Konditor-Confiseur

Kevin, 33 Jahre alt mit Arbeitsort in Grenchen, widmet sich sowohl in seinem Beruf als Konditor-Confiseur wie auch in der Freizeit gestalterischen Arbeiten.

Mitten am Nachmittag, also um 14:00 Uhr, schon Feierabend geniessen. In meinem erlernten Beruf ist dies möglich. Doch als Preis dafür gilt es an meinen fünf abwechselnden Arbeitstagen schon in der Früh aufzustehen. Um pünktlich ab 05:00 Uhr die Arbeit anpacken zu können, zwingt mich mein Wecker jeweils bereits um 04:15 Uhr aus dem gemütlichen Bett.

Während meiner Arbeit wirke ich zusammen mit mehreren Arbeitskollegen im Hintergrund. Also in der Backstube, wo die Einhaltung von hygienischen Vorschriften besonders wichtig ist. So muss ich zwingend meine weissen Arbeitskleider tragen und die Haare mit einer Mütze oder einem Haarnetz zusammenbinden. Im Weiteren gilt es vor Arbeitsantritt stets die Hände, Arbeitsfläche und die benötigten Utensilien zu desinfizieren. Bei meiner Arbeit benötige ich viel Platz, weshalb meine Arbeitsfläche aus zwei grossen Tischen besteht. Während dem Arbeitsprozess verwende ich als Hilfsmittel typische Küchenutensilien und Küchengeräte, wie beispielsweise Rezeptbücher, Schwingbesen, Spachtel, Messer, Löffel, Backbleche, Rührmaschinen, einen grossen Kühlschrank und noch grössere Öfen.

Zu meinen Aufgaben gehört zum einen die möglichst schnelle und exakte Herstellung von verschiedenen süssen und salzigen Esswaren zum Verkauf im Bäckerladen mit eigenem Café und zum anderen die Erfüllung von herausfordernden Kundenwünschen. So stelle ich beispielsweise belegte Brote, Sandwiches, Salate, süsse sowie salzige Kuchen, prachtvolle Torten, Patisserie, Pralinen und andere Produkte aus Schokolade in grossen Mengen her. Gerade bei grösseren Aufträgen durchlaufe ich den Herstellungsprozess nicht von A bis Z, sondern widme mich nur einer speziellen Aufgabe im Ablauf.

Das angebotene Sortiment wird jeweils auf Entscheid des Vorgesetzten mit Inputs des Teams festgelegt. Dabei werden die Entscheidungen immer mit einem Blick auf die saisonalen Angebote gefällt, weshalb im Sommer eher Erdbeertörtchen und im Herbst Vermicelles angeboten werden.

An meinem Beruf gefallen mir in erster Linie die Arbeitszeiten, auch wenn es wegen unfertigen Aufträgen nicht selten zu Überstunden kommen kann. So oder so kann ich meinen Hobbys den Videogames, aufwändigen Pixelarts mit Bügelperlen, dem Gestalten von Zeichnungen und dem Lesen von unterhaltsamen Büchern genügend Zeit widmen. Ebenfalls sehe ich die Möglichkeiten kreativ zu wirken als positiv, sofern die Zeit und die Kundenwünsche es zulassen. Zu den Highlights zähle ich auch die Freude, wenn ein persönlich kreiertes Rezept in die Produktion und den Verkauf aufgenommen wird.

Eigentlich wollte ich nach dem freiwilligen 10. Schuljahr eine Lehre im grafischen Bereich absolvieren, bin aufgrund Schwierigkeiten bei der Lehrstellenfindung dann aber auf eine Notlösung angewiesen gewesen. Aus diesem Grund habe ich mich für eine Ausbildung zum Konditor-Confiseur im Betrieb meines Vaters entschieden. Während der dreijährigen Lehre habe ich wöchentlich an einem Tag die Berufsschule besucht, in welcher neben gestalterischen Fächern auch Mathematik und Allgemeinbildung auf dem Stundenplan gestanden sind. An den restlichen Wochentagen bin ich von einem ausgelernten Konditor-Confiseur Schritt für Schritt in das ausgewählte Handwerk eingeführt worden.

