Logistikfachfrau Distribution

Linda, 25 Jahre alt mit Arbeitsort in der Region Thun, kümmert sich als Logistikfachfrau im Bereich Distribution (Postbotin) um die Verteilung verschiedener Sendungen und bildet als Lehrmeisterin ebenso die zukünftige Generation von Logistikern EFZ aus.

Blicke ich auf die vergangenen Arbeitsjahre zurück, stelle ich zufrieden fest, dass meine Berufswahl ein voller Erfolg gewesen ist. Seit bald zehn Jahren arbeite ich nun in der Logistik und bin motiviert wie am ersten Tag. Mir fällt ehrlich kein Aspekt ein, der mir an meinem Tun nicht gefällt.

Die Logistikkette besteht aus den Bereichen Beschaffung, Produktion, Lager, Distribution und Entsorgung. Mein Tätigkeitsgebiet ist die Distribution, auch Zustellung genannt. Als Postbotin bin ich hauptsächlich verantwortlich für die Zustellung von Briefen sowie kleineren Paketen und kümmere mich um die Vor- und Nachbearbeitung von Sendungen. Mein Aufgabengebiet wird ergänzt durch die Betreuung von Lernenden, der Erstellung von Einsatzplänen sowie verschiedenen administrativen Aufgaben und Besprechungen.

Ich arbeite momentan in einem Pensum von 70 % verteilt auf sechs Tage in der Woche. Von Montag bis Samstag startet mein Arbeitstag jeweils um 06:00 Uhr. Bevor ich die anstehende und täglich wechselnde Tour im Gebiet Thun, um und oberhalb des Spitales bis und mit ganz Hünibach, antrete, mache ich mich ans Einfächern der Sendungen. Ich sortiere also die Briefe mit Barcodes, unter anderem eingeschriebene Sendungen, aus, ordne die Post nach Strassen und Hausnummern und mische Werbesendungen dazu. Nach einer 15-minutigen Pause beschreite ich ab circa 08:00 Uhr die drei- bis vierstündige Tour mit meinem Dreiradelektroroller. Auf meinem Gefährt kann man vorne und hinten Postkisten platzieren und allfällige Pakete im Anhänger verstauen. Die sortierte Post ermöglicht es mir die Strassen nach Hausnummern abzufahren und bei den übereinstimmenden Zahlen und Namen die Post einzuwerfen. Ich kenne die Ortschaft Thun wie meine Westentasche, der Orientierungssinn wird auf jeden Fall gestärkt in diesem Beruf.

Selbstverständlich gilt es während der Fahrt verschiedene Regeln einzuhalten: Einerseits muss ich mich natürlich an die Strassenverkehrsregeln halten und andererseits das Postgeheimnis und die Schweigepflicht bewahren.

Nach Rückkehr zum Basisstandort behandle ich die Nach -und Retoursendungen, fächere die B-Post für den nächsten Tag ein, kümmere mich um Büroarbeiten sowie die Lernenden und mache allenfalls eine kurze Mittagspause. Der Dienstschluss steht meist zwischen 14:00 und 15:30 Uhr an. Immer dann, wenn das Tagesgeschäft erledigt ist. Der frühe Feierabend bietet mir viel Zeit für meine junge Familie und Freizeitaktivitäten, wie etwa schwimmen, Theater spielen, Freunde treffen und die Natur geniessen.

Im Kontakt mit den Kunden erlebe ich zahlreiche freudige Momente. Ich spreche von Dankbarkeit, Hilfsbereitschaft, Geschenken und Einladungen auf einen Kaffee. An meiner beruflichen Tätigkeit fasziniert mich neben dem Kundenkontakt, die Vielseitigkeit und die Arbeit im Team. Langeweile im Beruf kenne ich nicht! Meine Ausbildung erleichtert mir zudem auch meinen privaten Alltag. So benötige ich beispielsweise selten ein Navi und plane Tage sowie Ausflüge mit Leichtigkeit.

Die Ausbildung zur Logistikerin EFZ habe ich mit 16 Jahren begonnen. Zuvor habe ich für ein Zwischenjahr in einer Familie mit mehreren Söhnen gelebt und mitgeholfen. Nach einer spannenden Schnupperlehre in der Logistik, auf welche mich mein damaliger Pöstler-Nachbar gebracht hat, habe ich meine Bewerbung abgeschickt.

Während der dreijährigen Lehre durfte ich nach einer Woche schon selbständig Post austeilen, aufgrund mehrerer Einsatzwechsel auch andere Logistikbereiche praktisch kennenlernen und während einem Schultag pro Woche weiteres Wissen entlang der Logistikkette erlangen. Später habe ich als Ergänzung berufsbegleitend eine Weiterbildung zur Logistikfachfrau besucht. Durch das Bestehen der Prüfungen habe ich nicht nur einen höheren Abschluss erlangt, sondern auch den Lehrmeistertitel erhalten.

