Tierbetreuerin

Nathalie, 31 Jahre alt mit Wohn- und Arbeitsort in Spiez, schenkt als Tierbetreuerin FBA ihr Herz und ihre Zeit den Vierbeinern ihrer Kunden.

Mein Herz hat schon immer den Tieren gehört. Von Katzen über Hamster, Mäuse, Meerschweinchen und Kaninchen bis hin zu einem Hund, haben bei mir schon etliche tierische Bewohner ein Zuhause gefunden. Meiner Meinung nach sind Tiere eine Bereicherung für unsere Welt. Gerade Hunde, welche ja bekanntlich die besten Freunde der Menschen sind, haben es mir angetan. Eine berufliche Tätigkeit mit Tieren passt also zweifelslos zu mir. Trotzdem bin ich beim Thema Beruf erst vor kurzem auf den Hund oder eben sogar auf das Tier gekommen. Ursprünglich habe ich nämlich eine vierjährige Lehre zur Augenoptikerin absolviert und darauffolgend einige Abstecher in die Gastronomie, in die Kosmetikbranche und in ein Callcenter unternommen. Erfahrungen konnte ich in all diesen Berufen sammeln, jedoch haben sich meine Motivation und der Spass an diesen unterschiedlichen Tätigkeiten stets in Grenzen gehalten. So habe ich während einer fast zweijährigen Arbeitslosigkeit entschieden, in meinem (Berufs)leben etwas zu verändern. Per Zufall hat ein Post in einem sozialen Netzwerk mein Interesse geweckt. Was sind die Aufgaben einer Tierbetreuerin? Ich bin der Neugier gefolgt und habe im Internet recherchiert. Vor zwei Jahren habe ich mich dann endgültig entschieden die Ausbildung, bestehend aus einem dreimonatigen Praktikum und einem einwöchigen Kurs, zu absolvieren. Schon vorher habe ich mir ein vertieftes Wissen über Tiere, insbesondere Hunde, aus Büchern und aufgrund persönlicher Erlebnisse mit meiner eigenen Fellnase angeeignet. Viele neue Kenntnisse konnte ich während des Kurses also nicht gewinnen.

Mit der Bescheinigung zum erfolgreichen Absolvieren des Lehrgangs in der Hand habe ich mich selbständig gemacht. Der Inhalt meines beruflichen Alltags ist es nun, hauptsächlich Hunde mit verschiedensten Rassen, Grössen, Alter und Charaktereigenschaften tage- oder halbtageweise zu betreuen. Zusätzlich biete ich auch Ferienbetreuungen für Hunde, Nager, Kaninchen, Reptilien oder Katzen an.

Der Wechsel in die Selbständigkeit verlangt allgemein grossen Mut und ist mit einigen Veränderungen verbunden. Bevor also meine Zweifel und Ängste beim Gedanken an die grosse Verantwortung verflogen waren, musste ich einige Erfahrungen sammeln und meine eigene Routine finden. Schnell hat sich in meinem Fall das Leben als selbständig erwerbstätige Person dann zum «Normalen» entwickelt. Nun bin ich sogar froh, dass ich meinen Tagesablauf frei bestimmen kann. Dies ist ein Punkt, der mir neben der abwechslungsreichen Arbeit mit den Tieren wirklich gut gefällt.
Meine Haustür steht montags bis freitags jeweils von 06:30 Uhr bis 09:00 Uhr zum Vorbeibringen der tierischen Freunde offen. Selbstverständlich vergebe ich keine der acht Betreuungsstellen ohne Anmeldung und ohne persönliches Gespräch mit dem Besitzer über Macken, Eigenschaften sowie sonstige Einschätzungen, Auffälligkeiten und Bedürfnisse. Diese Gespräche haben eine grosse Bedeutung, um die Chemie zwischen den Vierbeinern und mir zu testen und ebenso potentielle Gefahren abzuschätzen. Meine Richtlinien besagen, dass ich zum Wohl aller vierbeinigen Gäste und natürlich auch von mir keine läufigen Hündinnen, unkastrierte Rüden, aggressive sowie schlecht sozialisierte Hunde bei mir aufnehme. Sind alle Hunde eingetroffen, mache ich mich mit der gemischten Gruppe auf zu einem ausführlichen Spaziergang, welcher je nach Anzahl Vierbeinern ein bis eineinhalb Stunden dauert. Im Anschluss gebe ich meinen Schützlingen ihr wohlverdientes Frühstück. Das entsprechende Futter bringen die Besitzer im Normalfall mit. Nachdem die Töpfe leer sind, gewähre ich den Vierbeinern eine einstündige Ruhezeit zum Verdauen und lasse ihnen anschliessend die freie Wahl zwischen kuscheln, weiterschlafen und spielen. Diese Zeit nutze ich für gewöhnlich, um die flauschigen Freunde auf Verletzungen abzutasten und Leinen, Halsbänder und / oder Geschirr auf Defekte zu kontrollieren.
Somit ist der Morgen schon bald um, ich gebe Hunde ab oder nehme neue an. Nach einer kurzen Mittagspause steht dann die Nachmittags-Gassirunde an. So mache ich mich um circa 14:00 Uhr erneut auf den Weg zu einer einstündigen Runde. Den Rest des Tages lasse ich meine Schützlinge nach Lust und Laune ausspannen und spielen. Ferientieren gebe ich etwas später noch ihr Abendessen und führe sie nochmals nach draussen fürs Erledigen ihres Geschäfts.
Zu guter Letzt gilt es für mich den Putzlappen zu schwingen. Viele Tiere bringen viel Dreck. Mein Arbeitstag und vor allem die Abende bestehen darum ebenfalls aus Wischen, Staubsaugern, Abstauben, Abwaschen und Waschen.

