Yoga-Lehrerin

Karin, 32 Jahre alt mit Arbeitsort in der Altstadt von Thun, lässt als Yoga-Lehrerin ihre Freude für Bewegung und Musik in ihre Kurse einfliessen und steckt ihre Kundschaft mit ihrer Begeisterung und Lebensfreude an.

«Yoga» ein Begriff, welcher mehrere 1000 Jahre alt ist und in der heutigen Gesellschaft stark an Bedeutung gewonnen hat. Die Sprache ist von einer philosophischen Lehre aus Indien, welche aus Körper- sowie Atemübungen und Meditation besteht. In der stressigen Welt von heute, suchen immer mehr Menschen einen Ausgleich in dieser alten Philosophie. Sie brauchen Entspannung, Ruhe, Zeit für sich und wollen ihren Körper stärken oder bewusster leben. Yoga eignet sich ausserdem ungemein bei Rückenproblemen wie auch zur Erhaltung der eigenen Beweglichkeit und verleiht auch mir neue Kraft, weshalb Yoga neben anderen Sportarten, Backen und dem Treffen von Freunden ebenfalls zu meinen liebsten Hobbys zählt.

Diese altindische Lehre hat es mir schon lange angetan, jedoch habe ich nie aktiv eine Karriere als Yoga-Lehrerin angestrebt. Auf einer einjährigen Weltreise hat es sich ergeben, dass ich eine Ausbildung in diesem Bereich abgeschlossen und darauffolgend an verschiedenen Orten auf der Welt auf Englisch und in der Schweiz in einem Angestelltenverhältnis unterrichtet habe. In der intensiven Ausbildung habe ich die philosophischen Hintergründe zu diesem spannenden Thema kennengelernt und auch Kenntnisse über die Ausführungsarten, die Anatomie des Menschen sowie die Planung von Kursen erhalten. Für eine Ausbildung in diesem Bereich muss man allerdings nicht unbedingt ins Ausland reisen. In der Schweiz gibt es ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten an kleineren und grösseren Ausbildungen teilzunehmen.

Heute führe ich ein eigenes Yogastudio, in welchem ich sowohl Jung als auch Alt herzlich willkommen heisse. Meine Kunden sind durchschnittlich zwischen 27 und 37 Jahre alt und zu ungefähr 90 % weiblich. Dadurch kann ich mir gut vorstellen, dass diese Art von Bewegung eher ein Frauending ist. Männer sind aber auch sehr gerne gesehen!
Zusammen mit zwei Kolleginnen biete ich unter der Woche neun beständige Kurse à 75 Minuten sowie an den Wochenenden wechselnde Workshops à 120 Minuten an. Die Yogakurse bieten jeweils Platz für 15 Personen und beginnen stets in einer ruhigen Position mit geschlossenen Augen. Sie enden dann immer mit einer Tiefenentspannung am Boden. Während den Yogastunden bewegen sich nicht nur die Kunden, sondern auch ich als Kursleiterin. Ich zeige die verschiedenen Übungen vor und achte darauf, dass die Kursteilnehmer keine vielleicht sogar schädlichen Fehlpositionen einnehmen. Im Kurs namens Yoga Flow begeben wir uns in dynamische Flows und führen dehnende Positionen sowie Balanceübungen aus. In einem zweiten Kurs, welcher für werdende Mütter angeboten wird, führen wir rückenstärkende sowie entspannende Übungen aus und aktivieren den Körper wie auch den Geist. Im dritten Kurs, dem Mama & Baby Yoga, integrieren wir die ungefähr 6 Wochen bis 10 Monate alten Kinder in spielerische Übungen und führen sanfte Yogaflows wie auch Massagen durch. Nach der Schwangerschaft und der Geburt wird mit Hilfe von passenden Übungen zusätzlich der Körper und der Geist wieder ins Gleichgewicht gerückt. Yoga kann an jedem erdenklichen Ort ausgeführt werden. Hilfsmittel, wie beispielsweise Yogamatten, Yogablöcke und Yogakissen werden dabei nur als Unterstützung eingesetzt. So unterrichte ich nicht nur in meinem Studio, sondern bei schönem Wetter auch draussen an inspirierenden Orten, wie zum Beispiel am Aarequai beim Dreifrauenbrunnen.
Neben meinem Beruf als Yoga-Lehrerin arbeite ich zusätzlich als Stellvertretungslehrerin in den Primarschulen der Region. Als solche unterrichte ich 3. bis 6. Klässler in allen möglichen Fächern. Um diesen Wunschberuf ausführen zu dürfen, habe ich nach der obligatorischen Schule, also lange vor meiner Ausbildung zur Yoga-Lehrerin, das Gymnasium besucht und anschliessend auf eine pädagogische Hochschule (PH) gewechselt.

