Mitarbeiterin Verkauf öV

Brigitte, 59 Jahre alt aus Uetendorf, bleibt als Mitarbeiterin Verkauf im öffentlichen Verkehr stets auf dem neusten Stand in unserer schnelllebigen Zeit.

Mein beruflicher Alltag verläuft je nach Einteilung in verschiedenen Schichten. Zum einen führen wir eine frühe Tour und zum anderen eine späte. So stellen wir sicher, dass zu unseren Öffnungszeiten allzeit eine kompetente Beratungsperson zur Verfügung steht. Bin ich in der frühen Tour eingeteilt, bediene ich schon ab 06:30 Uhr Kunden im Reisezentrum. Je früher meine Tour beginnt, desto früher darf ich auch in den wohlverdienten Feierabend gehen. So ist es mir bei dieser Tour gestattet, meinen Arbeitsplatz jeweils schon um 15:30 Uhr zu verlassen. Bin ich wiederum für die späte Tour eingeschrieben, darf ich erstmal ausschlafen und erst um 10:00 Uhr mit meiner Arbeit beginnen. Dafür hüte ich das Reisezentrum dann jeweils bis 19:00 Uhr. Ein bis zwei Mal im Monat bin ich auch am Samstag tätig, da unser Bahnhof an diesem Wochenendtag auch geöffnet hat. Unsere Kunden möchten schliesslich auch am Wochenende auf Reisen gehen. Am Sonntag hingegen müssen sie sich alleine mit dem Fahrkartenautomaten abfinden.

Vorausgehend habe ich eine Ausbildung zur Betriebsdisponentin abgeschlossen. In dieser Zeit habe ich an verschiedensten Orten zwischen Thun und Merligen gearbeitet.
Nach einer 15-jährigen Arbeitspause bin ich von der Firma Knorr für die Umsetzung von verkaufsfördernden Massnahmen, auch bekannt unter Merchandising, eingestellt worden. Zu meiner Verantwortung hat das Auffüllen von Regalen mit Knorrprodukten gezählt, wozu ich schwere Paletten mit den entsprechenden Produkten beladen und natürlich auch wieder abgeladen habe. Zu meiner grossen Freude sind die Arbeitgeber sehr zufrieden mit meiner Arbeit gewesen und haben mich schlussendlich für die Durchführung von Degustationen eingestellt. Von da an bin ich nebst den Auffüllarbeiten durch die halbe Schweiz gereist und habe an verschiedenen Orten neue Produkte an Kunden präsentiert. Dieser Job ist für mich allerdings keiner für die Ewigkeit gewesen. Nicht zuletzt, weil Firmen vor allem junge und attraktive Frauen für diese Art von Arbeit wünschen. So hat es sich ergeben, dass ich mich mit 42 Jahren nach einer anderen Arbeitsstelle umgeschaut habe. Zu meinem Glück habe ich schnell eine gefunden und kurz darauf bei den Postautos an einem Fahrkartenschalter die Arbeit aufgenommen. Die einseitige Arbeit hat mir jedoch schon bald nicht mehr zugesagt, weshalb ich nach nur sechs Monaten zu der BLS gewechselt habe. Dieser Neubeginn ist wie ein Sprung ins kalte Wasser gewesen. Mindestens ein halbes Jahr habe ich nur gelernt, gearbeitet, geschlafen und mich um meine Kinder gekümmert. Die Freizeit ist in den Hintergrund gerückt. Ein geringes Basiswissen habe ich zwar schon aus meiner Lehre mitgebracht, trotzdem hat vor allem die Umstellung der Arbeit auf digitale Mittel und das Erlernen des grossen und schnellwachsenden Angebots viel Zeit in Anspruch genommen.

Im Jahre 2002 sind bei der BLS die Divisionen Infrastruktur und Verkehr getrennt worden. Aus diesem Grund habe ich die Möglichkeit erhalten, mich entweder für den Fahrdienst, also den Beruf des heutigen Zugverkehrsleiters, oder für den Verkauf zu entscheiden. Die Arbeit im Fahrdienst habe ich mir eintönig und langweilig vorgestellt, folglich habe ich mich entschlossen weiterhin im Verkauf zu bleiben. Nach einem Stellenabbau an meinem damaligen Arbeitsort habe ich einige Zeit an einem anderen Bahnhof gearbeitet, wo mir der Alltag aufgrund fehlender Kundschaft bald zu monoton geworden ist. Letztendlich habe ich mich dann an meinem jetzigen Arbeitsplatz beworben und die Zusage für die Stelle im Jahre 2009 erhalten.

Nun arbeite ich schon viele Jahre als Mitarbeiterin Verkauf im öffentlichen Verkehr und habe schon viele Erfahrungen, darunter auch welche fürs Leben im Allgemeinen, gesammelt. Meine Arbeit gestaltet sich vollkommen abwechslungsreich, da sich mein Tätigkeitsgebiet den unterschiedlichsten Kundenwünschen anpasst. In meinem beruflichen Alltag berate und verkaufe ich in Deutsch, Französisch und Englisch. Unter anderem verkaufe ich Abonnemente, internationale und nationale Reisen sowie RailAway Angebote. Daneben gebe ich den Kunden Auskünfte über Fahrpläne und Störungen und nehme ab und zu Beschwerden entgegen, wobei ich stets freundlich und verständnisvoll reagieren muss. Ausserdem stelle ich hin und wieder Eventtickets für Konzerte, diverse Matchs und weitere Anlässe aus und verkaufe nicht selten Geschenkkarten und BLS Artikel.
Da in unser Reisezentrum ein Reisebüro integriert ist, gehört auch das Buchen von Hotels und Flügen sowie das Wechseln von Geld in verschiedene Währungen zu meinem Aufgabenbereich. Früher haben wir auch einen Schalter für die Berner Kantonalbank geführt, welche heute aber eigenständig ist. Am Arbeitsplatz führen wir einen offiziellen Reisebüroplatz und einen Schalterplatz. Je nachdem an welchem der Plätze ich sitze, bin ich mehr mit Schalterarbeiten oder aber mit Reisebüroarbeiten beschäftigt.
*Bilder von Login Berufsbildungs AG

