Servicekraft

Jeff*, 22 Jahre alt mit Arbeitsort im Kanton Bern ist auf der Suche nach seinem Traumberuf, denn in seiner jetzigen Funktion als Servicekraft in einem Schnellrestaurant sieht er keine langfristige Zukunft.

Zugegeben, Servicekraft bei einem Schnellrestaurant klingt nicht unbedingt nach einem Traumberuf. Als solchen sehe ich meinen Job, welchen ich in einem Pensum von ungefähr 70 % als Angestellter im Stundenlohn ausführe, auch nicht an.

Vielmehr ist diese berufliche Beschäftigung ein Mittel zum Zweck, um auf der Suche nach meinem Wunschberuf Geld zu verdienen.

Der Markt ist voll von Fastfood-Anbietern, auch Schnellrestaurants genannt. Unter dem Begriff «Fastfood» werden Speisen verstanden, welche in Massenproduktionen schnell hergestellt und durch eine schnelle Bedienung an den Kunden weitergegeben werden. Die Speisen werden also oft bereits im Voraus zubereitet und nur noch warmgehalten oder aufgewärmt. Zudem eignen sich diese Esswaren für einen schnellen Verzehr. Im Allgemeinen ist übrigens nicht nur die Rede von Hamburgern, sondern beispielsweise auch von Sandwiches, Salaten und Joghurts mit Früchten.

In meinem Beruf arbeite ich je nach Einteilung durch den Vorgesetzten an verschiedenen Tagen und entweder in der Frühschicht, welche zwischen 08:00 Uhr und 09:00 Uhr startet oder der Spätschicht, welche ab 16:00 Uhr bis Ladenschluss dauert. Trotz zwei verschiedenen Schichten bleiben meine Aufgaben die gleichen: Ich fülle zu Beginn meines Einsatzes Esswaren auf und hole Verpackungsmaterial für den Verkauf aus dem Lager. Anschliessend nehme ich Bestellungen von den Kunden entgegen, stelle die gewünschten Menüs zusammen, kassiere den angefallenen Betrag ein und erledige ab und zu diverse Putzarbeiten.

Hinter der Kasse treffe ich jeweils auf verschiedene junge und alte Menschen. Der Umgang mit den Käufern ist nicht immer einfach. Bei Extrawünschen und unfreundlichen Personen muss ich mich schon mal zur Ruhe ermahnen. Somit sehe ich den grossen Ansturm an Kunden bei Anlässen in der Stadt oder gar dem Kanton Bern als mühsame Momente. Viel schöner ist die Arbeit an den Abenden unter der Woche. Zum einen, da bei diesen Schichten auch einige private Worte mit den Arbeitskollegen und den Kunden ausgetauscht werden können und zum anderen, weil die Chance grösser ist, dass die Spätschichten am Wochenende andere Kollegen übernehmen. Dies ermöglicht es mir meinen Hobbys dem Bass spielen, allgemeinem Musizieren, Gamen und dem Treffen von Freunden mehr Zeit zu widmen.

Die Einarbeitung in den Alltag hinter der Kasse ist bei mir innerhalb drei Schnupper- / Probezeittagen durch einen speziell dafür angestellten Kollegen erfolgt. Ich habe es als stressig empfunden, die neue Umgebung, die neuen Arbeitskollegen und vor allem die + / – 50 Angebote bestehend aus Hamburgern, Fritten, Salaten, Desserts sowie Getränken mit verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten in dieser kurzen Zeit kennenzulernen. Die Anforderungen an potentielle Bewerbende gestalten sich bei Schnellrestaurants je nach Jobangebot erfahrungsgemäss eher oberflächlich, was es auch Personen ohne spezifische Ausbildung, Studenten und oftmals auch Menschen aus dem Ausland mit wenig Deutschkenntnissen ermöglicht schnell, eine Anstellung zu erhalten. Die schnelle Rekrutierung ist wohl der Hauptgrund, weshalb ich mich als Zwischenlösung auf diese Stelle beworben habe.

Obwohl ich durch die Arbeit hinter der Kasse mein Französisch sowie vor allem meine Fähigkeiten im Kopfrechnen verbessern konnte und ich bei besagten Restaurants zusätzlich Vergünstigungen erhalte, würde ich diesen beruflichen Weg nicht wieder einschlagen. Ebenfalls möchte ich auch nicht mehr in meinem ehemals erlernten Beruf zurückwechseln. Die zweijährige Lehre zum Schreinerpraktiker, welche ich mit eidgenössischem Berufsattest abgeschlossen habe, hat mir gezeigt, dass das Berufsleben auf dem Bau nicht zu mir passt. Als Lehrling habe ich an einem Tag in der Woche die Berufsschule besucht und in der Werkstatt sowie auf Baustellen Holz zugeschnitten, gehobelt, gefräst und geschliffen. Vielmehr ist es mein Traum einen Beruf zu finden, welcher mir Spass bereitet und mehr Einnahmen bringt. Momentan halte ich Ausschau nach einer Lehre im öffentlichen Verkehr. Doch wer weiss, wohin mich mein beruflicher Weg dann wirklich führt?

* Name geändert

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Servicekraft in einem Schnellsrestaurant?

8 Gedanken zu „Servicekraft“

  1. Hallöchen
    Ich denke, dass der Beruf einem sehr viel abverlangt. Man muss wirklich immer freundlich bleiben und es wird immer vorausgesetzt, dass die Kraft an allem schuld ist. Ich finde den Beitrag echt super!

  2. Ich finde es sehr interessant, den Beruf aus der Sicht des Angestellten zu erfahren 🙂
    Generell bin ich kein Fan von Schnellrestaurants und finde auch die Arbeitsbedingungen meist nicht so optimal. Ich wünsche Jeff viel Erfolg und drücke ihm die Daumen 🙂

  3. Wieder spannend mal einen kleinen Einblick in diesen Beruf zu bekommen 🙂
    Finde ich sowieso cool, dass du Berufe vorstellst mit denen man sich sonst so gar nicht befasst.

    Danke für die schöne Vorstellung!

  4. Großartig, wenn man für sich persönlich sagen kann, ich habe meinen Traumjob gefunden.
    Und gerade als Servicekraft hat man es wirklich nicht leicht, aber schön, wenn es jemand mit Leidenschaft macht.

    1. Liebe Katja, danke für deinen Kommentar 🙂 Naja, ich glaube das dieser Beruf kein wirklicher Traumjob ist. Jeff ist deswegen ja auch auf der Suche nach einem anderen Job.

  5. Interessanter Einblick in die Jobwelt eines Schnellrestaurants. Ich finde es ja schon als seltener Gast schwierig, mich mit diesen ganzen Angeboten irgendwie zurechtzufinden… wie wäre das erst, wenn ich nach kurzer Einarbeitungszeit das alles aus dem FF kennen müsste!?

    1. Liebe Salvia, herzlichen Dank für deinen Kommentar Mir würde das auch mega schwer fallen. Ich kann mir kaum merken, wer welchen Kaffee möchte, wenn ich für eine Gruppe bestelle.

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