Pferdefachfrau

Linda, 25 Jahre alt, ist Pferdefachfrau aus Arch bei Bern, mit einer Vorliebe für getunte Autos.

Mächtig und dennoch elegant! Pferde haben es mir schon im Kindesalters angetan, weshalb ich mit reiten begonnen habe sobald ich laufen konnte und später einige Aufgaben in einem Stall übernommen habe. Aus leidenschaftlichen Freizeitaktivitäten ist in der Zwischenzeit eine Berufung geworden. Mit der dreijährigen Lehre zur Pferdefachfrau, welche im gesamten sechs Fachrichtungen bietet, bin ich in mein Berufsleben gestartet. Entschieden habe ich mich für die Fachrichtung klassisches Reiten, welche neben Pferdepflege, Westernreiten, Gangpferde, Pferderennsport und Gespannfahren zur Auswahl gestanden ist. In der Ausbildung, welche eher theorielastig aufgebaut ist, bin ich in unter anderem im Umgang mit Pferden, der Betreuung und Anleitung von Kunden sowie der Gewährleistung der Sicherheit und des Schutzes von Gesundheit unterrichtet worden. Praktisches Wissen hingegen konnte ich mir während meiner Lehrzeit kaum aneignen, denn als Lernende habe ich nur selten die Chance erhalten, meine reiterlichen Kenntnisse in die Praxis umzusetzen. Der Zugang zu eigenen Pferden während der Ausbildung hat sich daher als grosse Hilfe erwiesen.
Linda mit Pferd

Im Anschluss zu meiner Lehrzeit habe ich meine praktischen Fähigkeiten als Angestellte vertieft und nach circa zwei Jahren den Weg in die Selbständigkeit eingeschlagen. Nach einem senkrechten Start hat sich der Aufbau eines rentablen Geschäfts mit laufender Kundschaft als herausfordernd erwiesen, denn der Konkurrenzkampf in diesem Berufsfeld gestaltet sich als grosse Hürde. Jedoch habe ich mich den Herausforderungen gestellt und mir nach einem kurzzeitigen Berufswechsel zur Fahrzeugaufbereiterin einen eigenen Namen als Pferdefachfrau mit einem persönlichen Erkennungszeichen, meinem beigen Reithelm, aufgebaut.

Heute arbeite ich sechs Tage in der Woche, an welchen ich vorwiegend an meinem Arbeitsort in Matzendorf und selten mobil anzutreffen bin. Meine Arbeitstage gestalten sich stets abwechslungsreich und streng. Neben meiner Hauptaufgabe, dem Training von Pferden, übernehme ich auch kleinere Arbeiten, wie die Fütterung, das Ausmisten der Ställe sowie die Säuberung der restlichen Infrastruktur und der Ausrüstungen.

Im Pferdetraining verfolge ich das Ziel, aus jedem Mensch-Tier-Gespann ein eigespieltes Team voller Harmonie zu bilden. Dazu gehört nicht nur die konsequente und einfühlsame Ausbildung der circa 500 Kilogramm schweren Tiere, sondern eben auch der Aufbau des Wissens der Pferdebesitzer. Zu meinen Dienstleistungen zähle ich daher unter anderem das Anreiten von jungen und unerfahrenen Pferden, den Beritt von schwierigen Tieren, individuelle Korrekturarbeiten sowie die Ausbildung von Reitern.

Die angeeigneten Kenntnisse über die Pferde, ihre Verlangen und ihr Training unterstützen mich ausserdem im Umgang mit meinen eigen dreieinhalb Pferden (drei ausgewachsene Tiere und ein Fohlen). Zudem verhelfen sie mir auch zu guten Leistungen an verschiedensten Turnieren im Springreiten, an welchen es kleinere Geldbeträge und in gewissen Prüfungen auch Sachpreise, wie beispielsweise Sättel oder Autos zu gewinnen gibt. Das Antreten an Turnieren zähle ich derzeit zu meinen Freizeitbeschäftigungen, jedoch ist es durchaus möglich profimässig Geld damit zu verdienen.

Mir gefällt die intensive Arbeit mit meinen Lieblingstieren. Durch rassenbedingte Charaktereigenschaften gestalten sich abwechslungsreiche und spannende Herausforderungen, die es mit Wissen und Gespür zu meistern gilt. Als forderndste Aufgabe sehe ich die Findung der Probleme und Bedürfnisse bei Korrekturarbeiten, bei welchen ein unerwünschtes Verhaltensmuster, meist ausgelöst durch negative Erfahrungen, verbessert wird.

Laufend werde ich durch schöne Momente, wie etwa ein erfolgreiches Training, belohnt und in meiner Arbeit bestärkt. Doch obschon ich meinen Beruf nicht missen möchte, würde ich die Ausbildung zur Pferdefachfrau wahrscheinlich nicht noch einmal antreten. Gründe dafür sind unter anderem unfaire Löhne in der Lehrzeit, zu lange Arbeitszeiten während und nach der Ausbildung sowie ein negativer und meist rauer Umgang mit den Lernenden. Als Alternative sähe ich die Lehre zur Carosseriespenglerin, als welche ich Autoteile herstellen und beschädigte Stellen reparieren würde. Auch würde ich andere Berufe in der Automobilbranche in Erwägung ziehen, denn Personenfahrzeuge zähle ich zu meiner zweiten Leidenschaft, was meine Hobbys neben dem Reiten erklärt: Das Tuning wie auch die Pflege von Autos und der Kartsport.

Abschliessend muss gesagt werden, dass mein jetziger Beruf sicherlich nicht für alle geeignet ist. Eine Pferdefachfrau sollte neben Einfühlungsvermögen und Geduld auch Biss und Durchsetzungsvermögen mitbringen, um die Bedürfnisse von Tier und Mensch zu erfüllen.

Weitere Informationen:

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Pferdefachfrau / des Pferdefachmannes?

8 Gedanken zu „Pferdefachfrau“

  1. früher war ich ja auch total Pferde verrückt – mit dem Gedanken, dass man da auch einen Beruf mit verbinden kann, habe ich aber nie gespielt … finde ich dennoch sehr spannend 🙂

    1. Liebe Tina, danke für deinen Kommentar 🙂 Viele jüngere Mädchen sind pferdeverrückt. So hatte auch ich eine solche Phase. Wie du, bin aber auch ich nie auf den Gedanken gekommen, einen solchen Beruf zu erlernen.

  2. Das wäre dann wohl mein Beruf gewesen. Ich habe erst später angefangen zu reiten, aber schnell gemerkt, dass Tiere mein Leben sind. Nun ja, Pferdewirt (so wie es bei uns genannt wurde) stand nicht auf meiner Liste, ich bin Tierheilpraktikerin geworden. Auch nicht schlecht.

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