Friseurin

Rebekka, 37 Jahre alt aus Steffisburg, führt den Beruf der selbständigen Friseurin mit grosser Leidenschaft aus und verhilft somit gross und klein zu einer passenden Frisur.

Schon als kleines Mädchen haben mich die Tätigkeiten einer Friseurin fasziniert. Damals habe ich zwar noch keine echten Kunden empfangen, was mich aber nicht daran gehindert hat, in meinem Kinderzimmer «Friseursalon» zu spielen. Diese Faszination hat mich später auf direktem Weg durch meine Berufswahl sowie durch meine Lehrzeit geführt und begleitet mich noch heute als selbständige Friseurin.

Meinen Beruf führe ich definitiv mit Leidenschaft aus. Während meiner Arbeit kann ich meine kreativen Fähigkeiten, meine Kontaktfreudigkeit, meine Einfühlsamkeit sowie meine Kundenorientierung ausleben und meinen Kunden zusätzlich noch eine Freude bereiten. Ich bin überzeugt, dass mich dieser Beruf gelernt hat, mit jeder Art von Menschen tolerant und freundlich umzugehen.

Nach der obligatorischen Schulzeit habe ich direkt eine Lehre zur Herrenfriseurin angetreten, welche ich nach drei abwechslungsreichen Jahren mit theoretischen und praktischen Prüfungen abgeschlossen habe. Schon als Auszubildende durfte ich viele praktische Erfahrungen sammeln. So habe ich neben der Begrüssung der Kunden, dem Beantworten von Anrufen, dem Reinigen des Ausbildungsgeschäfts und dem Waschen von Haaren auch einige männliche Modelle empfangen und deren Haare gestylt. Theoretisches Wissen hingegen habe ich an wöchentlichen Schultagen erhalten. Zusätzlich zur Arbeit und zur Schule habe ich mir in überbetrieblichen Kursen Grundtechniken, wie Dauerwellen wickeln, einlegen mit Bigoudis, 6-er Locken, Wasser- und Fönwellen angeeignet. Direkt im Anschluss zu dieser spannenden Lehre habe ich eine einjährige Zusatzausbildung im Damenfach absolviert und somit ein zweites Fähigkeitszeugnis erlangt. Heute hat sich die Ausbildung so verändert, dass die Lernenden in drei Jahren Damen- und Herrenfriseurin lernen. Man kann sich über die Vor- und Nachteile streiten. Ich persönlich finde es schade, da gerade im Herrenfach viele verschiedene Techniken verloren gehen.

Bevor ich mir als selbständig erwerbstätige Person ein Standbein aufgebaut habe, konnte ich als Angestellte viele wertvolle Erfahrungen sammeln.

Im Alter von ungefähr 26 Jahren habe ich dann endlich die ersten Schritte in die Selbständigkeit unternommen. Glücklicherweise habe ich Unterstützung von meiner Familie erhalten und konnte ein Geschäft mit einem guten Standort zwischen verschiedenen kleineren und grösseren Quartieren ergattern. Um mir einen Kundenstamm aufzubauen, habe ich zu Beginn meiner Selbständigkeit Werbung in der Stadt und in den Bussen aufgehängt. Als selbständige Friseurin habe ich vorerst keine Mitarbeiter eingestellt und mir jährlich nur drei Wochen Ferien gegönnt. Dies hat sich aber mittlerweile geändert. Heute unterstützt mich eine Mitarbeiterin, welche ich aufgrund meiner Schwangerschaft eingestellt habe, in einem Pensum von 60 % bei der Erfüllung der Kundenwünsche. Ich hingegen arbeite jeweils am Dienstag, am Donnerstag und jeden zweiten Samstag von circa 08:00 Uhr bis 14:00 Uhr. Zusammen ergibt dies ein Pensum von 50 %. Blicke ich nun zurück, kann ich bestätigen, dass der Start in die Selbständigkeit definitiv einigen Mut und einige schlaflose Nächte verlangt hat. Wichtig bei dieser grossen Veränderung ist sicherlich, bescheiden und sich selber treu zu bleiben.

Ich stehe nun also täglich im Kontakt mit bekannten sowie fremden Menschen, welchen ich eine Freude bereiten kann. In meinem Geschäft begrüsse ich sowohl weibliche als auch männliche Kunden in jedem erdenklichen Alter, für welche ich mir stets genügend Zeit nehme. Ich zähle wohl zu einer typischen Familienfriseurin. Meine Arbeitstage richten sich somit nach einer unterschiedlichen Anzahl an Kundenterminen, welche für Kleinkinder, Jugendlichen, Erwachsenen, Senioren oder gar Personen mit Handicap durchschnittlich zwischen 20 und 150 Minuten dauern und bei welchen ich unter anderem Haare wasche, schneide, färbe und frisiere, Mesch mache sowie Bärte schneide, Wimpern und Augenbrauen färbe.

Neben den Kundenterminen gilt es zudem kaufmännische Tätigkeiten wie auch Reinigungsarbeiten zu erfüllen. Diese mache ich meistens vor dem Eintreffen der ersten Kunden und / oder nach dem Verabschieden des letzten Kunden. Gerade die Putzarbeiten verlangen jeweils einige Überwindung. So beispielsweise die Säuberung des Abflusssiebes, in welchem sich ständig Haare ansammeln. Das ist wirklich eklig!

