müssen beispielsweise Kopfschmerzen nicht direkt im oder am Kopf entstehen. Verspannungen im Rücken, wiederkehrende monotone Armbewegungen, ein Fussproblem oder dauernde Überforderungen können Auswirkungen haben. Wie lange eine Therapie notwendig ist, hängt also von den jeweiligen Beschwerden und den Patienten ab. Eine einmalige Behandlung ist nur bei einer akuten Blockade von Nutzen. Eine Veränderung am Bewegungsapparat dagegen ist meistens ein Prozess und dauert längere Zeit. So kommen einige Patienten neunmal in drei Wochen zu mir, andere nur zu sporadischen Kontrollen und wieder andere wöchentlich über Jahre hinweg.

Zur Durchführung der Therapie brauche ich in erster Linie meine Hände und eine Behandlungsliege oder Turnmatte. Daneben verwende ich oft Hilfsmittel wie Bälle, Hanteln, Therabänder, Tapes, Schaukelbretter, Atem- oder Fitnessgeräte oder auch Geräte für Ultraschall, Elektro-, Wärme- oder Kälteanwendungen. Einzeltherapien finden in einem Praxisraum oder wenn nötig im Zuhause meiner Patienten statt. Gruppentherapien werden in einem grösseren Raum, draussen oder auch mal in einem Hallenbad durchgeführt. 

Der Erfolg der Physiotherapie hängt ausserdem stark von der Eigeninitiative der Patienten ab. Übungen, welche auch im Alltag eingebaut werden können, nehmen daher einen hohen Stellenwert ein. So verlässt bei mir selten ein Patient den Behandlungsraum ohne Hausaufgaben. In einem gewissen Sinne bin ich also auch eine Lehrerin.

Nach der obligatorischen Schulzeit wusste ich zunächst nicht, welchen beruflichen Weg ich einschlagen sollte. Als Zwischenlösung habe ich darum für drei Jahre die Handelsmittelschule besucht und so einen kaufmännischen Abschluss erlangt. Nach weiteren sechs Monaten als Spitalpraktikantin in der Pflege und fünf Monaten als Allrounderin in einer Bäckerei habe ich mit der Ausbildung zur Physiotherapeutin begonnen. Diesen Beruf habe ich durch meine Gotte kennengelernt. Im ersten Ausbildungsjahr habe ich die Grundlagen in Anatomie, Physiologie, Pathologie und einigen anderen Fächern vermittelt bekommen und praktische Fähigkeiten an den Mitschülern geübt. Aufbauend konnte ich mein Wissen im zweiten Lehrjahr halbtags an einem Praktikumsplatz anwenden und daneben weiterhin den Unterricht besuchen. Im Abschlussjahr habe ich drei längere Vollzeitpraktika absolviert und eine Schlussarbeit geschrieben. Im Gegensatz zu früher dauert die Ausbildung heute vier Jahre und endet auf Fachhochschulniveau mit einem Bachelorabschluss. In weiterführenden Studien können in allen möglichen Fachrichtungen höhere Diplome oder ein Masterabschluss erarbeitet werden.

Nachdem ich meine Arbeit lange Zeit in einem Angestelltenverhältnis ausgeführt habe, was nach Ausbildungsabschluss vorerst Pflicht ist, habe ich mich vor einigen Jahren selbständig gemacht. Die Umstellung ist nicht so schwierig gewesen, denn ich konnte eine Stellvertretung in einer kleinen Gemeinschaftspraxis übernehmen und musste mich somit weder um Werbung, um Infrastruktur noch um den Aufbau eines Patientenstammes kümmern. Dies ist jedoch auf mich zugekommen, als ich mir kürzlich ein zweites Standbein als Physiotherapeutin in einem Gesundheitszentrum aufzubauen begonnen habe. Da habe ich vor allem beim Kreieren meiner eigenen Webseite und den Visitenkarten sowie beim Ausfüllen der ersten Steuererklärung etwas mehr geschwitzt.

Somit arbeite ich nun an drei Tagen in einem kleinen Physioteam und an zwei Tagen in einem Gesundheitszentrum, wo ich auch im Fitnesszentrum meine Patienten coachen kann. Als selbständig Erwerbstätige kann ich mir meine Arbeits- und Freizeiten selbst einteilen. Die Strukturierung meiner Arbeitstage richtet sich nach den geplanten Behandlungsterminen in den Praxen, welche circa 30 Minuten dauern, sowie nach den vereinbarten Hausbesuchen. Neben den Kundenterminen pflege ich wenn nötig den Kontakt zu Ärzten, anderen Physio- oder Ergotherapeuten, der Spitex, Angehörigen von Patienten oder auch mal dem Besuchsdienst einer Kirchgemeinde. Zudem ist in der Praxis zwischendurch Putzen oder Waschen angesagt. Un wenn ich etwas verdienen will, muss ich auch Rechnungen verschicken.

Meine Freizeit verbringe ich gern mit meinem Mann beim Wandern oder Gärtnern in der Natur. Daneben mache ich mit einer fünfköpfigen Band Musik in unserer Kirchgemeinde und engagiere mich als Leiterin bei einer Tischlein-deck-dich-Stelle gegen Foodwaste.

