Bekleidungsgestalterin

Katrin, 43 Jahre alt mit Wohn- und Arbeitsort in Uttigen (bei Thun), kennt als Bekleidungsgestalterin mit eigenem Atelier keine Langeweile.

Aus Liebe zu meinem Beruf scheue ich weder eine Sechstagewoche noch lange Arbeitstage. So bin ich als Frühaufsteherin oftmals schon ab 05:00 Uhr in meinem Atelier anzutreffen. Einen fixen Tagesablauf kenne ich aufgrund zahlreicher Kundentermine und unterschiedlichsten Aufträgen nicht.

Im Verlauf meiner Arbeitstage empfange ich sowohl weibliche als auch männliche Kunden in den verschiedensten Altersklassen mit individuellen Wünschen, weshalb ich von klassischer Mode bis hin zu ausgefallenen Kleidungsstücken alles anfertige, was im Bereich meiner Möglichkeiten liegt. So verarbeite ich verschiedenste Stoffe, bevorzugt natürliche Gewebe wie Baumwolle, Wolle und Seide, zu massgeschneiderten Unikaten und übernehme ab und zu Anpassungsarbeiten. Für die Kreation von einzigartiger Damen-, Herren- und Kinderkleidung wie auch Taschen und Hüten verwende ich in erster Linie eine Industrienähmaschine. Im Weiteren nehme ich zur Versäuberung von Kanten eine Overlock Nähmaschine und zur Verarbeitung von dehnbaren Säumen eine Cover Nähmaschine zur Hilfe. Selbstverständlich dürfen in meinem Atelier auch ein Bügelautomat, Büsten, Schneidunterlagen, Rollmesser mit verschiedenen Klingen, ein Geodreieck und Stecknadeln nicht fehlen.

Um die Einzelheiten der erhaltenen Aufträge zu klären und Bedürfnisse abzusprechen, führe ich mit meinen Kunden stets ein Beratungsgespräch. Kunden ohne genauere Vorstellungen berate ich sehr gerne mit meinem Gespür für Formen und Farben wie auch mit meinen Kenntnissen über Stoffe und Schnitt. Gerade bei unsicheren Kunden fertige ich vor der Erarbeitung des eigentlichen Kleidungsstückes oftmals einen Entwurf aus einem günstigen und farblosen Stoff namens Moulure an. Bei einer ersten Anprobe nehme ich dann Verbesserungen vor und nähe darauffolgend die eigentliche Anziehsache aus dem mitgebrachten oder bestellten Stoff. Eine weitere Anprobe zeigt zum Abschluss, ob das Kleidungsstück perfekt passt oder noch Bedarf an Änderungen vorhanden ist. Zu den schönsten Momenten zähle ich die jeweilige Freude der Kunden über einen fertigen Auftrag. Strahlende Gesichter, Umarmungen, lobende Worte und auch Weiterempfehlungen bestärken mich tagtäglich in meinem Tun.

Neben dem Beruf gehören Kochen, Backen, Reisen und das Besuchen von Konzerten zu meinen liebsten Hobbys. Mich fasziniert die Vielseitigkeit in meinem Alltag, welche durch die Interaktion mit verschiedenen Kunden, deren individuellen Wünschen und den zahlreichen Verarbeitungsarten stets gewährleistet ist. Meine Möglichkeiten im gewählten Beruf sind fast grenzenlos. Mit der gesammelten Berufserfahrung und mit den verschiedenen Arbeitstechniken habe ich mir eigene rationelle Vorgehensweisen angeeignet und bin stets bereit, neue Herausforderungen anzunehmen. Problematisch finde ich einzig, dass in der heutigen Zeit zu viele Kleidungsstücke als billige Massenware im Ausland hergestellt werden, weshalb manchen Menschen der grosse Aufwand in der Herstellung eines Unikates nicht bewusst ist.

Auf die Berufsidee bin ich im Alter von fünf oder sechs Jahren gekommen, als mir meine Grossmutter das Häkeln beigebracht hat. Ich bin schon immer ein kreativer Mensch gewesen und habe damals Kleider und Accessoires für meine Puppen gebastelt. Früh ist für mich klar gewesen, dass ich wegen meines fehlenden grünen Daumens nicht wie der Rest der Familie ins Gärtnergeschäft einsteigen werde. Ich wollte viel lieber als Handarbeitslehrerin tätig sein, weshalb ich die dreijährige Ausbildung zur Bekleidungsgestalterin, ehemals noch Schneiderin, in einem Privatatelier abgeschlossen habe. In einer Einführungswoche ist mir ein erstes Grundwissen übermittelt worden, welches ich darauffolgend an einem kleinen Platz umsetzen konnte. Da ich Gefallen am Gestalten von Kleidung für verschiedenste Kunden gefunden habe, habe ich den Plan, Handarbeitslehrerin zu werden, verworfen und später die eidgenössische Berufsprüfung absolviert.

