Fahrlehrerin

Regula, 38 Jahre alt mit Wohnort in Einigen, unterrichtet bei der Fahrschule GA-RO als Fahrlehrerin unter dem Motto «Mein Ziel ist dein Erfolg».

Schon immer habe ich gerne Unterricht gegeben. Unterschiedlichen Menschen neues Wissen weiterzugeben und dabei stets auf die individuellen Bedürfnisse bedacht zu sein, zähle ich zu meinen liebsten Herausforderungen.

Als Fahrlehrerin gebe ich mein Wissen tagtäglich weiter. Am liebsten unterrichte ich im praktischen Fahren, da diese Unterrichtsform eine grosse Abwechslung bietet und die Abdeckung der individuellen Bedürfnisse der Fahrschüler durch Einzellektionen stets gewährleistet ist. So wird den Lernenden in einer Vorschulung die Basis nähergebracht. Dazu gehören das Kennenlernen des Fahrzeuges, der Pedalbedienung, der Gangschaltung, der Fahrbahnbenützung sowie das Verständnis der Blickführung. Aufgebaut wird mit der Grundschulung, in welcher wir uns dem Anfahren in der Steigung / im Gefälle, dem Abbiegen, dem Befahren von Kreisverkehrsplätzen, dem Rechtsvortritt, dem Einspuren und anderen Details widmen. Anschliessend geht es in der Hauptschulung mit dem Parkieren, der Notbremsung, dem Wenden, dem Rückwärtsfahren, dem Einfädeln und der Lückenbenutzung weiter. Zuletzt geht es in der Perfektionsschulung um den Feinschliff, wozu die Prüfungsvorbereitung und die Fahrt auf der Autobahn zählen.

Das Gelernte sowie positive und zu übende Punkte trage ich jeweils in ein sogenanntes Fahrschulheft ein, welches die Lernenden und deren Begleitung beim privaten Üben unterstützen soll. Heutzutage werden je nach Lernfähigkeit des Schülers durchschnittlich zwischen 15 und 30 Fahrstunden bezogen, bevor die entscheidende Führerprüfung absolviert wird.
Aus dem VKU
In meinem Beruf gilt es, den Fahranfängern nicht nur das praktische Fahren beizubringen, sondern auch Wissen im obligatorischen Verkehrskundeunterricht zu möglichen Gefahren, dem Verhalten zu unterschiedlichen Verkehrspartnern, zum Fahrzeug allgemein, zur Fahrfähigkeit sowie zum ECO-Fahren zu vermitteln. Zusätzlich unterstütze ich Schüler, welchen der Lernstoff der theoretischen Prüfung Schwierigkeiten bereitet.

Neben den verschiedenen Unterrichtsformen widme ich mich in meinem Alltag auch unentbehrlichen administrativen Aufgaben, wie beispielsweise dem Ausfüllen von Schülerblättern und der Terminkoordination mit den Fahrschülern.

Natürlich spielt die praktische Führerprüfung ebenfalls eine wichtige Rolle in meinem Beruf, denn darauf arbeite ich mit meinen Schülern hin. Während der Prüfung, welche ungefähr 50 Minuten dauert, sind die Prüfungsabsolventen mit dem Prüfungsexperten unterwegs. Derweilen treffe ich mich mit Kollegen von anderen Fahrschulen zum Austausch bei einem Kaffee oder erledige administrative Tätigkeiten. Selbstverständlich „fiebere“ ich mit jedem meiner Fahrschüler mit, bis das langersehnte Resultat verkündet wird.

Vorgängig habe ich eine kaufmännische Ausbildung im Bankwesen absolviert, wo ich bis im Jahre 2017 noch als Sachbearbeiterin gearbeitet habe. Jedoch hat mir in diesem Beruf der enge Kontakt mit jungen und älteren Menschen gefehlt, weshalb ich die Abwechslung als Snowboardlehrerin während dem Winter auf dem Jaunpass geschätzt habe.

Schon länger habe ich mit dem Gedanken gespielt, eine Ausbildung zur Fahrlehrerin zu absolvieren, da neben dem Snowboardunterricht auch das Autofahren zu meinen Leidenschaften gehört. Allerdings konnte ich meine Zweifel und Unsicherheiten lange Zeit nicht aus dem Weg räumen, da für mich der Aufbau einer eigenen Fahrschule von Anfang an keine Option gewesen ist. Dies hat sich zu meinem Glück plötzlich schlagartig geändert. Wie es der Zufall wollte, habe ich die Tochter meines jetzigen Chefs in einem meiner Snowboardkurse getroffen, welche mir dessen Kontakt vermittelt hat. Nach einer Informationsveranstaltung und einem Treffen mit Hansjürg Gafner habe ich die 15-monatige Ausbildung mit dem eidgenössischen Fahrlehrerdiplom im September 2017 abgeschlossen. Während der Ausbildung habe ich im Ganzen acht Module durchlaufen, weshalb ich jeweils am Freitag und Samstag die Schulbank gedrückt habe. Um das praktische Wissen zu erlangen, habe ich bei der Fahrschule GA-RO ein knapp 6-monatiges Praktikum absolviert. In dieser Zeit bin ich oft mit meinem damaligen Coach Hansjürg Gafner mitgefahren und konnte bereits vom ersten Tag an selbstständig mit Fahrschülern unterwegs sein und Verantwortung übernehmen, was ich sehr geschätzt habe. Ebenfalls konnte ich während der Praktikumszeit auch die ersten Erfahrungen im Erteilen von Verkehrskundeunterricht vor einer ganzen Klasse von 12 Schülern sammeln.

