Tierärztin

Martina, 28 Jahre alt aus dem Emmental, arbeitet als Tierärztin mit dem Ziel, Tier und Mensch glücklich zu machen.

Der Alltag einer Tierärztin zählt zu einem breitgefächerten Berufsfeld, dank welchem kleine und grosse Tiere nach bestem Wissen und Gewissen behandelt werden. Die Berufssparte beinhaltet nicht nur die direkte Arbeit mit Tieren, wie als Tierärzt für Klein- und Nutztiere oder als Gemischtpraktiker, sondern auch die Arbeit in einem Labor oder in der Forschung.

Persönlich bin ich für das Gesundwerden und das Gesundbleiben von verschiedensten Kleintieren verantwortlich. In meinem Alltag steht stets das Wohlbefinden der Tiere im Mittelpunkt.

Meine Mutter arbeitet ebenfalls mit Herz und Seele als Tierärztin, weshalb für mich schon früh klar gewesen ist, welche Richtung meine berufliche Karriere einschlagen wird: Natürlich dieselbe! Dementsprechend habe ich schon als Kind auf meinen Traum hingearbeitet und diesen auch in jedem erhaltenen Freundschaftsbuch vermerkt. Damals noch völlig falsch geschrieben, ohne „ie“ und mit „tz“.

Zu meinem Werdegang gehört viel theoretisches und praktisches Lernen. Um den Beruf der Tierärztin ausüben zu dürfen, habe ich nach der regulären Schule das Gymnasium abgeschlossen und die Eintrittsprüfung für die medizinischen Studiengänge namens Numerus clausus bestanden. Während des fünfeinhalb jährigen Studiums habe ich viel Wissen mit auf den Weg bekommen, welches ich in einigen Praktika umsetzen durfte. So habe ich im fünften Studienjahr unter anderem ein dreimonatiges Praktikum in dem von mir gewählten Schwerpunkt Kleintiere absolviert. Auch in den anderen Bereichen habe ich die Chance auf einen Einblick erhalten. An der Abschlussprüfung werden umfängliche Kenntnisse aus allen Sparten erwartet, weshalb den Studenten nach bestandenem Staatsexamen alle Wege offenstehen.
Nach Abschluss des theoretisch-betonten Studiums hat für mich das intensive Lernen auf praktischer Ebene begonnen.

Mehr und vor allem vertieftes Wissen kann als Tierärztin durch zahllose Weiterbildungen erlangt werden. Möglich sind beispielsweise Spezialisierungen zur Fachtierärztin einer bestimmten Tierart (z.B. Kleintiere, Wiederkäuer, Pferde, Schweine, etc) oder eine noch spezifischere Spezialisierung in einem bestimmten Gebiet der Veterinärmedizin: Innere Medizin, Chirurgie, Radiologie, Zahnmedizin, Augenheilkunde und weitere.

Heute bin ich in einer Kleintierklinik angestellt, in welcher wir einen 24 Stunden Notfalldienst anbieten. Generell beginnt mein Arbeitstag um 07:30 Uhr mit einer Fallbesprechung im Team, mittels welcher die Mitarbeiter vom Nachtdienst ihre Fälle übergeben und uns über das Wohlbefinden der einzelnen stationären Tiere aufklären. Ab 08:00 Uhr wird der Verlauf des Morgens von individuellen Untersuchungen, Besprechungen und Operationen bestimmt. Nach einer Mittagspause, in welcher jederzeit eine Tierärztin für Notfälle zur Verfügung steht, beginnt der Nachmittag um 13:30 Uhr mit einer Mittagsbesprechung, in welcher der Zustand und die Behandlung der stationären Patienten und auch komplizierte und bevorstehende Fälle nochmals im Team diskutiert werden. Im Laufe des Nachmittags treffe ich erneut auf unterschiedlichste Tierarten, Charaktereigenschaften und Menschen. Der Tag endet jeweils mit der Übergabe der aktuellen Patienten an den Nachtdienst. Auch ich werde regelmässig für diesen Dienst eingeteilt. Nachts kümmere ich mich dann um die stationären Tiere und die Notfälle.