In meiner Freizeit powere ich mich sehr gerne beim Sport aus. Daher spiele ich Volleyball (auch an Meisterschaftsspielen), fahre gerne Ski. Daneben verbringe möglichst viel Zeit mit meiner kleinen Familie. Da ich während meiner Arbeit viele soziale Kontakte pflege, verspüre ich dieses Bedürfnis in der Freizeit eher weniger.

Den Umgang mit den verschiedensten jungen und alten Menschen zähle ich in meinem Beruf zum Allerschönsten. Das Vertrauen und die Offenheit meiner Kunden gegenüber mir freut mich besonders. Während meiner Arbeit erfahre ich immer wieder von wunderschönen Lebensgeschichten bis hin zu traurigen Schicksalsschlägen.
So entstehen teilweise auch tiefe und langjährige Freundschaften.

Andererseits komme ich den jeweiligen Menschen sehr nahe, was ab und zu auch etwas Überwindung benötigt. Ich bin froh, dass ich nur selten Besuch von ungepflegten Personen bekomme.

Ich liebe meinen Beruf sehr, doch ob ich bei einem Neuanfang nochmals den gleichen Weg gehen würde, kann ich nicht mit Klarheit sagen. Da ich mich schon sehr früh auf eine berufliche Richtung festgelegt habe, habe ich nur oberflächlich über andere Möglichkeiten nachgedacht. Sicher ist, dass ich bei einem zweiten Start wieder einen Beruf mit Menschenkontakt wählen würde. Neben dem Friseurberuf würde ich speziell die Arbeit einer Kleinkindererzieherin oder einer Lehrerin in Betracht ziehen.

So oder so ist es enorm wertvoll einen Beruf zu erlernen, mit welchem man sich identifizieren kann und an welchem man in erster Linie Spass und Freude hat. Daher bin ich glücklich, dass ich in meinem Beruf Energie für mein Privatleben und umgekehrt tanken kann.

Weitere Informationen:

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Friseurin / des Friseurs?

18 Gedanken zu „Friseurin“

    1. Liebe Annette, danke für deinen Kommentar 🙂 Das stimmt natürlich vollkommen. Ich bin auch froh, kann ich jeweils zum Friseur meines Vertrauens gehen und muss mir die Haare nicht selber schneiden.

  1. Hey, was für in toller Blog. Meine Teenie-Söhne wissen noch gar nicht, was sie einmal werden wollen. Deine Einblicken in den Berufsalltag finde ich eine tolle Entscheidungshilfe. Dicker Daumen hoch!

    1. Liebe Simone, herzlichen Dank für dein positives Feedback Die Berufswahl ist echt schwierig und ich hoffe mit meinem Blog eine Hilfe zur Verfügung zu stellen. Deine Söhne werden ihren Weg auch noch finden.

  2. Ich finde den Berufszweig ja sehr herausfordernd, da man immer die Wünsche vom Kunden umsetzen muss und hoffen muss, dass er zufrieden ist. Ein Handwerksberuf der viel zu schlecht bezahlt wird..

  3. Ich finde es toll was Friseure so alles zaubern können. Allerdings habe ich auch schon viele „schlechte“ erlebt, die bei Billiganbietern arbeiten und keine abgeschlossene Lehre haben. Das finde ich schade, weil genau die ruinieren den Markt. Danke für die Vorstellung.

    1. Liebe Verena, danke für deinen Kommentar 🙂 Und leider werden viele dieser Billiganbieter noch unterstützt, da manche Menschen beim Friseur sehr aufs Geld achten. Ich wünsche daher Friseurinnen, wie Rebekka, weiterhin ganz viel Erfolg.

  4. Ich bewundere Friseure! Ich bin viel zu dämlich, mir eine Frisur zu stylen. Nur schütteln und fertig.
    Was ein Friseur aus den Haaren zaubert, ist immer toll! Dass der Menschenkontakt Spaß macht ( also meistens), kann ich gut nachvollziehen .
    Besonders interessant fand ich, dass früher die Ausbildung unterteilt war. Da hat man bestimmt viele weitere Techniken gelernt als heute.

  5. Ich finde ja, dass es ein sehr schöner, ästhetischer Beruf ist, aber auch sehr anstrengend. Die Kunden sind sicherlich auch nicht immer einfach 😉

  6. Ich glaube der Beruf der Frisörin wird viel zu sehr unterschätzt! Daher vielen Dank für den tollen Beitrag! Als Frisörin muss man einfach viel mehr können als man denkt und mit „einfach nur“ Haare schneiden ist es nicht getan. Meine Cousine ist ebenfalls Friseurin und erzählt öfter mal von ihrem Alltag, daher kann ich die Herausforderungen ein wenig nachvollziehen.

    1. Liebe Freyja, danke für deinen Kommentar 🙂 Es freut mich, dass du diesen Beitrag inspirierend findest. Ich würde mich sehr freuen, wenn du noch bei weiteren Berufseinblicken vorbeischaust und deine Meinung hinterlässt.

  7. Ich finde solche Einblicke wirklich toll und teils auch faszinierend! Man steckt selbst so in seiner eigenen Berufswelt und denkt sich oft gar nicht in die Berufe und den Alltag anderer rein. Tolle Reihe! Weiter so.

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