Die frühere Ausbildung ist wie Tag und Nacht gegenüber der von heute. Viele der angehenden Bekleidungsgestalterinnen in der heutigen Zeit lernen in einer sogenannten Lernwerkstätte und besuchen an einem oder zwei Tagen in der Woche die Schule. Gegenüber von damals wird heute rationeller gearbeitet. Zum Beispiel wurde vor über 20 Jahren mit der Schere zugeschnitten, heute mit dem Rollmesser und Geodreieck, welches schnittkantig verarbeitet wird, da es ganz genau ist. Doch obwohl sich vieles verändert hat, würde ich die Ausbildung auch heute wieder absolvieren, da ich in der Arbeit als Bekleidungsgestalterin meinen Traumberuf gefunden habe.

Die Sammlung von Berufserfahrung nach der Lehrzeit sehe ich als entscheidend für den Erfolg in der eigenen Laufbahn. So habe ich mehrere Jahre Erfahrungen in verschiedenen Ateliers, darunter in einer Herrenschneiderei und einer Couture Schneiderei in Basel gesammelt. Mein Traum ist es jedoch schon immer gewesen, ein eigenes Atelier aufzubauen. Diesen Wunsch habe ich mir in Uttigen erfüllt. Obschon mir die Arbeit in Basel gefallen hat, habe ich den Wunsch, in einer ländlicheren Gegend zu arbeiten verspürt.

Zum Einstieg in meine Selbständigkeit habe ich einen Mode-Apéro organisiert, zu welchem ich ehemalige Kunden und Freunde eingeladen sowie einen Zeitungsartikel aufgeschaltet habe. Um möglichst viele potentielle Interessierte zu erreichen, habe ich zudem eine eigene Internetseite aufgebaut und auf Mund-zu-Mund Propaganda gesetzt. Die Konkurrenz ist sicherlich auch in der Modebranche gross. Davon lasse ich mich jedoch nicht beirren, denn die Angebote sowie Sympathie der Kunden für die Anbieter sind unterschiedlich.

Ich bin der Meinung, dass jeder seinen Träumen nachgehen und Freude am Beruf haben sollte, denn dieser nimmt in unserem Leben viel Zeit in Anspruch. Persönlich freue ich mich täglich auf die bevorstehende Arbeit, welche mir wegen der Vielfalt wohl nie langweilig werden wird.

Weitere Informationen:

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Bekleidungsgestalterin / des Bekleidungsgestalters?

10 Gedanken zu „Bekleidungsgestalterin“

    1. Liebe Lea, danke für deinen Kommentar 🙂 Schön konnte ich dir einen Beruf vorstellen, der dich anspricht. Ich finde es toll, was Bekleidungsgestalterinnen aus Stoffen zaubern können.

  1. Ein spannender Bericht, auch weil mich die Bekleidungsbranche sehr interessiert. Es zeigt klar auf, dass man auf seine Intuition fühlen und den ureigenen Weg angehen soll. Finde toll, dass sie auf ihre Fähigkeiten vertraut hat und nicht den vorgegebenen Pfad des Gärtnereiunternehmens gegangen ist.

    1. Liebe Michèle, herzlichen Dank für deinen Kommentar Karin gestaltet wirklich tolle Kleider (Bilder ersichtlich). Ich bin daher auch froh, hat sie sich schlussendlich für diesen Berufszweig entschieden und beschert nun vielen Kunden eine grosse Freude.

  2. Birgit schreibt hier ;): Bestimmt gibt es Frauen, die nicht gerne Bekleidungsgestalterin wären. Ich finde den Beruf toll, da soviel Kreativität darin steckt. Und Mode ist da ein breit bespielbares Feld.

  3. Super interessant! Einerseits, weil ich ja sehr modebegeistert bin, andererseits, weil meine Oma Schneidermeisterin war und ich da schon einiges mitbekommen habe. Es ist spannend zu lesen, wie sich der Beruf verändert hat.
    Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es nicht einfach ist, sich selbständig zu machen. Leider sind viele Menschen ja nicht mehr bereit, für gute Kleidung auch den angemessenen Preis zu zahlen.

    1. Liebe Tabea, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Aufgrund vom Verkauf von günstiger Massenware ist der Verkauf von teureren Unikaten wirklich eine Herausforderung.

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