Zu meinem vielseitigen Alltag gehört übergeordnet das Behandeln von kranken Tieren oder aber im Idealfall der Besuch von gesunden Tieren, die zum Impfen oder zu einer Jahresuntersuchung vorbeigebracht werden und die ansonsten hoffentlich von der Tierarztpraxis fernbleiben können.
Eine genaue Diagnose ist auf den ersten Blick oft nicht möglich, weshalb ein systematisches Vorgehen von grosser Bedeutung ist. Aus diesem Grund suche ich jeweils als erstes ein intensives Gespräch mit dem Tierbesitzer, in welchem ich mir die Symptome erklären lasse. Dabei ist von grosser Wichtigkeit, dass ich bei Unsicherheiten und Vermutungen genauestens nachfrage, damit auch unwichtig erscheinende Details zur Sprache kommen.
Anhand der Erläuterungen der Besitzer und nach der ersten Allgemeinuntersuchung des Tieres lassen sich meistens schon erste Schlüsse ziehen, auf welche die nächsten Schritte bezogen werden. Zeigt ein Tier beispielsweise als Symptom Erbrechen und beim Abtasten des Bauches Schmerzen, wird zusammen mit dem Besitzer diskutiert, welche weiteren Schritte wie beispielsweise Röntgen oder Ultraschall diagnostisch sinnvoll sind. Auch Blutuntersuchungen können zielführend sein. Anhand einer Problemliste können die möglichen Ursachen genauer eingeschätzt und nach Absprache mit dem Besitzer mit der individuellen Diagnostik und Behandlung begonnen werden.
Während den Behandlungen arbeite ich je nach Fall eng mit den jeweiligen Spezialisten und mit sogenannten Tiermedizinischen Praxisassistenten zusammen, was ich sehr schätze.
Vor Antritt meiner jetzigen Arbeitsstelle bin ich unter anderem im Rahmen meiner Doktorarbeit in einem Labor tätig gewesen, wo ich Spannendes über Forschungsarbeit gelernt habe. Heute empfange ich während meiner Arbeit vor allem Hunde und Katzen, aber auch verschiedenste Nager, Kaninchen und seltener auch Reptilien und Vögel. Bei jedem Tier handelt es sich um ein Individuum mit eigenen Charakterzügen, weshalb kein Fall mit dem anderen zu vergleichen ist. Auch je nach Tierart und je nach Kooperation des jeweiligen Tieres kann sich eine Untersuchung mehr oder weniger herausfordernd gestalten. So lässt sich beispielsweise ein gut erzogener, nicht ängstlicher Hund oder eine Katze leichter untersuchen als ein flinker und scheuer Nager.

Eine zentrale Rolle spielt aber auch der Mensch, also der Besitzer. Zum einen ist er eine unentbehrliche Unterstützung bei der Ursachenfindung und zum anderen ein Verhandlungspartner bei der Entscheidung zum weiteren Vorgehen und während der Therapie.

Ich bin auf einem Bauernhof mit zahlreichen Tieren aufgewachsen. Ich liebe den Umgang und die Arbeit mit ihnen und für mich ist es eine Art Privileg ihnen helfen zu dürfen, da sie auch den Menschen enorm viel geben. Gerade Kleintiere bedeuten ihren Besitzern oftmals unglaublich viel und ersparen ihnen aus psychologischer Sicht etliche Arztbesuche. Daher bin ich überzeugt, dass ich in meinem erlernten Beruf sowohl den Tieren als auch den Menschen Gutes tue.

Mir gefällt die Vielfalt in meinem Job. Kein Tag ist wie der andere und die Arbeit mit Tier und Mensch wird mir nie langweilig. Für mich zählt es mitunter zum Grössten, wenn Tiere vollständig genesen und glücklich wiedervereint mit ihren Besitzern den Ausgang ansteuern.

Im Übrigen kann ich meine Kenntnisse auch privat, bei Fragen von Freunden und Bekannten, anwenden und mich korrekt um meine eigenen Tiere kümmern.

Nebst schönen und glücklichen Augenblicken erlebe ich ebenfalls traurige und herzzerreissende Situationen, welche mir auch Tränen in die Augen steigen lassen. So wenn todkranke Tiere durch eine Einschläferung von ihren Leiden erlöst werden müssen und liebende Besitzer in tiefe Trauer fallen. Manchmal gibt mir auch der Zeitdruck in meinem beruflichen Alltag zu schaffen. Liebend gerne würde ich mir mehr Zeit für die einzelnen Patienten und die Besitzer nehmen, doch die nächsten Tiere warten oftmals schon im Wartezimmer. Auch der anfallende Papierkram, respektive das viele Eintragen in den Computer gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsaufgaben. Die genaue Dokumentation zu jedem Patienten ist jedoch sehr wichtig.

Trotz Gutem und Schlechtem würde ich meinen Traumberuf hundertprozentig wieder erlernen. Müsste ich jedoch darauf verzichten, hätte ich andere Ideen: Entweder würde ich Biologie studieren, als Landwirtin arbeiten oder eventuell sogar einen Beruf mit Fotografie erlernen, da mir dies schon immer viel Spass bereitet hat.