Die Räumlichkeiten meiner Tierpension wurden vom Veterinäramt abgenommen und bieten im Gesamten ungefähr 90 Quadratmeter mit vielen Körbchen, Decken, Rückzugsorten und erhöhten Liegepositionen. Auf Zwinger und Käfige verzichte ich aus Prinzip. Gerade Hunde sollen Hunde sein dürfen. Sie sollen also nicht eingesperrt sein, sondern vielmehr spielen, rennen, kuscheln und ruhen dürfen. Um dieses kleine Paradies anbieten zu können und um überhaupt so vielen Tieren ein Plätzchen anbieten zu können, bin ich zusammen mit meinem Lebenspartner in eine Wohnung in einer Mischzone (Gewerbe- und Wohnzone) gezogen. In den Wohnquartieren ist es nämlich oftmals nicht erlaubt über sechs Hunde aufzunehmen.

Die Hunde fühlen sich jeweils rasch wohl. Zu Vergleichen ist der Vorgang mit einem Kind, welches zum ersten Mal in den Kindergarten muss. In den ersten Stunden oder gar am ersten Tag ist es noch etwas schüchtern und vielleicht unsicher, doch schon an den darauffolgenden Tagen blüht es auf. Ein Hund ist im ersten Moment auch sehr kritisch, wenn er an einem fremden Ort mit fremden Personen ankommt. Bald verliert aber auch er seine Unsicherheit und fühlt sich bei einem guten Umgang wohl. Meine Schützlinge gewinne ich im Übrigen alle lieb, schliesslich verbringe ich ja sehr viel Zeit mit ihnen. Umso schwieriger ist es manchmal zuzusehen, wenn Besitzer auf eine, nach mir, falsche Art mit den Vierbeinern umgehen. Dem Herzen weh tut aber vor allem, zu erfahren, wenn einer der süssen Racker sein Leben gelassen hat. Abschiednehmen, egal ob von geliebten Menschen oder Tieren, ist immer mit grosser Trauer verbunden.

In diesem Job habe ich nun endlich eine Tätigkeit gefunden, die mir wirklich zusagt. So bald werde ich diesen beruflichen Weg freiwillig nicht verlassen. Ich bin fest überzeugt, dass ich dieselbe Ausbildung auch bei einem Neustart wieder antreten würde. Ich erlebe nämlich wirklich viele wunderschöne und freudige Momente mit Tier und Mensch. Die Liebe der tierischen Freunde und die grosse Dankbarkeit der Besitzer, welche durch liebe Worte, viel Verständnis für spontane Freitage, Trinkgeld, Feriensouvenirs und Weihnachtsgeschenke ausgedrückt wird, zeigt mir den grossen Wert meiner Dienstleistung. Ebenso eine Bestätigung ist, wenn ich den Mensch- und Tiergespannen mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Ein Beispiel: Einer meiner regelmässigen Gäste, ein grosser Hund, ist viel zu dick gewesen und hat sich ständig gekratzt. In einem Gespräch habe ich der Besitzerin einen Futterwechsel vorgeschlagen. Nur sechs Monate später ist der Hund wie ausgewechselt, schlank und voller Energie. Das tut meiner Seele gut und ist für den Hund natürlich fantastisch. Obwohl ich keine ausgebildete Hundetrainerin, Ernährungsberaterin oder Tierärztin bin, hegen viele Kunden eine sehr hohe Erwartung in punkto Fachkompetenz in alle diese Richtungen an mich. Die Aufgabe einer Tierbetreuerin ist jedoch im Grunde genommen recht simpel: Den geliebten Hund gesund und ausgelastet wieder in die Hände der Halter zurückzugeben.

Der Beruf ist sehr zeitaufwändig und wenig flexibel, da jeder Tag anders ist und die Hunde zu unterschiedlichen Zeiten abgeholt und gebracht werden. Das kann abends auch mal 20.30 Uhr werden, wenn ich meinen Kunden entgegenkommen will. An meinen Arbeitstagen stehen die Tiere stets im Mittelpunkt, weshalb vor allem regelmässige Freizeitaktivitäten eher zu kurz kommen. Wenn es sich vereinbaren lässt, fahre ich aber gerne zum Pilates, gehe tanzen, treffe meine Familie oder schaue mir einen spannenden Film im Kino an. Auf eine Hilfskraft verzichte ich momentan, da ich auf niemanden angewiesen sein möchte. Einzig vergebe ich ab und zu Praktikums- oder Schnupperplätze an Mädchen und Jungen ab 14 Jahren.