Ich bin überzeugt, dass mich meine Ausbildung zur Primarlehrerin auch in meiner selbständigen Tätigkeit weiterbringt. Das Planen von Kursen und das Sprechen vor Gruppen bin ich mir nämlich gewohnt. Ausserdem hat mir der Lehrerberuf beim Aufbau meines zweiten Standbeins als Rückversicherung gedient. Auch umgekehrt sehe ich einen Nutzen: Das Ausführen von Yoga hilft mir bei der Bewahrung von Ruhe im Umgang mit den aktiven Kindern im Alter von 9 bis 12 Jahren.

Aufgrund meiner beiden Berufe arbeite ich fast täglich. Einen einheitlichen Tagesablauf kenne ich überhaupt nicht. Beim Unterrichten an den Schulen wird mein Tagesablauf durch den vorgegebenen Stundenplan bestimmt und im Yogastudio stehen es neben dem Leiten der unterschiedlichen Kurse noch Social Media-, Büro- und Putzarbeiten an. Wobei ich die zwei letzteren Tätigkeiten nicht unbedingt zu meinen Lieblingsaufgaben zähle. Es besteht zudem die Möglichkeit, dass ich an manchen Tagen beide Berufe ausführe. So unterrichte ich am Morgen beispielsweise die fleissigen Primarschüler und leite am Nachmittag oder gegen Abend einen intensiven Yogakurs.

An meinen erlernten Berufen gefällt mir allem voran der tägliche Kontakt zu verschiedenen Menschen. Mich freut besonders, dass ich meinen jungen und älteren Schülern neues Wissen und beim Yoga dazu auch ein positives Gefühl vermitteln kann. Müsste ich jedoch einen neuen Beruf auswählen, würden mich auch die Tätigkeiten einer Hebamme interessieren. Meinen beruflichen Weg würde ich aber auch bei einem erzwungenen Neustart erneut gehen. Ich bin wirklich dankbar und stolz, hat sich mein Berufsleben so erfolgreich entwickelt. Zu den schönsten Momenten in meinem Berufsleben zähle ich ganz klar das einjährige Jubiläum meines eigenen Yogastudios, welches ich bei einem Apéro mit Freunden und Kunden gefeiert habe. Ein zweiter glücklicher Moment, ist die Einweihung des Studios an meinem aktuellen Standort gewesen. Zwar haben der Ortswechsel und die Renovierung des neuen Lokals viel Zeit beansprucht und daher auch die Gefahr von Kundenverlusten mit sich gebracht, doch trotzdem hat sich die Mühe allemal gelohnt.

Weitere Informationen:

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Yoga-Lehrerin / des Yoga-Lehrers?

9 Gedanken zu „Yoga-Lehrerin“

  1. So interessant wie gut die beiden Berufe sich doch ergänzen! Letztes Semester habe ich einen Yoga Kurs an der Uni belegt und fand es toll und könnte mir vorstellen das weiter zu machen. Das Studio sieht auch super aus! 🙂

  2. Interessanter Einblick in den Beruf. Und wird bei dir nie langweilig wie ich lese. Eigentlich ein Traum, wenn man nicht jeden Tag den gleichen Tagesablauf hat. Danke für den Einblick.

  3. Ein sehr spannender Berufseinblick. Schade eigentlich, dass Yoga so stark als Männerding angesehen wird. Ich möchte 2019 auf jeden Fall auch mit Yoga beginnen und konnte auch schon meinen Freund auf Anhieb dafür überzeugen 🙂 Ich kann mir jedenfalls vorstellen, dass das ein sehr spannender und ausgeglichener Job ist.

    1. Liebe Alice, danke für deinen Kommentar 🙂 Spannend was du in deinem Kommentar schreibst. Im Interview hat mir Karin erzählt, dass ihre Kurse vorwiegend von Frauen besucht werden. Viel Spass bei deinem Vorhaben

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