Gleisbauer

Frédéric, 22 Jahre alt, arbeitet als Gleisbauer bei Wind und Wetter draussen auf verschiedenen Schweizer Bahnstrecken.

Als Gleisbauer verrichte ich täglich körperliche Arbeit und bin sowohl bei guten als auch bei schlechten Witterungsverhältnissen draussen in einem riesigen Zuständigkeitsbereich unterwegs, wo es abwechslungsreiche Arbeiten zu erledigen gilt. Meine Arbeitstage gestalten sich normalerweise nach einem vordefinierten Programm und starten stets mit einer Auftragsbesprechung im Team, in welcher die jeweiligen Ziele, die Rollenverteilungen sowie weitere wichtige Themen besprochen werden.

Mein Tätigkeitbereich beinhaltet einerseits verschiedene Unterhaltsarbeiten, wie die Behebung von Schäden an Gleisen und das Ersetzen von abgenütztem Material. Andererseits bildet auch die Verlegung von neuen Streckenabschnitten einen zentralen Bereich meines Arbeitsgebietes, wofür ich Verantwortung in Aushubarbeiten, dem Ausgleich von Unebenheiten im Boden, der Entwässerung des Untergrunds, der Sicherung von Böschungen sowie nachfolgend in der Aufschüttung von Schotter, der Verlegung von Schwellen und der Montage von Gleisen und Weichen übernehme. Ausserdem kümmere ich mich um die Pflege der Gleisumgebung, wozu Gärtner- und Reinigungsarbeiten gehören.

Zur Ausführung der abwechslungsreichen Tätigkeiten bin ich mit einer Palette voller kleiner und grösserer Werkzeugen ausgerüstet, welche unter anderem eine Flex, Schneidbrenner, Bohrmaschinen und Stopfhämmer beinhaltet. Auch grössere Maschinen und Schienenfahrzeuge werden eingesetzt, welche ich dank einer sechsmonatigen Ausbildung zum Lokführer für dienstliche Schienenfahrzeuge (B80) zum Teil selber fahren darf. Auf den Baustellen arbeite ich stets in einem Team aus mehreren Gleisbauern und komme gelegentlich sogar mit anderen Berufsfeldern, wie dem Sicherheitsdienst, Strassenbau und Fahrdienst in Kontakt. Jedoch bin ich während meiner Arbeit persönlich verantwortlich für meine Sicherheit, in dem ich Sicherheitsvorschriften beachte und allzeit die persönliche Schutzausrüstung, bestehend aus oranger Kleidung, Stahlkappenschuhen, Helm, Handschuhen und je nach Arbeit auch Gehörschutz und Schutzbrillen, trage.

Im Gegensatz zum harten beruflichen Alltag gestalte ich meine Freizeit eher gemütlich. Zu meinen Hobbys zähle ich Gamen und Serien schauen. Ab und an setze ich mich auch hinter den Modellbau von Flugzeugen.

Wer sich für den Beruf des Gleisbauers entscheidet, sollte flexibel sein. Bei gröberen Aufträgen wird nämlich auch nachts oder am Wochenende gearbeitet. Im Weiteren gilt es die körperliche Arbeit auszuhalten und psychisch fit zu sein, denn prägende Ereignisse können jederzeit ohne Vorwarnung eintreten. So habe ich während meiner Tätigkeit auf dem Gleisfeld schon einen Personenunfall miterlebt. Damals ist ein Betrunkener in der Nähe von unserer Nachtbaustelle auf die Gleise geraten und vom Zug erfasst worden. Ansonsten gilt es zwischendurch auch stressige Situationen und Unstimmigkeiten im Team zu regeln. Etwa wenn nichts mehr funktionieren will, schlecht miteinander gesprochen wird oder Antipathie auftritt. In diesen Momenten ist sowohl Ruhe als auch Geduld der Schlüssel zum Erfolg. Doch selbstverständlich sehe ich auch viele positive Punkte an meinem aktuellen Beruf. Meine Motivation ziehe ich aus der puren Abwechslung, den interessanten Arbeiten mit den verschiedensten Werkzeugen und aus der Freude nach einer gemeisterten Aufgabe.
*Bilder von Login Berufsbildungs AG
Meine ganze Familie ist bei der Bahn tätig, wodurch ich meinen aktuellen Beruf vor einigen Jahren kennengelernt habe. Doch zuvor habe ich eine zweijährige Ausbildung zum Kunststoffverarbeiter absolviert. Ein solcher fertigt verschiedene Produkte aus Kunststoffen an, darunter beispielsweise Rohre, Spielsachen, Haushaltsgeräte und Möbel.
Die dreijährige Lehre zum Gleisbauer habe ich direkt im Anschluss angetreten. Im ersten halben Jahr habe ich eine Basisausbildung in einer Gruppe aus Lernenden genossen und die erforderlichen Kurse „Selbstschutz: Begehung und Arbeiten im Gleis“ besucht, welche alle drei Jahre eine Auffrischung verlangen.