Ich freue mich auf jeden weiteren tierischen Gast, den ich bei mir begrüssen darf. Folgender Spruch von W. Daayton Wedegefarth finde ich einfach grossartig: Ich spreche mit ihm, wenn ich einsam bin, und ich weiss genau, er versteht. Wenn er mich aufmerksam anschaut und sanft meine Hände leckt: An meinem besten Anzug reibt er seine Schnauze- aber ich sag keinen Ton: Weiss Gott! Ich kann mir neue Kleidung kaufen, aber keinen Freund wie ihn!

Weitere Informationen:
https://www.nathaliestierbetreuung.ch


Meine Fragen an dich:
– Was ist deine Meinung zum Text?
– Was ist deine Meinung zum Beruf der Tierbetreuerin / des Tierbetreuers?

22 Gedanken zu „Tierbetreuerin“

  1. Dass es diesen Beruf gibt finde ich spannend. Es gehört aber auch viel Vertrauen dazu seine Tiere einem fremden Menschen anzuvertrauen. Eine Prädikatisierung ist hier sicher ein Qualitätsmerkmal.

    1. Liebe Carina, danke für deinen Kommentar 🙂 Das Vertrauen spielt wirklich eine grosse Rolle. Das habe ich auf der Suche nach einer Betreuung für meinen Hund selber gemerkt.

  2. Ich finde Tierbetreuung eine super Sache. Nicht immer hat man die Möglichkeit Freunde oder Familie um die Betreuung der Tiere zu bitten und so kommt man dann doch noch dazu, in den Urlaub zu fahren. Ich wusste allerdings nicht, dass es hierfür spezielle Zertifikate gibt 🙂

    1. Liebe Carry, danke für deinen Kommentar 🙂 Bei uns gibt es immer mehr Tierbetreuungen mit Zertifikaten. Ich muss allerdings sagen, dass ich meinen Hund einer Privatperson abgebe. Es kommt natürlich immer aufs Vertrauen an.

  3. Liebe Petra,
    herzlichen Dank, dass du uns durch Nathalies Berufseinblick diesen Job näher gebracht hast. Ich selber habe auch schon meinen Hund in eine Pension meines Vertrauens gegeben und war dankbar, dass mein Rüde auch unkastriert aufgenommen worden ist. Mein Beagle ist da immer ein gern gesehener Gast und auch er geht da super gern hin.

    1. Liebe Mo, herzlichen Dank für deinen Kommentar 🙂 Schön, dass du deine Erfahrungen hier teilst. Ich habe selber einen Hund und bin auch mega froh, kann ich ihn während meiner Arbeit zu einer Peson meines Vertrauens geben.

  4. Was für ein toller Beruf, bei dem man aber auch viel Verantwortung für die vierbeinigen Freunde des Menschen übernimmt. Aber ich finde Menschen wichtig, die sich an diesen Beruf dran trauen. Es ist wirklich schwierig Hundebetreuer zu finden für tagsüber oder wenn man irgendwo übernachtet und den Vierbeiner nicht mitnehmen kann.

    1. Liebe Sophie, danke für deinen Kommentar 🙂 Als Tierbetreuerin trägt man wirklich eine grosse Verantwortung. Wichtig ist aber meiner Meinung nach, dass man diesen Beruf von ganzem Herzen ausführt. Für Tierbesitzer ist dieser Service nämlich wirklich total praktisch.

  5. Toller Einblick in einen ungewöhnlichen Beruf! So ein „Hundekindergarten“ wäre hier auch eine Idee, zwar nicht für mich, aber für die Hundehalter, die den ganzen Tag arbeiten und deren Tier sich sonst zuhause langweilt.

    1. Liebe Salvia, danke für deinen Kommentar 🙂 So ungewöhnlich ist der Beruf bei uns gar nicht. Es gibt immer mehr Anbieter für Tierbetreuungen. Als Tierbesitzer ist das echt praktisch.

  6. eine Freundin von mir ist z.B. professionelle Hundesitterin – auch aus Leidenschaft 🙂
    da haben sich Pfoten und Mensch dann gefunden! ein spannender Einblick!

    1. Liebe Tina, danke für deinen Kommentar 🙂 Ich finde Berufe mit Tieren einfach super. Eigentlich wollte auch ich immer mit Tieren arbeiten. Bis heute ist daraus aber noch nichts geworden.

  7. Tiere und vor allem Hunde sind auch meine große Leidenschaft. Aus diesem Grund habe ich auch schon darüber nachgedacht, nach unserer Europareise eine Tierpension zu eröffnen. Vielen Danke für diese spannenden Einblicke in den Beruf! 🙂
    Liebe Grüße

    1. Liebe Julia, danke für deinen Kommentar 🙂 So eine Tierpension ist sicher was tolles, gibt aber auch viel Arbeit. Wenn man sein Herz aber den Tieren (Hunden) verschrieben hat, lohnt sich der Aufwand garantiert! Schöne Reise noch 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.