Landwirt

Peter, 49 Jahre alt aus Thierachern, ist seit Jahren begeisterter Landwirt.

Mein beruflicher Weg war schon ein wenig vorgelegt, da mein Bauernhof ursprünglich meinem Vater gehörte. Mein älterer Bruder begann damals eine andere Ausbildung und ich entschied mich die Lehre zum Bauern zu absolvieren. Zwar verlangten meine Eltern die Übernahme des Hofes nicht, trotzdem wären sie wohl enttäuscht gewesen, hätte ich mich dagegen entschieden.

Mein Arbeitstag beginnt jeweils schon in den frühen Morgenstunden. Um 05:30 Uhr holt mich mein Wecker aus dem Tiefschlaf und schon geht es für mich ab in den Stall um meine Kühe zu melken und zu füttern. Etwas später von circa 07:15 Uhr bis 08:00 Uhr frühstücke ich gemütlich und mache mich nach der Stärkung an die verschiedenen Arbeiten, die ein Hof mit sich bringt.
Auf einem Bauernhof gibt es je Jahreszeit unterschiedlichste Tätigkeiten zu erledigen. Um nur einige davon aufzuzählen: Ich betreue ganz jährlich meine Tiere, bekämpfe von Zeit zu Zeit Unkraut und unterhalte gegebenenfalls die benötigten Maschinen. Im Frühling sähe und setze ich verschiedene Kulturen, wie Kartoffel und Mais sowie Getreidesorten an, welche ich dann im Herbst ernten kann. Dazu kümmere ich mich von Frühling bis Herbst um die Futtervorsorge für den Winter. In der kalten Jahreszeit rücken dann eher Büroarbeiten in den Vordergrund.

Meine Ausbildung bestand zum grössten Teil aus praktischem Lernen. Daher arbeitete ich für zwei Jahre auf einem fremden Betrieb und besuchte nebenbei die Schule, in welcher mir Allgemeinbildung gelernt wurde. Auch absolvierte ich notwendige Kurse und bestand zu meiner Freude die Fähigkeitsprüfung.

Nach dem Mittagessen von 12:00 Uhr bis 13:00 Uhr begebe ich mich zurück an die anstehenden Arbeiten und melke und füttere gegen Abend wieder meine Kühe. Normalerweise kann ich gegen 18:00 Uhr Feierabend machen und den Tag ausklingen lassen. Im Gegensatz zu anderen Berufen arbeite ich sechs Tage in der Woche und erledige sonntags auch noch einige Arbeiten. Momentan kümmere ich mich um 27 Kühe, Jungfeh, Hühner, Katzen, einen Hofhund und um 28 Hektar Land. Jedoch habe auch ich fleissige Helfer. So unterstützen mich meine Frau und nach wie vor meine Eltern. Zu Spitzenzeiten ist es mir auch möglich weitere Personen beizuziehen.
Nach meiner Ausbildung zum Landwirt arbeitete ich erstmal zwei Jahre in der Landi und anschliessend 15 Jahre als Lastwagenchauffeur. Als mein Vater pensioniert wurde, übernahm ich den Hof in meine Obhut. Ich erinnere mich, dass die Umstellung nicht leicht war. Vor allem der Gedanke sieben Tage in der Woche verantwortlich zu sein.

Mir gefällt am besten, dass ich einen gemischten Betrieb führe. Also sowohl Fleisch als auch Milch und andere Produkte verkaufe und natürlich die schöne Lage. Ohne zu zögern würde ich die gleiche Ausbildung nochmals absolvieren und den gleichen Weg gehen. Wäre dies nicht möglich, würde ich wahrscheinlich wieder als Chauffeur arbeiten oder vielleicht auch als Abwart.

Schöne Momente erlebe ich zahlreiche. Eine besonders freudige Zeit erlebte ich aber, als ich meine Betriebsfläche innert einer Woche um das doppelte vergrössern durfte. Dies war möglich, weil andere Bauern ihre Betriebe aufgegeben hatten und dankbar für Abnehmer ihres Landes gewesen waren.
Wie in allen Berufen gibt es aber Positives und Negatives. So bin ich zwar mein eigener Chef, doch trotzdem erhalte ich immer mehr Vorschriften vom Kanton und vom Bund. Zudem wird die Entlohnung aus den verkauften Produkten immer weniger. Im Laden kosten diese zwar noch gleich viel, jedoch sinkt der Verdienst der Bauern. Auch gibt es traurige Tage, etwa wenn eine meiner Kühe eine Fehlgeburt erleidet.

Meine Freizeit kann ich mir selber einteilen. Zwar sind längere Abwesenheiten problematisch, doch trotzdem findet sich immer einen Weg eine kurze Auszeit zu geniessen. Als Ausgleich bin ich Aktivmitglied in einer Musikgesellschaft und spiele dort Tenorhorn, auch nehme ich verschiedene Ämtchen in Vereinen wahr und setze mich in der freiwilligen Feuerwehr ein.

Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf des Landwirts / der Landwirtin?

10 Gedanken zu „Landwirt“

  1. Landwirte haben unsere aller Hochachtung verdient! Danke das du diesen wichtigen Beruf vorstellst und wir mehr darüber erfahren. Da ich Waldorfschüler war, gehörte auch ein Landwirtschaftspraktikum, das kann ich jeden nur empfehlen.

    1. Liebe Claudia, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Dieser Beruf fordert wirklich vieles von einem. Es ist bemerkenswert, wie sich die Landwirte für ihren Beruf einsetzen.

  2. Landwirt sein bedeutet mit Leib und Seele alles zu geben. Ich bewundere das, denn ich könnte das leider nicht. Schon allein die Tiere zum Schlachter bringen zu müssen würde mir vermutlich das Herz brechen. Aber das gehört da eben auch dazu.

    Toll, dass du neben bei noch so spannende Ausgleichtätigkeiten machst.

  3. Erstaunlich so eine Arbeit ganz ohne Feierabend oder Wochenende! Man muss ja irgendwie immer da sein. Ich mag zwar Tiere und werkle immer wieder gerne rum, aber so auf Dauer wäre das glaube ich nichts für mich.

    1. Liebe Wioleta, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Der Beruf des Landwirts ist nicht ganz ohne. Ich liebe Tiere auch, der Beruf wäre aber wahrscheinlich auch nichts für mich.

  4. Hey, ich selbst komme aus einer Familie mit Landwirtschaft und einige Leute aus meinem Umfeld sind auch in der Landwirtschaft tätig. Ganz klar: Diesen Beruf muss man lieben, da gibt es nur hop oder top – ein bisschen Landwirtschaft geht nicht.

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