Podologin

Ramona, 25 Jahre alt aus Steffisburg arbeitet sieben Tage in der Woche mit Herzblut als Podologin und Verkäuferin, um ihrem beruflichen Traum näherzukommen.

Die Pflege unserer Füsse ist enorm wichtig, denn sie sind ein Leben lang das Erste was am Morgen aufsteht und das Letze was am Abend schlafen geht. Podologie, auch Fussheilkunde genannt, umfasst nicht nur die Schönheitspflege der Füsse, sondern vor allem deren medizinische Versorgung. Eine Podologin sollte idealerweise psychologische Fähigkeiten, Leidenschaft, Freundlichkeit und Offenheit besitzen. Offenheit, da Füsse in unserer Gesellschaft oft als Intimzone angesehen werden. Dies mag vielleicht auch einer der Gründe sein, weshalb viele Personen erst bei heftigen Schmerzen in eine Therapie kommen. Unter diesen Bedingungen ist eine schmerzfreie Behandlung jedoch fast unmöglich.

Bevor ich mich der Podologie zugewandt habe, habe ich bereits eine dreijährige Lehre zur Kauffrau absolviert. Ursprünglich hatte ich vorgehabt anschliessend die Berufsmaturität abzuschliessen, jedoch habe ich schon während der Ausbildung bemerkt, dass dieser Berufsweg weniger zu mir passt. Der kaufmännische Alltag hat nicht ganz meinen Vorstellungen entsprochen, da mir die direkten sozialen Kontakte gefehlt haben. Durch eine Kollegin habe ich damals den Beruf der Podologin kennen und auch schätzen gelernt. Direkt im Anschluss an meine erste Berufslehre, habe ich deshalb die Ausbildung zur Podologin abgeschlossen. Denn ich habe gemerkte, dass die Podologie zu meiner Leidenschaft wurde. Während den drei Jahren Ausbildung habe ich den Beruf in einer Podologiepraxis von der praktischen Seite her kennengelernt und konnte mir die technischen Fähigkeiten aneignen: Füsse zu pflegen und dadurch meinen Kunden zu helfen. Die theoretischen Kenntnisse in Biologie, Anatomie, im Doktorwesen und anderen spannenden Fächern habe ich an der Berufsschule in Zofingen erhalten, jeweils halbtags, da ich aufgrund der ersten Lehre bereits einige Fächer abgeschlossen hatte. Die Lehre zur Podologin habe ich schliesslich mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) abgeschlossen. Es bestünde nun die Möglichkeit, den Bildungsgang Podologie an einer Höheren Fachschule zu besuchen. Mit einem EFZ-Abschluss hat man jedoch bereits die Berufsbefähigung erreicht und ist in der Lage professionelle Behandlungen in der Podologie durchzuführen.

Dank dem erworbenen Fachwissen kann ich heute mit Hilfe verschiedener Hilfsmittel, wie beispielsweise Scheren, Zangen, Feilen, Fräser, Skalpell, Wundauflagen, Salben und Verbandsmaterialien die unterschiedlichsten Beschwerden an den Füssen behandeln. Ich spreche unter anderem von Hühneraugen, Hornhaut, verdickten oder eingewachsenen Nägel sowie anderen ungesunden Nagelformen. Zusätzlich biete ich meinen Kunden, welche mehrheitlich weiblich und zwischen 18 und 94 Jahre alt sind, einfaches Nagelschneiden, Lackieren sowie medizinische Massagen von Fuss bis Knie an.

Nach der zweiten Ausbildung habe ich in drei verschiedenen Podologiepraxen gearbeitet, um meine Fertigkeiten und meine Erfahrung auszubauen. Im Jahre 2014 habe ich mich entschlossen, zu ungefähr 50 % selbständig tätig zu sein. Zu Beginn habe ich meine Kunden, die meistens von Ärzten an mich überwiesen werden, noch mobil behandelt. Das heisst, ich habe die Behandlungen bei den Personen zu Hause vorgenommen. Seit einiger Zeit empfange ich meine Kunden nun auch bei mir zu Hause in einem als Praxisraum eingerichteten Zimmer. Der Weg in die Selbständigkeit stellt mich insbesondere bei der Buchhaltung vor einige Herausforderungen, jedoch zahlen sich meine kaufmännischen Kenntnisse jetzt aus. Auch der Aufbau eines Kundenstammes erfordert grossen Aufwand und Kosten. In dieser Hinsicht haben sich bei mir übrigens das Aufschalten von Werbung und Mund-zu-Mund Propaganda als rentabel erwiesen.