Zufriedenheit und Motivation erhalte ich aus den Erfolgen in den Therapien oder auch aus der Dankbarkeit der Patienten. Einen Dämpfer gibt es manchmal, wenn ich einem Menschen trotz fleissigem Ausprobieren und genauem Nachforschen in der Literatur oder durch Nachfragen bei Kollegen nicht weiterhelfen kann. Ein wirklich grober Fehler ist mir in meiner 30-jährigen Karriere zum Glück noch nie passiert. Aber auch das wäre denkbar und deshalb müssen alle selbständigen Therapeuten eine Berufshaftpflichtversicherung abschliessen.

Seit meiner Diplomierung habe ich – mit Ausnahme einer zweijährigen Pause nach der Geburt unserer Zwillinge – immer als Physiotherapeutin gearbeitet. Dies jedoch mit unterschiedlichen Stellenprozenten. Ich würde diesen Beruf sofort wieder lernen wollen, wie es übrigens auch unsere Tochter getan hat.

Weitere Informationen:

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Physiotherapeutin / des Physiotherapeuten?

20 Gedanken zu „Physiotherapeutin“

  1. Den Beruf Physiotherapeutin finde ich auch super spannend. Im Freundeskreis hab ich zwei gute Freundinnen, die in diesem Beruf arbeiten. Die Geschichten die sie erzählen, sind auch immer mega spannend. Generell finde ich, dass das ein unglaublich toller Beruf ist. Und ich bin froh darüber, dass es so viele Menschen gibt, die das voller Leidenschaft machen 🙂

    1. Liebe Alice, danke für deinen Kommentar 🙂 Physiotherapeuten im Freundeskreis zu haben, schadet sicherlich nie. Ihre Arbeit ist sehr wertvoll. Ich bin auch mega froh, dass es solche Menschen gibt.

  2. Was für ein toller Beitrag. Ich brauche regelmäßig Physiotherapie und hab mich sehr gefreut, den Text zu lesen. Ohne Physio wäre ich manchmal echt aufgeschmissen und bin froh, dass es solch tolle Menschen gibt.

    1. Liebe Sandra, danke für deinen Kommentar 🙂 Ein wirklich wertvoller Beruf, in welchem vielen Menschen geholfen werden kann. Ich verstehe gut, warum du nicht darauf verzichten möchtest.

  3. Ich finde das einen tollen Beruf, vor allem einer der Zukunft hat. Ich selbst habe schon öfter mit Physiotherapeuten zusammen arbeiten dürfen (nach meinen Knie OPs). Danke für die Vorstellung!

    1. Liebe Verena, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Auch ich bin froh, dass es Physiotherapeuten gibt. Sie können bei vielen Leiden weiterhelfen. Somit hast du wahrscheinlich recht, dass dieser Beruf eine grosse Zukunft hat.

    1. Liebe Claudia, danke für deinen Kommentar 🙂 Schön teilst du deine Erfahrungen hier. Physiotherapeuten leisten wirklich eine tolle Arbeit.

  4. Ich wollte auch mal Physiotherapeutin werden, das ist aber wirklich schon super lange her! dennoch bin ich sehr dankbar dafür, dass es die Profis gibt – wenn ich überlege wie viele Verletzungen für mich schlimmer ausgegangen wären, ohne sie!

    1. Liebe Salvia, danke für deinen Kommentar 🙂 Mit den Worten „Gold wert“ hast du ins Schwarze getroffen. Ich denke, dass durch diesen Beruf schon vielen Menschen geholfen werden konnte.

  5. Toller Beruf, ich kenne ihn gut. Ein Bekannter ist auch Physiotherapeut mit Leib und Seele. Das muss man auch bei der niedrigen Bezahlung. Ich wäre gerne Ergotherapeutin geworden, aber meine Eltern waren dagegen.

    1. Liebe Bea, danke für deinen Kommentar 🙂 Ein wirklich toller Beruf, bei dem man anderen Menschen enorm helfen kann. Ja die Bezahlung ist leider ein Thema für sich.
      Ich hoffe du hast trotzdem einen super Beruf gefunden

    1. Liebe Katja, danke für deinen Kommentar 🙂 Es freut mich, dass dir dein Beruf gefällt. Leider habe ich schon öfter gehört, dass die Bezahlung bei diesem Job nicht der Leistung entspricht. Ich drücke die Daumen, dass sich das zukünftig ändert.

  6. Ich finde diese Idee auf diesem Blog großartig! Menschen vorzustellen und auf diese Weise kennenzulernen, die etwas besonderes – ihre Herzensangelegenheiten – anbieten, finde ich wunderbar. Das Thema Gesundheit finde ich besonders wichtig und es gehört auch zu meinen Leidenschaften. Die Menschen brauchen Unterstützung, denn das Wissen ist immer noch zu gering dazu!

    1. Lieber Andy, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Es freut mich sehr zu lesen, dass dir die Idee gefällt. Gesundheit ist sicher eines von vielen wichtigen Themen in der heutigen Gesellschaft. Es gibt so viele spannende Berufe in diesem Bereich. Es folgen sicher noch weitere 🙂

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