Carchauffeur

Stephan, 53 Jahre alt aus Thun, beschert seinen Kunden unvergessliche Abenteuer als leidenschaftlicher Carchauffeur / Reiseleiter.

Der Beruf des Carchauffeurs / Reiseleiters lässt sich als äusserst abwechslungsreich, kundenorientiert und fordernd beschreiben. Meiner Meinung nach ansprechende Eigenschaften, weshalb ich hundertprozentig bestätigen kann, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Ein Weg der mir heute noch zusagt und den ich auch in meinem nächsten und übernächsten Leben erneut gehen würde.

Bereits mein Vater hat Europa als Carchauffeur / Reiseleiter erkundet, weswegen ich immer schon ein grosses Interesse an meinem jetzigen Beruf gepflegt habe.

Jedoch habe ich zunächst eine Ausbildung zum Maler abgeschlossen und darauffolgend als Spitzen-Radsportler mein Geld verdient. Mein berufliches Ziel habe ich natürlich stets im Hinterkopf behalten und infolgedessen parallel zu meiner Spitzensportkarriere die Taxi- und Lastwagenprüfung absolviert. Damals ist ein zweijähriger Exkurs in der Berufung des Lastwagenchauffeurs gesetzlich vorgeschrieben gewesen, weshalb auch ich als solcher Erfahrungen gesammelt habe, um schlussendlich die lang ersehnte Carprüfung und die dazugehörige Ausbildung abzuschliessen. Heute darf ich mich stolz zu einem geringen Personenkreis zählen, der meine Traumberufung mit eidgenössisch diplomiertem Abschluss ausführt. Der Umweg über die Lastwagenprüfung und das zweijährige Lastwagenfahren muss in der heutigen Zeit nicht mehr durchlaufen werden und die besagte Ausbildung kann durch die Teilnahme an diversen Kursen bestanden werden.

Unterdessen habe ich mich mit einem Familienunternehmen selbständig gemacht. Jeder Anfang ist schwer, weshalb das Unternehmen trotz vielen Aufträgen, aber hohen Investitionen in Fahrzeuge, zu Beginn nur wenige Einnahmen zählen konnte. Ansonsten haben wir glücklicherweise keine anfänglichen Schwierigkeiten bestreiten müssen.
Auf meinen Fahrten habe ich schon die ganze Schweiz und auch Europa bewundern können, wofür ich mir die Sprachen Englisch, Französisch und Italienisch angeeignet habe. Doch bis ein Bus voller vorfreudiger Kunden Richtung Ferien oder Ausflug starten kann, wird ein enormer und oft unterschätzter administrativer Aufwand betrieben. Unser Unternehmen bietet den Interessenten jährlich einen selbst gestalteten Prospekt, in welchem saisonbedingte und zum Teil von bisherigen Kunden gewünschte Reisen ausgeschrieben werden. Um unseren Fahrgästen einen unvergesslichen Aufenthalt zu gewähren, wähle ich die Unterkünfte nach Vorkenntnissen oder durch einen Blick in einen separaten Anbieter-Katalog aus. Die Angaben der passenden Hotels übergebe ich meiner Frau, welche verschiedenste Offerten einholt, aus welchen sich der Angebotspreis pro Reise berechnen lässt. Sind die Angebote ausgeschrieben, melden sich Jung und Alt für einzelne Reisen an. Doch bevor die Reisebuchung definitiv bestätigt werden kann, überprüft meine Frau alle notwenigen Informationen auf ihre Richtigkeit und holt gegebenenfalls fehlende Angaben ein.
In unserem Familienunternehmen führt meine Frau den unentbehrlichen Bereich der Administration, wofür sie viele Stunden hinter dem Computer sitzt und etliche Telefonate führt.
Einen einheitlichen Tagesablauf kenne ich nicht, denn mein Tag richtet sich nach den geplanten Reisen, den Kundenwünschen und verschiedenen anderen Faktoren. So erlebe ich je nach Fahrt, Kunden und beispielsweise Wetter unterschiedlichste Abenteuer.
Unterwegs unterliegt mir ein breitgefächertes Aufgabengebiet, welches vor allem die Durchführung der Fahrten und die Reiseleitung beinhaltet, wofür ich mir übrigens stets ein Grundwissen zu den jeweiligen Reisezielen aneigne. Neben diesen beiden Tätigkeiten nimmt auch die allgemeine Betreuung meiner Kunden einen hohen Stellenwert ein. Sei dies die Umbuchung eines unzufriedenstellenden Hotelzimmers vor Ort, eine Umdisponierung jeglicher Art oder einfach nur als guter Zuhörer und Ratgeber. Sind die Reisenden wunschlos glücklich, kümmere ich mich um die Pflege des Cars und um einzelne Büroarbeiten.

Ausserdem ist es mir in ruhigeren Zeiten erlaubt, ein paar Stunden zu entspannen, den Strand zu besuchen oder die fremde Stadt zu erkunden. Jedoch liegt die Verantwortung der Reisedurchführung jederzeit bei mir.

Bin ich ausnahmsweise nicht unterwegs, geniesse ich einen freien Tag, an welchem ich mich meinen Hobbys dem Angeln und Rad fahren widme. Auch gehe ich dem Unterhalt all meiner Fahrzeuge nach, betätige einzelne Büroarbeiten und halte mich stets für einen eintreffenden Auftrag bereit.

Hingegen anderen arbeitenden Personen, die beim Thema Ferien feurige Augen bekommen, habe ich noch nie das Gefühl verspürt, mich von etwas erholen zu müssen. Auch den Drang an freien Tagen zu verreisen, kenne ich nicht, da ich dies ja als Teil meines Alltags zählen darf.