Als selbständig Erwerbstätige erlebe ich abwechslungsreiche Arbeitstage. Morgens beginne ich stets mit der Aufbereitung des Praxisraums und empfange meine Kunden danach im 1.5-Stunden Takt. Somit bleibt mir zwischen den Terminen noch genug Zeit für die erneute Aufbereitung und Desinfektion des Praxisraums, die Sterilisierung der Instrumente und fürs Einlesen in die Akte des nächsten Patienten. Die Arbeitstage beende ich jeweils mit wiederholten Putzarbeiten, denn die Hygiene ist von zentralster Bedeutung.

Hätte sich die Wahl meines jetzigen Berufes übrigens nicht bewährt, hätte ich einen anderen medizinischen und sozialen Beruf in Erwägung gezogen. So beispielsweise die Arbeit als Medizinische Praxisassistentin oder Tiermedizinische Praxisassistentin. Für die Zukunft verfolge ich aber das Ziel zu 100 % selbstständig als Podologin in einer eigenen auswärtigen Praxis zu arbeiten. Um dieses berufliche Ziel zu erreichen, arbeite ich momentan zusätzlich zweieinhalb Tage pro Woche als Verkäuferin, als welche ich Beratungsgespräche führe, Verkäufe abwickle, Materialkunde betreibe, Abrechnungen vornehme und auch Putzarbeiten erledige. Im Gesamten arbeite ich also sieben Tage in der Woche, um genügend Kapital für die Verwirklichung meines beruflichen Traums zu sparen. Bleibt trotzdem mal Zeit für Freizeitaktivitäten, spiele ich gerne mit meinen zwei Katzen, entspanne vor dem Fernseher, treffe Kollegen oder gehe reiten.

Meine persönliche Motivation zur Ausübung dieses Berufs sind die vielen Möglichkeiten an Hilfeleistungen für meine Kunden. Die Freude ist riesig, wenn sich meine Patienten die Tipps und Tricks zu Herzen nehmen und sich Erfolge in der Behandlung zeigen. Denn eigentlich bin ich nämlich überhaupt kein Fan von Füssen. Vielmehr faszinieren mich an meinem Job die engen sozialen Kontakte. Nimmt man es genau, fungiere ich nicht nur als Podologin, sondern auch als Zuhörerin und Ratgeberin. In dieser Hinsicht könnte mein Beruf mit dem einer Psychologin verglichen werden. Genau diese sozialen Begegnungen helfen mir im Übrigen auch privat weiter. Ich habe gelernt, auch in meinem privaten Umfeld persönlich und ohne Kraftausdrücke zu kommunizieren. Im Gegenzug bringt diese enge Kundenbindung auch schwere Momente mit sich. Einerseits traure ich sehr, wenn beispielsweise ein älterer Patient verstirbt und andererseits verzweifle ich innerlich, wenn ich mit meinen Mitteln einem Kunden nicht weiterhelfen kann und er einen Arzt aufsuchen muss. Helfen ist nun mal mein oberstes Gebot.

Mit Überzeugung kann ich bestätigen, dass ich schlussendlich den richtigen beruflichen Weg eingeschlagen habe und ich die Ausbildung zur Podologin auch bei einem erzwungenen Neustart wieder erlernen würde. Auch im hier und jetzt plane ich meine Kenntnisse in allfälligen Weiterbildungen zu vertiefen, sobald ich mein berufliches Ziel erreicht habe. Es gibt wirklich nichts an diesem Beruf, dass mir nicht gefällt. Ich sage immer «entweder mit Leidenschaft oder gar nicht».

Weitere Informationen:

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Podologin / des Podologen?

8 Gedanken zu „Podologin“

  1. Hallo,
    finde es klasse, dass du noch eine andere Ausbildung gemacht hast und du so für deinen Traum kämpfst! Mein Beruf wäre dies jetzt nicht, aber ich finde es echt klasse, dass du Podologin geworden bist.

    1. Liebe Larissa, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Ich schliesse mich dir an. Es ist immer toll zu hören / lesen, dass die Interviewpartner mit ihren Berufen zufrieden sind und ihrem Traum nachgehen können.

  2. Hahahaha, wenn man kein Fan von Füßen ist und trotzdem Podologin wird, das ist doch verrückt. Ich bin auch überhaupt kein Fan von Füßen, aber ich werde auch so schnell nichts mit Füßen machen. Ich finde, manche Menschen haben so ekelige Füße, weil sie diese nie pflegen. Urg, spätestens da würde ich das Handtuch werfen. Hut ab. Interessanter Einblick, den man hier bekommt.

    1. Liebe Bea, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Ich verstehe deine Abneigung von Füssen sehr. Dieser Beruf wäre auch nichts für mich. Ich bin froh, gibt es Personen wie Ramona, die sich diesen Aufgaben annehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.