Lokführer

Pascal, 32 Jahre alt und mit Wohnort in der Umgebung Bern, hat sich seinen beruflichen Kindertraum als Lokführer verwirklicht.

Schon in meiner frühen Kindheit hegte ich grosses Interesse am Beruf des Lokführers. Welcher kleine Junge denn nicht? Im Gegensatz zu anderen Kinderträumen ist diese unbeschreibliche Faszination bis heute geblieben, was mich dazu bewegt hat, diesen beruflichen Weg anzusteuern.

Nach der obligatorischen Schule habe ich zuvor als Mittel zum Zweck eine kaufmännische Lehre absolviert und lange auf dem erlernten Beruf sowie im technischen Support gearbeitet. Angehende Lokführer müssen als Anforderungen neben der Bereitschaft zu unregelmässigen Arbeitszeiten, grosser Eigenverantwortung, Sprachkenntnissen in zwei Schweizer Landessprachen nämlich auch eine abgeschlossene 3-jährige Berufslehre oder die Matura vorweisen. Auch sollten sie zuverlässig sein, dem logischen Menschenverstand folgen und stets auf die Pünktlichkeit achten. So habe ich den entscheidenden Schritt in Richtung Traumberuf erst mit 29 Jahren gewagt: Ich habe mich für die sechsmonatige Ausbildung, welche ich nach einem ausgiebigen psychologischen und gesundheitlichen Test antreten durfte, angemeldet. Bevor ich die ersten Fahrversuche unter strenger Aufsicht unternommen habe, wurde meiner Klasse und mir die Theorie nahegelegt. Schlussendlich habe ich die Ausbildung mit dem Bestehen einer theoretischen wie auch praktischen Prüfung abgeschlossen. Um auch heute noch auf dem neusten Stand zu bleiben, besuche ich ein bis zweimal pro Jahr einen Weiterbildungstag, bei welchem neue Vorschriften diskutiert und Wiederholungsthemen besprochen werden. Im Weiteren begebe ich mich im regelmässigen Abstand von ungefähr fünf Jahren zu erneuten gesundheitlichen wie auch psychologischen Tests, um zu überprüfen, ob ich noch alle ärztlichen Anforderungen erfülle. Dazu zählen etwa ein gutes Sehvermögen, ein ausgezeichnetes Gehör, körperliche sowie geistige Fitness.

In meiner Freizeit wähle ich eher selten den Zug als Transportmittel. Für den Arbeitsweg benötige ich aufgrund der frühen und späten Zeiten sowieso ein Auto. Als Abwechslung zum Sitzen betreibe ich hobbymässig viel Sport, wie etwa Unihockey und Tennis. Auch fahre ich sehr gerne Ski oder bade in der Aare. Neben der sportlichen Abwechslung sind mir Treffen mit meinen Kollegen und meiner Freundin sehr wichtig.
© SBB CFF FFS
Als Lokführer arbeite ich an unterschiedlichen Tagen in wechselnden Schichten. Nicht selten kommt es daher vor, dass ich schon in aller Frühe oder bis spät in die Nacht hinein unterwegs bin. Auch werde ich an Sonn- sowie Feiertagen eingesetzt.

Obwohl meine Einsatzzeiten stark variieren, bleiben meine Hauptaufgaben stets dieselben: Die sichere und möglichst pünktliche Lenkung des Zuges auf dem Schienennetz meiner Anstellungsfirma. Im Falle von Störungen oder gar Unfällen sowie bei dringenden Fragen von Fahrgästen kümmere ich mich nebenbei um die Kundeninformation oder gebe persönlich Auskunft. Auch versuche ich allfällige Störungen stets aus eigener Hand zu lösen. Sofern der jeweilige Zug unmittelbar vor meiner Schicht noch nicht im Einsatz gewesen ist, melde ich mich vor der Fahrt auf den zugeteilten Strecken beim Fahrdienstleiter an und mache mich an die Prüfung und Vorbereitung des Fahrzeuges. Am Ende meiner Schicht übergebe ich den Zug an den nächsten Lokführer oder stelle ihn wieder im Depot ab.

Einsam, wie es vielleicht scheint, ist mein gewählter Beruf nicht. Während den Zugfahrten befinde ich mich in laufendem Funkkontakt mit den Fahrdienstleitern (auch Zugverkehrsleiter genannt), welche in den Betriebszentralen den Überblick über die Bahnstrecken und Signale haben. Zudem geniesse ich direkten Kontakt mit den Zugbegleitern, welche die Tickets der Fahrgäste kontrollieren. Mit ihnen tausche ich mich regelmässig über Wichtigkeiten aus. Zu guter Letzt habe ich optischen Kontakt mit den Bauarbeitern, welche auf den Bahnstrecken tätig sind.