Als Carchauffeur / Reiseleiter gilt es unendlich viele Vorschriften zu beachten und darüber hinaus wichtige wetterbedingte Entscheidungen zu treffen. So werden zum einen die Arbeits- und Ruhezeiten strikt überprüft, weshalb ich zum Nachweis alle sogenannten Fahrerkarten, welche die wichtigsten Daten enthalten, aufbewahre. Ansonsten muss ich auch unterwegs duzende Kontrollen durchlaufen, wobei ich gezwungen bin, etliche Papiere vorzuweisen. Andernfalls werden mir hohe Bussen in Rechnung gestellt, welche ich mit meinem bescheidenen Lohn bezahle.
Wetterbedingte Entscheidungen gilt es vor allem bei Nebel und Eisregen zu treffen. Diese Launen der Natur gelten als besonders unberechenbar und können bei Unüberlegtheit und unvorsichtiger Fahrweise schnell in Unfällen mit Verletzen oder gar Toten enden. Somit trägt ein Carchauffeur / Reiseleiter eine riesige Verantwortung, die er sich hoffentlich stets bewusst ist. Verspürt ein Fahrer eine gewisse Unsicherheit oder gar Angst, hat er absolut nichts in diesem Beruf zu suchen.

Trotz dieser Gesetzbindung, den möglichen Gefahren und der grossen Verantwortung bezeichne ich meinen Beruf als meine Leidenschaft, mein Hobby und mein Leben. Mich fasziniert der Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen, welche allerhand interessante Charaktereigenschaften aufweisen. Zu sehen wie wiederkehrende Kunden älter werden und sich auch im hohen Alter stets auf unsere Reisen freuen, motiviert mich. Daneben gefällt mir auch meine Rolle als Chef gegenüber meiner Reisegruppe, was bedeutet, dass ich mich stets zu benehmen weiss. Der Carchauffeur / Reiseleiter steht nämlich ständig im Fokus der Kunden, welchen so gut wie nichts entgeht und welche schon während der Reise entscheiden, ob sie die Dienstleistungen unseres Unternehmens wieder beanspruchen.

Natürlich erlebe ich nebst wunderschönen Momenten auch solche, die als ärgerlich zu bezeichnen sind. Beispielsweise ist mir bei einem Aufenthalt in Verona der Car entwendet worden und dummerweise auch nie wieder aufgetaucht. Doch dank des Verhandlungsgeschicks eines Kunden sind wir zwei Stunden später mit einem anderen Carunternehmen Richtung Heimat gereist, was ich als Glück im Unglück bezeichne. Ein anderes Mal habe ich, aufgrund eines Unfalls zwischen zwei Lastwagen, eine Fähre verpasst, weshalb meine Reisegruppe und ich zu einem Aufenthalt in einem nahegelegenen Hotel gezwungen gewesen sind. Die Weiterreise konnten wir schon am nächsten Tag antreten. Trotz Aufreger in beiden Fällen wäre ein Unfall um einiges schlimmer gewesen.

Obschon mein inneres Feuer für meinen Beruf brennt, kann ich einige Punkte aufzählen, die mich an der gesamten Branche nicht ansprechen. So beispielsweise die Tatsache, dass sich die Nachwuchssuche aufgrund der verlangten Flexibilität und des verhältnismässig tiefen Lohns als grosse Herausforderung gestaltet. Leider lassen sich viele Junge von positiven Aspekten, wie dem Entdecken verschiedenster Länder und Städten, eindrucksvollen Begegnungen sowie Chef und Ansprechpartner sein, nicht mehr überzeugen.

So oder so spielt der Beruf eine grosse und wichtige Rolle im Leben, weshalb ich meinen Mitmenschen stets folgenden Rat weitergebe: Lebt euren Traumberuf und ihr habt grosse Freude am eigenen Leben.

Weitere Informationen:

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf des Carchauffeurs / Reiseleiters?

12 Gedanken zu „Carchauffeur“

  1. Ich finde es toll, dass er schreibt, dass sein Beruf sein Leben und seine Leidenschaft ist. So sollte es sein Wenn man dabei noch Europa entdecken kann ist ds super!

    1. Lieber Felix, danke für deinen Kommentar 🙂 Selber arbeite ich nicht in diesem Beruf, jedoch habe ich schon beim Interview die Begeisterung des Interviewpartners gespürt.

  2. Der Beruf ist sicher toll! Für mich wäre das aber nichts. Dafür bin ich viel zu gerne auch mal zu Hause. Ich finde es aber toll, dass er den Beruf mit so viel Begeisterung und Leidenschaft erfüllt. An sich ist es ja etwas richtig Schönes, denn man zeigt den Menschen die Welt.

    1. Liebe Saskia, danke für deinen Kommentar 🙂 Ich kann deine Argumentation sehr gut nachvollziehen. Als Carchauffeur kommt man zwar viel herum, jedoch kann man das Zuhause eher selten geniessen.

    1. Liebe Doris, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Oh ja, es ist wunderbar, wenn jemand eine solche Leidenschaft für seinen Beruf verspürt. Darüber freue ich mich bei den Interviews immer mega.

  3. Das klingt ja wirklich interessant! Ich finde es immer wieder toll wenn jemand seinen Beruf „lebt“ und mit Begeisterung davon redet – so muss es sein. 🙂

    1. Liebe Lisa, danke für deinen Kommentar 🙂 Das finde ich auch immer mega toll. Wir verbringen enorm viel Zeit mit unserem Beruf und da ist es doch wunderschön, wenn wir Spass daran haben.

    1. Liebe Annette, danke für deinen Beruf 🙂 Das zeigt wieder, wie unterschiedlich wir doch sind. Ein Glück haben wir nicht alle die gleichen Interessen.

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