Der erlernte Beruf hilft mir heute mein logisches Denken weiterzuentwickeln und mein Gespür fürs Detail beizubehalten. Auch bringe ich Dank meinem beruflichen Tun ein grosses Verständnis für das Thema «Foodwaste» auf. Denn dieses Thema geniesst in einer Backstube einen grossen Stellenwert. So werden hergestellte Produkte, die aufgrund ihres Ablaufdatums nicht mehr verkauft werden dürfen, hauptsächlich zu Biogas verarbeitet. Zusätzlich arbeitet mein Anstellungsbetrieb mit einer Organisation zusammen, welche es sich zur Aufgabe macht, essbare Produkte von «gestern» und «vorgestern» günstig weiterzugeben.

Negativ am erlernten Beruf empfinde ich den grösser werdenden Stress in der Auftragsabarbeitung. Unter Zeitdruck gestaltet es sich nicht immer einfach den genauen Vorstellungen nachzukommen. Um die grossen Mengen termingerecht fertigstellen zu können, bin ich auf eine gute Konzentrationsfähigkeit und die Unterstützung meiner Arbeitskollegen angewiesen. Der Stresspegel wächst vor allem bei unvorhergesehenen Problemen oder Fehlern enorm an, da die verpfuschte Arbeit so schnell wie möglich wieder aufgeholt werden muss. Folglich müsste ich mir bei einem beruflichen Neuanfang überlegen, ob es mich nicht doch in eine andere Richtung ziehen würde. Beispielsweise in die Videospielbranche. Schon heute widme ich mich neben meinem erlernten Beruf als passionierter Gamer dem Ankauf, Verkauf und der Reparatur von Videogames. Zusammen mit einem Kollegen habe ich in diesem Bereich eine Aktiengesellschaft namens Retroverse gegründet. Ziel ist es, früher oder später meinen Lebensunterhalt mit diesen Dienstleistungen zu finanzieren.

Schon während meiner Lehre habe ich zu spüren bekommen, dass der gewählte Beruf häufiger von Frauen erlernt wird. Zu einer Schulklasse von circa 15 Personen haben 12 weibliche und drei männliche Lernende gezählt. Ein plausibler Grund für diese Unausgeglichenheit der Geschlechter ist mir nicht bekannt, ausser dass Frauen vielleicht eher für Feinarbeiten geeignet sind. Egal ob männlich oder weiblich, wer gerne Konditor-Confiseur werden möchte, sollte folgende Eigenschaften besitzen: Ökologisches Denken, Affinität für Lebensmittel, Teamfähigkeit, ein Auge fürs Detail, kreatives Flair wie auch sicherlich gute Nerven, vor allem während den Feiertagen.

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf des Konditor-Confiseur?

20 Gedanken zu „Konditor-Confiseur“

  1. Um diese Uhrzeit aufzustehen würde ich nicht aushalten, aber den Beruf an sich stelle ich mir schon sehr schön vor, da kann man kreativ sein und weiß eigentlich, dass man mit seinen Bäckereien die Menschen glücklich macht 😉

    1. Liebe Tina, danke für dienen Kommentar 🙂 Würde mir auch so gehen. Das ist doch anstrengend täglich so früh aufzustehen! Aber zum Glück gibt es ja Menschen, denen dies nichts ausmacht.

  2. Fällt mir schwer zu glauben, dass jemand gerne um 4:15 Uhr aufsteht. Aber bei diesem Beruf muss das wohl so sein und für dich scheint es kein Problem zu sein. Dein Beruf ist toll, aber wohl auch, weil ich das Produkt so liebe.

    1. Liebe Birgit, danke für deinen Kommentar 🙂 Ich verstehe dich sehr gut. 4:15 Uhr ist ja noch fast tiefe Nacht. Auch ich liebe mein Bett so sehr, dass es mir schwer fallen würde, um diese frühe Uhrzeit aufzustehen. Bei diesem Beruf gehört dies aber wirklich dazu. Schön, macht dies Kevin nichts aus. Auf die leckeren Produkte möchte ich nämlich auch nicht verzichten.

  3. Toller Einblick in diesem Berufsfeld .
    Ich finde zu diesem Beruf zählt auch an Unmengen von Kreativität dazu.
    Wäre echt ein toller beruf zum Erlernen .
    Und ist auch sehr abwechslungsreich.

    1. Liebe Sweetazaleea, danke für deinen Kommentar 🙂 Kreativität ist bei diesem Job sicher gefragt. Zur Abwechslung kommt aber je nach Auftrag auch Stress dazu. Ich kann mir vorstellen, dass es zwischen dem Backen zu Hause und in der Backstube doch einen recht grossen Unterschied gibt.