Während der Arbeit gilt es für mich allem voran die Sicherheitsvorschriften einzuhalten, Signale zwingend zu beachten und den Worten der Fahrdienstleiter Gehör zu schenken. Immerhin können sich zu Spitzenzeiten zwischen 300 und 500 Personen im Zug befinden. Ablenken lassen darf ich mich also nicht. Ebenfalls wichtig ist selbstverständlich die Einhaltung der Pünktlichkeit und die Gewährung des Fahrkomforts, denn ein Zug kann, wie andere Fahrzeuge auch, ruckartiger und ruhiger gefahren werden. Übrigens ist ein Zug nicht gleich Zug. Diese Fahrzeuge unterscheiden sich, wie zum Beispiel Autos, auch je nach Modell und Baujahr.
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Als Lokführer werde ich auf jedem einzelnen Meter der Strecken durch ein Sicherheitssystem überwacht, welches meine Geschwindigkeit strengstens kontrolliert. Unfälle sind auf unserem Streckennetz daher nur sehr selten ein Thema.
Mir gefällt der Gedanke nicht, dass jemand vor meinen Augen tödlich verunglücken könnte und mir nichts anderes bleib, als die Notbremse zu ziehen und auf einen kurzen Bremsweg zu hoffen. Es ist unmöglich zu erahnen, wie ich in einer solch schrecklichen Situation reagieren würde. Geschieht ein Unfall wird der jeweilige Lokführer nicht sofort wieder zum Arbeiten gezwungen. Ihm werden die nötige Zeit und auch Betreuung zur Verfügung gestellt. Ich bin aber überzeugt, dass ich diese geschenkten Ferien nicht nutzen würde, um die Angst vor meinem Beruf und weiteren Unglücksfällen so minimal wie möglich zu halten.

Obwohl ich noch nie in einen Unfall verwickelt gewesen bin, habe ich leider schon einen ziemlichen Angstmoment erlebt. Damals hat ein Streckenwärter, welcher die Strecken abläuft, um allfällige Fehler zu entdecken, vergessen pünktlich auf die Seite zu stehen. Ich bin froh, dass er mich im letzten Moment noch gehört hat und die Geschichte gut ausgegangen ist.

Mehrheitlich erlebe ich aber schöne Momente in meinem Berufsalltag. Während den Fahrten wird mir immer wieder bewusst, dass ich es tatsächlich geschafft habe, meinen beruflichen Wunsch zu verwirklichen. Ich geniesse meinen Job wirklich bei jeder Tageszeit und jedem Wetter. Die verschiedenen Stimmungen, die ich am Himmel schon bewundern durfte, motivieren mich in meinem Tun und die vielen Erfahrungen, die ich mit diversen Menschen schon erleben konnte, helfen mir auch im privaten Umgang.

So kann ich, obwohl ich eigentlich nicht gerne früh aufstehe, mit Gewissheit sagen, dass ich den gewählten Berufsweg auch bei einem Neuanfang definitiv wieder einschlagen würde. Angst, dass aufgrund selbstfahrenden Zügen zukünftig keine Lokführer mehr eingesetzt werden, habe ich nicht. Ich bin überzeugt, dass es für diese Entwicklung einige Rahmenbedingungen einzuhalten gibt und daher lokführerfreie Strecken aus Sicherheitsgründen unterirdisch gebaut werden müssten. Andernfalls würde ich wahrscheinlich wieder als Kaufmann fussfassen oder gar eine neue noch unbekannte Richtung einschlagen.

Im Beruf des Lokführers sind aktuell noch mehrheitlich Männer tätig. So hat zu unserer Ausbildungsklasse, bestehend aus sechs Personen, nur eine Frau gezählt. Die Unterzahl der Frauen rührt wohl von früher her, als dieser Beruf noch einen handwerklichen Hintergrund gehabt hat. Heute lernt ein Lokführer eher mit dem Kopf sowie Verstand und betätigt die richtigen Hebel. Im Vergleich zur Vergangenheit wird der Frauenbestand nun deutlich gefördert.

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf des Lokführers / der Lokführerin?

6 Gedanken zu „Lokführer“

  1. Ein sehr schöner Einblick in diesen Beruf, hier und da war ich schon erstaunt, was sie alles leisten müssten. Die Vorstellung – wie erwähnt – wie man trotz allem die Natur betrachten kann, stelle ich mir sehr schön vor. Aber auch die Schattenseite finde ich schlimm, erst neulich ist hier in unserer Gegend wieder ein solcher Unfall gewesen.

    1. Liebe Eileen, danke für deinen Kommentar 🙂 Dieser Beruf hat ganz klar schöne und weniger schöne Seiten. Da kann ich Pascal nur wünschen, dass er nie in einen Unfall verwickelt wird und den Beruf weiterhin mit grosser Leidenschaft ausführen kann.

  2. Mal wieder super interessant! Jeder kennt den Beruf, aber was da wirklich geleistet wird, weiß kaum jemand.
    Und ich finde es immer wieder spannend und toll zu lesen, wie die Menschen in ihren Berufen glücklich sind. Das gefällt mir sehr, hier meckert niemand, weil er Schicht geht oder ähnliches.
    Toller Beitrag!

  3. Das klingt wirklich nach einem sehr anstrengenden Beruf. Von Lokführern habe ich schon öfters gehört, dass sie Personenunfälle miterleben müssen. Das sind Anblicke, die man nie vergisst…

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