In meinem Beruf treffe ich täglich auf neue Menschen mit unterschiedlichsten Charaktereigenschaften, Lernfähigkeiten und Stufen des Selbstvertrauens. Entgegen vieler Vermutungen steigen aber nicht nur jüngere Personen, sondern auch ältere Menschen zu mir ins handgeschaltete Auto oder in den Automaten. Zudem begleite ich auch Menschen mit Beeinträchtigungen auf ihrem Weg zur Führerprüfung.

Mein Tagesablauf variiert je nach vereinbarten Terminen und Kursen sowie je nach Jahreszeit zwischen morgens um 6.00 Uhr und abends um 21.00 Uhr. Jeder Tag gestaltet sich sehr individuell.

Darf ich mir einen freien Tag gönnen, wie es mehrheitlich am Donnerstag und Sonntag zutrifft, widme ich mich zwischendurch dem Musik machen. Ich spiele leidenschaftlich gerne Trompete. Nebenbei verbringe ich meine Freizeit gerne mit meinen drei Gottenkindern. Im Sommer gehe ich zudem sehr gerne im Thunersee baden und im Winter bin ich beim Snowboarden auf der Piste anzutreffen.

Hobby

An meinem Beruf fasziniert mich ganz klar der intensive Menschenkontakt. Mir gefällt es, meinen Schülern neues Wissen, Bewusstsein für die Sicherheit im Strassenverkehr und hoffentlich auch die Freude am Autofahren weiterzugeben. Jedoch schätze ich nicht nur die Zeit mit meinen Fahrschülern, sondern auch die Zusammenarbeit mit einem grossartigen Team. Ich bin ein absoluter Team-Mensch, weshalb ich gegenseitiges Verständnis und Zuhören sowie ein reger Austausch als sehr wichtig empfinde.

Definitiv würde ich diese Ausbildung nochmals absolvieren. Ich zähle es zum Schönsten, wenn ich meinen Fahrschülern zum Erfolg bei der Führerprüfung verhelfen kann und ihre Fortschritte, Motivation und Freude sehe. Aus diesem Grund unterrichte ich unter dem Motto „Mein Ziel ist dein Erfolg“. Doch auch in meinem positiven Alltag gibt es kleinere Hürden zu überwinden. So beschert es mir ebenfalls eine gewisse Anspannung, wenn Schüler mit mehr als der normalen Nervosität kämpfen oder mit geringem Selbstvertrauen zur praktischen Führerprüfung antreten. Ich versuche jedoch beim Einfahren vor der Prüfung eine möglichst lockere aber natürlich konzentrierte Stimmung zu erlangen. Auch gestaltet sich der Umgang mit den Fahrschülern nach gescheiterten Führerprüfungen nicht immer einfach. Die Fehler bei mir selber oder gar beim Fahrschüler zu suchen, ist jedoch keine Lösung. In solchen Momenten, welche glücklicherweise selten vorkommen, gilt es, das Gesamtbild zu betrachten, zu welchem Nervosität, allenfalls auch einmal spezielle Wetterverhältnisse, die Konzentration oder das „Blackout“ zählen. So oder so übernehme ich in diesen Fällen eine psychologische Rolle. Verständnis, Trost und gutes Zureden sind besonders wichtig.

Trotz diesen wenigen negativen Erlebnissen würde ich wohl kaum zurück auf den Beruf der Sachbearbeiterin wechseln. Viel mehr würde ich einen Weg in die Pflege oder ins Sozialwesen einschlagen, wenn ich den Beruf gezwungenermassen wechseln müsste.

Meiner Meinung nach qualifiziert sich eine gute Fahrlehrerin durch Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft, Geduld, Freundlichkeit, Motivation und Akzeptanz gegenüber allen Menschen. Der Gang zur Fahrschule soll kein Muss sein, sondern ein positives Erlebnis, bei welchem viele nützliche Kenntnisse angeeignet werden können und mehr Selbstvertrauen erlangt werden kann.

Weitere Informationen:

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Fahrlehrerin / des Fahrlehrers?

8 Gedanken zu „Fahrlehrerin“

  1. Das wäre ja mein Horror job 😀 Ich hasse Auto fahren und sitze zweimal im Jahr hinterm Steuer. Aber es stimmt, dass ein Fahrlehrer geduldig und freundlich sein sollte. Hatte da leider nicht so tolle Erfahrungen. Vielleicht mit ein Grund warum mir auto fahren jetzt nicht so liegt.

    1. Liebe Denise, danke für deinen Kommentar 🙂 Ein Fahrlehrer darf keine Angst haben und muss auf die Schüler eingehen können. Sind wir doch froh, gibt es andere die diesen Beruf ausüben

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