Selber besitze ich drei Hunde und viele Tiere, die noch auf dem Bauernhof meiner Eltern leben: Dazu gehören eine Katze, ein Pony und zwei Enten. Immer noch packe ich in meiner Freizeit sehr gerne auf dem Hof mit an. Ansonsten bin ich viel mit meinen Hunden unterwegs oder mit meinem Freund in den Bergen zu finden.

Ein Leben ohne Tiere könnte ich mir nicht vorstellen und ich denke, viele Menschen empfinden dasselbe.

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Tierärztin / des Tierarztes?

20 Gedanken zu „Tierärztin“

    1. Liebe Sandra, danke für deinen Kommentar 🙂 Gerade wer selber Haustiere hat, schätzt diesen Beruf sehr. Ich finde es beruhigend, dass ich meine Fellnase bei einem Notfall zu einem Tierarzt bringen kann.

  1. OMG diese wunderschöne Katze auf dem Bild Als Veganerin habe ich vollsten Respekt für Tierärzte. Ihre Fellnasenpatienten können nicht einfach zeigen oder sagen was wehtut und sie geben trotzdem alles, um ihnen zu helfen.

    1. Liebe Miri, danke für deinen Kommentar 🙂 Oh ja, der Umgang mit den Patienten ist in diesem Beruf wahrscheinlich nicht immer einfach. Man muss schon gute Kenntnisse haben, um die richtigen Leiden zu entdecken.

    1. Liebe Isa, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Der Beruf passt wirklich zu Martina. Tierärztin finde ich auch ein super Beruf, leider kann ich einen Job in dieser Richtung nicht ausführen, da mir zu viel Blut und unschöne Wunden nicht gut bekommen

  2. Das hört sich sehr interessant an. Wobei in einer Tierarztpraxis Freude und Leid sehr eng beieinander liegen. Für Berufseinsteiger sehr informativ, so können sie sich einen Einblick verschaffen.

    1. Liebe Annette, danke für deinen Kommentar 🙂 Ich kann das auch bestätigen, zwar nicht als Ärztin, sondern einfach als Hundehalterin.

  3. Toll, wie breit diese Klinik gefächert ist! Ich kenne hier nur Tierärzte, die alleine arbeiten mit höchstens einer pflegekraft. Eure kleinen „Patienten“ sind sicher gut bei euch aufgehoben!

    1. Liebe Wioleta, danke für deinen Kommentar 🙂 Es gibt sicher Vor- und Nachteile einer so grossen Tierklinik. Wie Martina erzählt hat, ist die Zeit aufgrund der vielen Patienten ein grosses Problem.

  4. Ich war jetzt in letzter Zeit zweimal bei einer vogelkundigen Tierärztin. Toller Job, klar, aber man muss lange für studieren. Die Tierärzte, die ich kenne, arbeiten aus Berufung, aber es gibt auch andere. Diese Klinik klingt echt klasse!

    Lieben Gruß, Bea.

    1. Liebe Bea, danke für deinen Kommentar 🙂 Deinen Beitrag über den einten Besuch bei der Tierärztin mit deinem Papagei habe ich gelesen. Sehr eindrucksvoll! Tierärztin wollte ich auch mal werden. Leider vertage ich den Anblick von Blut aber nicht wirklich.

  5. Danke für deinen Bericht, ich finde diesen Insight in den Tierarzt-Beruf Klasse, denke, er sollte besonders von Abiturienten, die gerade vor der Entscheidung stehen, welchen Beruf sie ergreifen gelesen werden… Kennst du eigentlich die Romane „Der Doktor und das Liebe Vieh“? Dort wird man noch viel mehr in die Welt des Tierarztberufes entführt, habe ich mit Vergnügen gelesen bzw. im Fernsehen gesehen.

    1. Liebe Bettina, danke für deinen Kommentar 🙂 Das Buch kenne ich leider nicht. Klingt aber sehr spannend. Dieser Beruf ist so vielseitig und bedeutend. Ein vertiefter Einblick ist da sicher mega spannend.

  6. Als Kind wollte ich auch Tierärztin werden. Ich glaube es ist gut, dass ich es nicht geworden bin. Mir ginge das Schicksal der armen Tiere glaub ich zu nahe. Oder wenn ich ein Tier einschläfern müsste – omg.
    Danke für den Einblick in das Berufsbild.

    1. Liebe Carina, danke für deinen Kommentar 🙂 Ich verstehe dich sehr gut. Tierärztin wäre ich auch gerne geworden. Jedoch vertrage ich den Anblick von Blut einfach nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.