Mir sagt die Abwechslung in meinem Beruf sehr zu. Im Verlaufe meines Alltags gerate ich mit verschiedensten Menschen in Kontakt. So habe ich über die Jahre hinweg schon viele Menschenkenntnisse aufbauen können. Dazu schenkt mir die Arbeit immer wieder neue Ideen für private Reisen.

Mir hat es nie eine grosse Rolle gespielt, für welches Unternehmen ich arbeite. Es hat sich ergeben, dass ich zur BLS gekommen und bis jetzt auch geblieben bin. Müsste ich nochmals von vorne beginnen, würde ich dem gleichen Weg sicher nochmals folgen. Allerdings habe ich als Kind einen anderen Traumberuf gehabt. Ich bin überzeugt gewesen, dass ich die Berufung der Säuglingsschwester erlernen würde. Beim Schnuppern hat mir dieser Beruf dann leider doch nicht zugesagt, da ich ernüchternd festgestellt habe, dass auch kranke Babys zur Welt kommen. Wäre ich heute gezwungen einen anderen Beruf zu wählen, dann würde ich wohl im sozialen Bereich arbeiten und Jugendliche auf ihrem schweren Weg begleiten.

Im Grossen und Ganzen erlebe ich nur schöne Momente in meinem Job. Ein spezieller Moment ist mir in Erinnerung geblieben: Einst hat mich eine Kollegin nach langer Zeit des Nichtsehens an meinem Arbeitsplatz besucht. Das Wiedersehen war riesig. In unserem Gespräch habe ich sie beiläufig gefragt, ob sie nicht wieder einmal verreisen möchte. Schon etwa eine halbe Stunde später habe ich ihr mit Freude eine vollständige Kubareise verkauft.

Andererseits erlebe ich manchmal schwierigere Verkaufsgespräche. Nicht immer ist es einfach, jedem Kundenwunsch gerecht zu werden. Jedoch freue ich mich natürlich über jede Herausforderung.

Privat bin ich gerne in der Natur unterwegs und wandere, bike und walke so oft wie möglich. Andererseits bleibe ich zum Ausspannen gerne zu Hause und nähe oder stricke. Am liebsten aber verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie und vor allem mit meinen Enkeln.

In meiner Freizeit nutze ich hauptsächlich den öffentlichen Verkehr. Ein Auto besitze ich nur für den Arbeitsweg, damit ich über den Mittag genug Zeit habe, um kurz nach Hause zu fahren.

Das im Beruf gelernte, hilft mir ebenfalls im Privaten weiter. So habe ich viele nützliche Kenntnisse über das Bankwesen erhalten, dass mir bei Finanzfragen schon oft geholfen hat. Dazu habe ich auch viel Allgemeinwissen gesammelt. Dank meines Jobs bleibe ich stets auf dem neusten Stand, was unter anderem Technik und das Bahnfahren betrifft.

Eine kompetente Beratung bedeutet in meinem Alltag alles. Ich bin immer bedacht auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen und Vertrauen zu schaffen. Ein gutes und aufrichtiges Verhältnis zum Kunden ist nämlich das A und O.

Weitere Informationen:

Meine Fragen an dich:
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– Was ist deine Meinung zum Beruf der Mitarbeiterin Verkauf im öV / des Mitarbeiters Verkauf im öV?

6 Gedanken zu „Mitarbeiterin Verkauf öV“

  1. Sehr spannend, mal über den Tellerrand auf einen ganz anderen Beruf zu schauen, als das womit ich sonst üblicherweise zu tu habe 🙂

    Brigitte scheint ihren Beruf wirklich mit Leidenschaft zu füllen!

  2. Ein sehr spannender Beitrag! Ich finde es immer super interessant, hinter die Kulissen von anderen Firmen zu blicken. Vor allem den Arbeitsalltag von anderen Berufen etc. kennenzulernen ist immer sehr spannend. Verkaufsmitarbeiterin wäre für mich jedenfalls nichts.

    1. Liebe Alice, danke für deinen Kommentar 🙂 Wie du finde ich diese Einblicke auch sehr spannend. Überall läuft es etwas anders ab und die Alltage könnten unterschiedlicher nicht sein.

  3. Hi, echt interessant mal einen Blick hinter die Kulisse zu erhaschen. Den ganzen Wünschen gerecht zu werden stell ich mir auch verdammt schwer vor. Man merkt das die Person Spaß am Job hat.

    1. Liebe Steffi, danke für deinen Kommentar 🙂 Ich habe selber kurze Zeit in diesem Beruf gearbeitet. Es ist wirklich nicht immer einfach allen Wünschen gerecht zu werden. Es ist auf jeden Fall leichter, wenn man Spass an diesem Job hat.

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