Heute bin ich als Lehrmeisterin für neun Lernende zuständig. Die Ausbildung hat sich in den vergangenen zehn Jahren minimal verändert. Trotz den Veränderungen würde ich mich auch heute wieder für eine Lehre in der Logistik entscheiden. Die Ausbildung dauert immer noch drei Jahre inklusive eines Schultages pro Woche. Jedoch starten die Lernenden heute zuerst in einem Lehrlingsteam, bevor sie dann nach einem Jahr in ein Team mit ausgelernten Mitarbeitern wechseln. Während den Stages in den anderen Logistikbereichen, welche ab dem zweiten Lehrjahr gemacht werden, steht ihnen vor Ort stets ein Praxisbetreuer zur Seite. Die Hauptverantwortung liegt aber weiterhin bei mir.

Bezüglich der Digitalisierung bin ich überzeugt, dass zwar Veränderungen anstehen, der Einsatz von Postbotinnen jedoch noch lange beibehalten wird. Wer also Interesse an einer Lehre als Logistiker/in EFZ hat und von vielen Vorteilen, wie beispielsweise ein Generalabonnement, Teilzahlung an die Rollerprüfung, sieben Wochen Ferien und hohe Anstellungswahrscheinlichkeit, profitieren möchte, soll sich unbedingt für eine Schnupperlehre anmelden. Wir freuen uns!

Weitere Informationen:
https://lehrstellen.post.ch


Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Logistikfachfrau Distribution / des Logistikfachmannes Distribution?

15 Gedanken zu „Logistikfachfrau Distribution“

  1. Hallo Linda
    Du hast mit deinen Ausführungen das Berufsbild Logistiker/in EFZ sehr gut und ausführlich beschrieben.
    Man spürt auch nach 10 Jahren immer noch die Freude und die Liebe zu deinem Beruf. Vor allem kommt auch zum Ausdruck wie wichtig dir die Ausbildung der Lehrlinge ist. Ich denke dieser Beruf ist sehr gut geeignet auch als Frau ein Teilzeitpensum auszuführen und auch mit Kindern beruflich aktiv zu bleiben.
    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und viel Erfüllung im Beruf.

  2. Als ich den Titel gelesen habe, hatte ich direkt an die Logistikabteilung in der Industrie gedacht und war zunächst eher verwirrt. Mir war nicht klar, dass die Post denselben Begriff für die früheren „Briefträger“ nutzt. Als ich noch bei einem Paketdienst geliefert habe, waren wir ganz normale paketboten 🙂 aber heute ist ja alles anglizisiert, sodass kaum jemand mehr einen Überblick hat.

    1. Liebe Wioleta, danke für deinen Kommentar 🙂 Ob die wechselnden Berufsnamen einen Nutzen haben, sei mal dahingestellt. Ich spreche heute auch nicht von der Logistikfachfrau Distribution, sondern immer noch vom „Pösteler“ (Schweizerdeutsch).

  3. Mir ging es wie Wioleta ich wusste nicht, das die heutigen Postboten heute „Logistigmensch Distribution“ heißen. Wieder was gelernt, wobei mir Postbote viel besser gefallen hat. Ich werde das in meinem Kopf auch weiterhin beibehalten.
    Alles Liebe
    Annette

  4. Neuer Name bei gleichem Arbeitsfeld, wie in vielen Bereichen. Ich frage mich allerdings nach dem Sinn.
    Ich glaube aber, ich werde den alten Begriff weiter nutzen 🙂
    Das Gefährt allerdings finde ich richtig schick.

    1. Liebe Katja, danke für deinen Kommentar 🙂 Ich verstehe deinen Zweifel bezüglich den wechselnden Namen. Ich bin auch nicht überzeugt, dass dies von grossem Nutzen ist. Besser wäre, wenn man sich mal einigt und diese Namen dann längere Zeit beibehält.

  5. Im Zeitalter, wo immer mehr im Internet eingekauft wird ist die Logistikbranche sicherlich eine der zukunfstträchtigsten. Ich glaube, ich habe schon einmal angemerkt, wir toll ich deine Seite finde. Da können Jugendliche eine echte Orientierung finden. Als Teeniemama weiß ich, wie schwer das ist. Dicken Daumen hoch!

    1. Liebe Simone, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Von dieser Seite her habe ich diese Branche noch gar nicht betrachtet. Du hast natürlich völlig recht, wir wollen ja schliesslich, dass unsere Pakete ankommen.

      Danke auch für dein grosses Lob. Es freut mich sehr, dass mein Tun so gut ankommt 🙂

  6. Den Begriff kannte ich so auch noch nicht. Der Einblick in den Berufsalltag finde ich aber wirklich spannend! Ich hätte mir ehrlich gesagt nicht gedacht, dass dieser Beruf so abwechslungsreich ist, klingt aber wirklich nach einer guten Berufswahl 🙂

    1. Liebe Julia, danke für deinen Kommentar 🙂 Es freut mich, dass ich dir einen Beruf von einer anderen Seite zeigen konnte. Auch mir war nicht bewusst, wie abwechslungsreich und spannend diese Tätigkeit ist. Schade habe ich das erst jetzt erfahren …

  7. Das klingt nach einem vielfältigen, interessanten Beruf! Toll, dass solche Berufe vorgestellt und mit der Bezeichnung aufgewertet werden. Vor allem in einer Zeit, in der alle meinen, sie müssten ein Studium machen …
    Liebe Grüße,

    Doris

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