Logistikassistentin Lager

Nadine, 32 Jahre alt mit Arbeitsort in Burgdorf, leistet als Logistikassistentin starke körperliche Arbeiten.

Logistik ist es grosses Wort, welches in der heutigen Gesellschaft eine zentrale Bedeutung trägt. Dieser Begriff umfasst nämlich die Beschaffung, Produktion, Lagerung, Distribution (auch Verteilung genannt) und Entsorgung verschiedener Güter. Doch trotz diesem hohen Stellenwert geniesst der Beruf der Logistikassistentin keine grosse Bekanntheit. So bin auch ich eher per Zufall auf diesen beruflichen Weg gelangt.

Aktuell arbeite ich als Angestellte in einem Lager für kleinere sowie grössere Dekorationsartikel rund um den Haushalt. Ich spreche unter anderem von Servietten, Ausstellgegenständen zu verschiedenen Themen und ebenfalls Möbel für die Wohnung wie auch für den Garten. Aufgebaut ist das Lager alphabetisch mit zusätzlichen Zahlen.

Direkten Kundenkontakt habe ich offiziell keinen. Ab und zu treffe ich auf Chauffeure und Lieferanten, welchen ich Waren abnehme oder übergebe. Doch vielmehr kümmern sich die Büroangestellten um die Entgegennahme der Kundenbedürfnisse. Unsere Artikel verkaufen wir hauptsächlich an Geschäftskunden, welche die Waren für den Weiterverkauf verwenden. Selten gehen auch Bestellungen von Privatkunden ein, für welche sich der Einkauf bei uns wegen eines Zuschlages auf Kleinmengen aber eher weniger lohnt.

Ich arbeite jeweils von Montag bis Freitag und führe keinen einheitlichen Tagesablauf, da mein Aufgabengebiet je nach angefallenen Arbeiten stark variiert. So übernehme ich diverse Arbeiten vom Wareneingang bis zum Warenausgang. Momentan setze ich mich jeweils schon um circa 06:00 Uhr in der Früh hinter die Auftragsabwicklung. Ich bin für die Bereitstellung der Waren für ein bestimmtes Geschäft zuständig. Ich versehe also die bestellten Artikel mit Preisen, verpacke diese anschliessend und gebe die Pakete nach einer intensiven Kontrolle zum Versand auf. Obwohl Überzeiten nicht selten an der Tagesordnung sind, vergehen die Arbeitstage wie im Fluge. Ein Tag ist für mich dann erfolgreich gewesen, wenn er unfallfrei und ohne Warenbeschädigungen abgelaufen ist.

Am ausgewählten Beruf gefällt mir in erster Linie die Abwechslung und Vielfältigkeit: Die Arbeiten und Vorgaben unterscheiden sich nicht nur von Betrieb zu Betrieb, sondern eben auch in den verschiedenen Lagerbereichen einer Firma. Speziell sagen mir an meinem Anstellungsbetrieb die unerwarteten und spontanen Aufträge sowie die Arbeit in einem solch tollen Team, bestehend aus circa 20 bis 25 Lagermitarbeitern exklusive Aushilfen, sehr zu.
Andererseits gestaltet sich die Arbeit im Team auch nicht immer einfach, denn je mehr Personen in einem Lager arbeiten, desto chaotischer kann es werden. So dauert die Suche nach den bestellten Waren bei der fehlerhaften Ablage durch Arbeitskollegen jeweils ein bisschen an.

Neben meiner Tätigkeit als Logistikassistentin führe ich zusammen mit meinem Mann die Yu-Gi-Oh Liga Bern, in welcher wir sowohl jungen als auch älteren Spieler des berühmten Sammelkartenspiels aus Japan einen Treffpunkt bieten. Auch hat es mir der Berner Fussballclub Young Boys (YB) angetan. Ansonsten verbringe ich in meiner Freizeit viel Zeit mit meiner Familie, begebe mich gerne auf Spaziergänge, höre Musik, widme mich einem spannenden Buch oder powere mich beim Aquafit aus.

Die Ausbildung zur Logistikassistentin hat drei Jahre gedauert. Während dieser Zeit habe ich ungefähr einen Tag in der Woche an der Berufsschule verbracht, wo ich unter anderem die Fächer Qualitätsmanagement, Supply Chain Management und Volkswirtschaftslehre besucht habe. An den restlichen vier Wochentagen habe ich dann praktisch im Betrieb gearbeitet. Die Ausbildung kann in drei unterschiedlichen Fachrichtungen abgeschlossen werden. Zu Auswahl stehen die Richtungen Lager, Distribution oder auch Verteilung genannt sowie Verkehr. Aufgrund meiner guten Noten habe ich das Privileg gehabt, neben der Fachrichtung Lager zusätzlich einen Abschluss in der Distribution zu erlangen.

Nach erfolgreicher Beendigung der Ausbildung habe ich nicht sofort auf dem erlernten Beruf gearbeitet, sondern als Übergangslösung dank Vitamin B (meinem Vater) eine kaufmännische Stelle erhalten. Nachfolgend habe ich dann mittels verschiedenen Logistikstellen sowohl im Lager als auch in der Distribution als Postbotin Erfahrungen gesammelt.

Mein gewählter Beruf wird wegen der harten körperlichen Arbeit sowie dem rauen und oftmals stressigen Umgang mehrheitlich von Männern ausgeführt. Um körperliche Schäden zu vermeiden, ist eine Logistikassistentin auf Hilfsmittel wie Lagerwagen in verschiedenen Grössen, Warenkörben, Stapler sowie Leitern angewiesen. Wichtig ist ausserdem die Entlastung des Rückens beim Anheben von schweren Gegenständen. Egal ob männlich oder weiblich, wer sich für diesen Beruf entscheidet, sollte bestenfalls körperlich fit wie auch psychisch belastbar sein, einen kühlen Kopf bewahren können, flexibel sein, exakt arbeiten können und die Fähigkeit zum logischen Denken besitzen.