  4. Sehr interessanter Einblick in einen äußerst leckeren Beruf! Erfolgsgeschichten aus den USA zeigen auch, wie gefragt dieses Handwerk ist, das oftmals ja schon Kunst ist.

    1. Liebe Miri, danke für deinen Kommentar 🙂 Es ist schon erstaunlich, dass mit Esswaren solche Kunstwerke hergestellt werden können. Da kann man sich am Anblick und am Geschmack erfreuen

  5. Mein Papa war Bäcker und Konditor und ich dachte immer mein älterer Sohn wolle es auch lernen. Aber allein das frühe Aufstehen hat ihn abgeschreckt. Schön, dass dort auch Backwaren vom Vortag günstiger abgegeben werden.

    1. Liebe Claudia, danke für deinen Kommentar 🙂 Ja das frühe Aufstehen ist ein grosser Nachteil bei diesem Beruf. Viele sind nicht bereit schon um 4 oder 5 Uhr aufzustehen. Auch wenn der Feierabend dafür auch früher ansteht.

  6. Also grundsätzlich wäre das ein Beruf den ich sehr gerne erlernen würde.
    Jedoch gibt es eines was ich ganz bestimmt nicht bin und zwar ein Frühaufsteher oder Morgenmensch. Zwischen 4 und 5 ist für mich noch tiefste Nacht. Bewundernswert! 🙂
    Danke jedoch für deinen Einblick. Gefällt mir sehr gut.

    1. Liebe Martina, danke für deinen Kommentar 🙂 Kann ich sehr gut verstehen. Ich bin auch nicht unbedingt ein Morgenmensch und möchte auch nicht um 4 oder 5 Uhr aufstehen.

  7. Wow, tolle Bilder und ein wirklich schöner Einblick in den Beruf des Konditor. Ich habe einen Freund, der eine eigene Bäckerei betreibt und habe deshalb schon einiges Rund um die Hygiene Vorschriften, frühes Aufstehen, Sonderaufträge etc. mitbekommen, da fällt doch immer was an. Ich glaube, ich könnte mich an die frühen Arbeitszeiten ganz gut gewöhnen 🙂

    1. Liebe Isa, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Schön, dass jemand von den Lesern die frühen Arbeitszeiten nicht so schlimm findet. Ich bin wirklich froh, gibt es diesen Beruf. Es ist doch schön mal ein Leckerbissen aus der Bäckerei zu geniessen.

  8. Hut ab! Für diesen Job muss man auch wirklich geschaffen sein. Ich finde immer toll, was die Konditoren so zaubern können.
    Ja, der liebe Stress. Den hat glaube ich jeder Job. Was aber auch wirklich schade ist. Stress verleitet ja auch oft zu Fehlern.

    1. Liebe Mo, danke für deinen Kommentar 🙂 Zu viel Stress ist wirklich nicht gesund. Schade, dass dies unser aller Alltag ist. Ich finde auch toll, welche Meisterwerke mit Esswaren gezaubert werden können. Sie sehen ja nicht nur gut aus, sondern schmecken ja auch lecker.

  9. Ein schöner Beruf mit einigen Herausforderungen – Schnelligkeit, Genauigkeit und nicht zu vergessen Kreativität und all das oft unter Stress. Den hat man aber in der heutigen Zeit leider überall.. Einzig die Arbeitszeiten wären für mich undenkbar.. Ich bin einfach kein Morgenmensch.. 😉

    1. Liebe Carina, danke für deinen Kommentar 🙂 Klingt doch eigentlich nach einem tollen Beruf, wenn dieses frühe aufstehen nicht wäre So früh möchte ich auch nicht aufstehen müssen.

  10. Ich finde den Beruf wichtig und schön … ich kaufe alles vom kleinen Bäcker im Ort. Da weiß ich dass ich die beste Qualität bekomme. Zum Thema Stress kann ich nur sagen, dass den so ziemlich jede Berufsgruppe hat ;-). Leider.

    1. Liebe Verena, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Schön, dass du deinen Lieblingsbäcker gefunden hast. Oh ja, Stress ist heutzutage in vielen Berufen nicht mehr weg zu denken. Eigentlich schade, oder?

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