Fahrradkurierin

Anja, 43 Jahre alt mit Wohnort in Köniz, pressiert in Bern und Umgebung voller Motivation für den Fahrradkurier.

Ich bin ein Bewegungsmensch. Jemand der nicht allzu lange stillsitzen kann und für die eigene Psychohygiene Sport treibt. Der Beruf der Fahrradkurierin ist also genau die Art von Tätigkeit, die mir entspricht, denn als solche werde ich sowohl physisch, intellektuell als auch emotional gefordert. Das heisst so viel wie: Ich kann und muss Vollgas geben, bin draussen, fokussiert und konzentriert und muss gelassen bleiben. Der Beruf passt einfach zu mir und bringt mir grossen Spass. Die Transporte geben zu 100 % Sinn und sind erst noch ökologisch. Auch gefällt mir der direkte Kontakt mit den Kunden, welche ich zum Teil schon langjährig kenne. Es gibt einfach nichts an dieser Tätigkeit, dass mir nicht gefällt.

Um für den Fahrradkurier Bern pressieren zu dürfen, habe ich keine besondere Ausbildung absolviert. Von Vorteil sind jedoch Ortskenntnisse, was bei mir Bern und Umgebung, auf Anfrage beispielsweise auch Belp, Schönbühl und Münchenbuchsee sind. Ansonsten sollte eine Fahrradkurierin fit, schnell und wetterfest sein, um die Aufträge zur Zufriedenheit von Geschäfts- und Privatkunden zu erfüllen.

Spezielle Trainingseinheiten, um den Anforderungen gewachsen zu sein, benötige ich aufgrund meiner Bewegungsfreude nicht; privat jogge ich und nutze hauptsächlich das Fahrrad, um von A nach B zu kommen.

Als Kurierin transportiere ich neben anderem häufig Briefe, Pakete, Laborproben und auch vergessene Gegenstände, wie beispielsweise Schlüssel. Allem in allem fahre ich an manchen Tagen sicherlich 80 Kilometer und bin mit meinem Pensum von 40 % etwa 20 bis 25 Stunden pro Woche draussen. Zuständig bin ich jedoch nicht nur für den Warentransport per Fahrrad und ganz ausnahmsweise bei längeren Strecken mit dem Zug, sondern ebenso für die Zuladung, Entladung und Umladung von Sendungen auf dem Schienennetz. Meine Arbeitstage sind daher sehr abwechslungsreich und intensiv. Bin ich beim Kurier eingeteilt, radle ich meistens circa um 06:50 Uhr los und arbeite bis 17:45 Uhr. Dazwischen geniesse ich je nach Arbeitsmenge eine halbe Stunde oder eine Dreiviertelstunde Mittagspause. Der Fahrradkurier Bern bietet auch am Wochenende Kurierdienste an, jedoch zeitlich etwas eingeschränkter.

Während den Transporten gilt es für mich einige Vorgaben zu beachten. So kann der Kunde bei der Bestellung der Dienstleistung zwischen «schnell» (Transport innerhalb von 30 Minuten) und «normal» (Transport innerhalb von 60 Minuten) auswählen. Diese Zeiten müssen selbstverständlich eingehalten werden. Im Weiteren gelten auch für Fahrradkurierinnen die Verkehrsregeln. So werden auch an mich Bussen verteilt, sofern ich mich im Strassenverkehr nicht korrekt verhalte. Ansonsten trage ich bei meinen Einsätzen die vorgegebene Kleidung, einen Helm und einen Rucksack mit Quittungen, Unfallprotokollen und weiteren wichtigen Papieren.

Zu den schätzenswertesten Momenten in diesem Beruf zähle ich typische Kurieraktionen, wie beispielsweise eine fliegende Übergabe bei welcher wir einander die Post zuwerfen, diese unter unsere Fahrradleibchen klemmen und direkt wieder davonrasen. Die Arbeit in einem guten und vor allem motivierten Team ist unbezahlbar.