Positiv am Job ist sicherlich die automatische Entwicklung eines Bewusstseins für die korrekte Verpackung von Paketen und beispielsweise Zügelkisten. Zudem fördert der Beruf der Logistikassistentin das Bewusstsein für die umweltgerechte Entsorgung (Recycling) von Abfall.

Wäre ich gezwungen, eine andere berufliche Richtung einzuschlagen, würde ich eventuell ins Sozialwesen einsteigen. Nicht um die Welt zu retten (was als Einzelperson sicherlich nicht möglich ist), doch um die Welt ein wenig zu verbessern. Jedoch besitze ich die genannten Eigenschaften, was einer der Gründe dafür ist, weshalb ich bei einem nötigen Wiederbeginn den gleichen Beruf nochmals erlernen würde. Wenn möglich sogar in der gleichen Firma, wo ich ein grosses Repertoire an Wissen aufbauen konnte.

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Logistikassistentin / des Logistikassistenten?

20 Gedanken zu „Logistikassistentin Lager“

  1. Das klingt nach einem interessanten Job mit vielen Herausforderungen.
    Ich finde es toll über so einen Job mal von der Frauenseite aus vorgestellt zu bekommen, denn auch Frauen können typische Männer Jobs meistern, man muss es nur wollen.

    1. Liebe Sabrina, danke für deinen Kommentar 🙂 Ich bin genau deiner Meinung. Wer will, der kann! Egal, ob es nun ein Beruf mit wenig körperlicher Arbeit oder eben einer mit vielen anstrengenden Tätigkeiten ist. Die Sicht einer Frau zu erfahren, hat auch mich sehr beeindruckt.

  2. Spannend 🙂 Das hört sich wirklich nach körperlicher, schwerer Arbeit an. Für mich wäre das nichts. Finde es bemerkenswert, wenn sich Frauen in solche Männerberufe trauen 🙂

    1. Liebe Sarah, danke für deinen Kommentar 🙂 Eigentlich ist es doch schade, dass es solche Begriffe wie „Männerberuf“ gibt. Findest du nicht? Ich verstehe aber, dass Frauen solche körperlichen Berufe eher seltener ausüben. Darum Hut ab vor Nadine und allen anderen Frauen in ähnlichen Berufen.

  3. Spannend, das Berufsbild mal aus der Sicht einer Frau zu lesen. Natürlich, die Tätigkeiten sind dieselben, aber ich denke, eine Frau drückt das alles doch noch anders aus.
    Bei uns in der Firma geht es auch viel um Logistik und unser Tochterunternehmen, dass dafür zuständig ist, sitzt mit auf unserem Gelände. Ich kriege – trotz Bürojobs – auch einiges mit, das da läuft. Hut ab, solch einen Job als Frau in einer Männerdomäne so zu stemmen!

    1. Liebe Tabea, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Es ist sicher spannend, was du da alles mitbekommst. Ich ziehe auch den Hut vor allen Frauen, die in einem „Männerberuf“ arbeiten. Ich finde aber, dass auch Frauen hart anpacken können und finde es daher auch toll, dass sich Nadine für diesen Beruf entschieden hat.

  4. Ein spannendes Berufsbild, das sicherlich einige Jobsuchende ansprechen wird. Ich denke dass man vor allem den körperlichen Herausforderungen gewachsen sein muss. Denn selbst mit Hilfsmittel ist die nicht zu unterschätzen.

    1. Liebe Verena, danke für deinen Kommentar 🙂 Eine Herausforderung ist dieser Beruf sicher. Neben den körperlichen Arbeiten bietet er aber sicher auch viel Abwechslung und Spass.

  5. Interessante Sicht auf den Beruf. Ich stelle mir die Abwechslung im Arbeitsalltag auch spannend vor und Langeweile kommt wohl kaum auf, hingegen der körperlichen Herausforderung muss man einfach gewachsen sein. Toller Einblick Danke.

    1. Liebe Mish, danke für deinen Kommentar 🙂 Abwechslung finde ich auch besonders wichtig. Wir verbringen viel Zeit bei unserer Arbeit, da sollte sie schon spannend sein. Die körperliche Arbeit ist sicher nicht für jede Person etwas. Zum Glück sind wir alle so verschieden, oder nicht?

  6. Tolles Format, auf diese Weise Berufe vorzustellen.
    Für mich wäre das ja gar nichts. Die Arbeitszeiten um 6 Uhr schon da sein. Ufff… und dann auch noch körperlich schwere Arbeit. Ach nee.

  7. Also für mich wäre dieser Job auch nichts. Aber vielleicht kann man so etwas nur machen, solange man noch „in der Blüte seines Lebens“ steht. Ich wäre mittlerweile sicherlich zu alt und zu untrainiert dafür 😉

  8. Ein sehr spannender Beitrag. Für mich wäre der Beruf auch nichts. Ich habe viel lieber mit vielen Menschen zu tun und liebe es kreativ zu sein.

  9. Wieder sehr spannende Einblicke. Ein bisschen etwas wusste ich aus diesem Berufsfeld schon, da eine Bekannte ebenfalls in dieser Sparte gearbeitet hat bzw. in unserem Freundeskreis ebenfalls einer aus der Logistik-Schiene dabei ist. Hört sich auf jedenfalls abwechslungsreich und intensiv an!

    1. Liebe Verena, danke für deinen Kommentar 🙂 Cool, dass du schon etwas aus diesem Berufsfeld wusstes. Ich hoffe ich konnte dir trotzdem noch einige unbekannte Informationen geben.

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