Anschliessend habe ich vertiefte praktische Kenntnisse in einem Team aus ausgelernten Gleisbauern erlangt. Die dazugehörende Theorie habe ich in regelmässigen Schulblöcken von ein bis drei Wochen erlangt.

Müsste ich mich zurück in die Berufswahl versetzen, würde ich den Beruf des Gleisbauers wahrscheinlich nicht wieder antreten. Vielmehr würde ich einen Beruf in Erwägung ziehen, welcher keine körperliche Arbeit verlangt. Mein berufliches Ziel, Lokführer von Personenzügen zu werden, könnte ich auch auf diesem Weg ansteuern.

Weitere Informationen:

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf des Gleisbauers / der Gleisbauerin?

18 Gedanken zu „Gleisbauer“

    1. Liebe Sarah, danke für deinen Kommentar 🙂 Es ist wohl auch eher ein „Männerberuf“. Mir sind jedenfalls nur sehr wenige Frauen begegnet, die als Gleisbauerin arbeiten.

    1. Liebe Britta, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Toll, dass ich dir diesen Beruf näher vorstellen konnte. Ich hoffe natürlich, dass ich noch viele tolle Berufseinblicke ermöglichen kann.

  1. Für mich wäre das kein Beruf, aber wer gern draußen ist und körperlich anstrengende Arbeit nicht scheut, der hat daran sicher Freude! Ich muss mal schauen, ob du auch meinen Beruf schon vertreten hast 🙂

    1. Liebe Jana, danke für deinen Kommentar 🙂 Mir geht es gleich wie dir. Mir wäre der Beruf zu anstrengend. Ich bin also froh, gibt es andere, die an dieser Tätigkeit Spass haben.
      Was arbeitest du den?

  2. Da hast du wieder einmal einen seltenen Beruf für uns gefunden! Ich war mir dessen gar nicht bewusst, wie viel Arbeit eigentlich dahinter steckt und dass es Personen gibt, die regelmäßig nach den schienen schauen und diese richten. Das sind so selbstverständliche Arbeiten, die man einfach nicht bemerkt.

    1. Liebe Wioleta, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Der Beruf ist sehr wichtig für den Schienenverkehr, da hast du natürlich recht. Ein spannender Beruf, der nicht unterschätzt werden sollte.

    1. Liebe Anja, danke für deinen Kommentar 🙂 Es gibt so viele Berufe, da geht schnell mal einer vergessen. Ich bin froh, gibt es Gleisbauer. Auch sie tragen zur Sicherheit im Bahnverkehr bei.

    1. Liebe Michèle, danke für deinen Kommentar 🙂 Oh ja, für mich wäre dieser harte Beruf gar nichts. Ich bin aber froh, gibt es starke Personen, die sich für den Beruf „Gleisbauer“ entscheiden.

  3. Danke für die tolle Berufsvorstellung. Mein Mann hat eine Modelleisenbahn zu Hause und ich musste ein wenig schmunzeln, als ich daran gedacht habe, wie er die Gleise geschottert hat.

    1. Liebe Natascha, danke für deinen Kommentar 🙂 Haha, das sind aber dann doch andere Dimensionen. Ärgerlich ist das natürlich trotzdem. Deinem Mann weiterhin viel Spass mit der Modelleisenbahn.

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