Neben meiner Tätigkeit als Fahrradkurierin arbeite ich als Ärztin. Ich bin schon immer gerne zur Schule gegangen und habe nicht im Traum daran gedacht, eine Berufslehre anzugehen. Die beiden ersten Jahre (Propaedeutikum, ohne Patientenkontakt, abgesehen mit den Leichen im Sezierkurs der Anatomie), habe ich an der Universität Freiburg studiert, das Staatsexamen habe ich nach 6 Studienjahren an der Universität Bern bestanden.

Das Studium ist sehr anspruchsvoll gewesen. Ausser lernen, schlafen, Sport und ab und zu einen Ferienjob habe ich in der Studienzeit nicht viel anderes gemacht.

Nach Abschluss des Studiums habe ich in einem kleinen Spital mit engem Kontakt zum Vorgesetzten und den Patienten gearbeitet. Tätig bin ich dort ungefähr ein Jahr in der Inneren Medizin und ein weiteres in der Chirurgie gewesen. Nach dem Wechsel in ein grösseres Spital, dem Abschluss der Facharztausbildung und weiteren Karriereschritten habe ich das Pensum im medizinischen Bereich reduziert und nebenbei den Beruf der Fahrradkurierin angetreten. Seit diesem Zeitpunkt bin ich infiziert. Das Ärztinnendasein ist wahnsinnig anspruchsvoll und verlangt die Gabe, Gehörtes und Gesehenes filtern beziehungsweise sich abgrenzen zu können. Was wiederum die Gefahr beinhaltet, gefühlsmässig abzustumpfen. Gleichzeitig ist die Essenz der zwischenmenschlichen Interaktion unheimlich bereichernd und unabdingbar, um gut zu sein im Job. Mich ärgert der Anspruch auf medizinische Rundumversorgung mit dem gleichzeitigen Ruf nach Sparmassnahmen. Es ist nicht möglich, im Gesundheitswesen zu sparen; die Ansprüche sind zu gross und umfassend und eine effiziente und transparente Qualitätskontrolle wird von den Profiteuren verhindert. Nach einigen Wechseln in den beiden Berufen pressiere ich nun 40 % für den Fahrradkurier Bern, arbeite in einem 40 % Pensum als Ärztin und unterrichte ab und zu an der Berner Fachhochschule im Masterstudiengang Pflege zu einzelnen medizinischen Themen.

In Kombination sehe ich meine Berufe als sehr erfüllend, also als effektive Berufung, weshalb ich für mich ausschliesse, mich schon mit jungen 64 Jahren pensionieren zu lassen. Ich bin der Ansicht, dass die Arbeit uns das Gefühl der Wirkung auf andere, uns selbst und die Gesellschaft im Ganzen geben kann. Die Interaktion ermöglichen es uns, uns selbst Wert zu geben und sich als Teil des Ganzen zu fühlen. Daher ist die Wichtigkeit, den eigenen beruflichen Träumen nachzugehen, nicht zu unterschätzen. Hätte ich nicht die Chance meine zwei Berufe zu verbinden, würde ich darum kämpfen, es tun zu können.

Zu meinen Hobbys zähle ich Joggen, Spaziergänge, das Lesen von Zeitungen aus aller Welt und das Hören von Podcasts. Politisch möchte ich aktiver werden. Das richtige Gefäss habe ich noch nicht gefunden, aber ich bin auf gutem Weg dahin.

Viel Lebenszeit geht durch Gedanken nach hinten und nach vorne verloren. Dabei haben wir die Vergangenheit schon gelebt, sie kann also nicht mehr verändert werden und die Zukunft wird so oder so eintreffen. Aus diesem Grund lebe ich sehr gerne im Moment oder anders gesagt im Hier und Jetzt.

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Fahrradkurierin / des Fahrradkuriers?

12 Gedanken zu „Fahrradkurierin“

  1. Woooow – das ist ja klasse! Ich hab mich immer schon gefragt, was Velokuriere bei ihrer Arbeit fühlen, wie es ja wirklich total anstrengend ist… Danke für den super Einblick!

    1. Liebe Jess, danke für deinen Kommentar 🙂 Da habe ich auch gestaunt, beim Interview. Ich stelle mir diese Kombination sehr stressig vor. Freue mich jedoch sehr, dass Anja ihre zwei Berufungen gefunden hat.

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